In 400 Metern Tiefe
Finnland bekommt Endlager für Atommüll
Finnland hat als erstes Land weltweit eine Betriebsgenehmigung für ein Endlager für Atommüll erteilt. Damit darf die Betreiberfirma der Kernkraftwerke radioaktiven Atommüll in Behälter einschließen und dauerhaft endlagern. Die Lagerung werde in mehr als 400 Metern Tiefe durchgeführt, teilte die finnische Regierung mit.
Die Endlagerung soll rund hundert Jahre dauern, danach wird das Lager verschlossen. Es besteht aus einer oberirdischen Verpackungsanlage und dem Endlager Onkalo – finnisch für Höhle –, das in einer Tiefe von mehr als 400 Metern errichtet wurde. Die Baugenehmigung für das Lager hat die Betreiberfirma Posiva bereits 2015 bekommen, ein Jahr später begann der Bau im Untergrund.
Laut der Regierung dürfen künftig maximal 6500 Tonnen Uran gelagert werden. Die abgebrannten Kernbrennstoffe werden in speziellen Behältern eingeschlossen. „Diese bestehen aus einem Gusseiseneinsatz, der von einer fünf Zentimeter dicken Kupferhülle umgeben ist“, sagte ein Posiva-Sprecher. Die Behälter werden anschließend in Bohrlöcher in das Gestein herabgelassen und mit einer zusätzlichen Schutzschicht aus Beton umgeben.
„Ein genauer Zeitplan für die Inbetriebnahme liegt derzeit nicht vor“, hieß es in einer Mitteilung. Zuvor muss die Strahlenschutz- und Nuklearsicherheitsbehörde noch die Anlage inspizieren und grünes Licht geben. In einer nahen Anlage in etwa 60 bis 100 Metern Tiefe lagert Finnland bereits seit einigen Jahrzehnten schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Onkalo ist das erste Endlager für abgebrannte Kernbrennstoffe. Dort soll nur finnischer Atommüll landen.
Umweltschutzorganisationen kritisieren Kupferbehälter
Die Art der Lagerung ist Anlass für Kritik von Umweltschutzorganisationen. „Versagen diese Kupferbehälter irgendwann in der Zukunft, droht Grundwasser radioaktiv verschmutzt zu werden“, sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. „Außer Finnland geht lediglich Schweden diesen unwirtschaftlichen Weg, alle anderen Staaten wie Deutschland setzen auf geologische Barrieren – sogenanntes Wirtsgestein wie Steinsalz, Ton- oder Kristallingestein“, sagte er weiter.
Auch Deutschland sucht seit Langem nach einem Standort für ein sicheres Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Obwohl die letzten Atomreaktoren 2023 abgeschaltet wurden, muss noch ein Lager für rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommülls gefunden werden, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft angefallen ist. Derzeit lagert der Müll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.

Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 







Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.