In 400 Metern Tiefe

Finnland bekommt Endlager für Atommüll

Ausland
23.10.2026 16:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Finnland hat als erstes Land weltweit eine Betriebsgenehmigung für ein Endlager für Atommüll erteilt. Damit darf die Betreiberfirma der Kernkraftwerke radioaktiven Atommüll in Behälter einschließen und dauerhaft endlagern. Die Lagerung werde in mehr als 400 Metern Tiefe durchgeführt, teilte die finnische Regierung mit.

Die Endlagerung soll rund hundert Jahre dauern, danach wird das Lager verschlossen. Es besteht aus einer oberirdischen Verpackungsanlage und dem Endlager Onkalo – finnisch für Höhle –, das in einer Tiefe von mehr als 400 Metern errichtet wurde. Die Baugenehmigung für das Lager hat die Betreiberfirma Posiva bereits 2015 bekommen, ein Jahr später begann der Bau im Untergrund.

Laut der Regierung dürfen künftig maximal 6500 Tonnen Uran gelagert werden. Die abgebrannten Kernbrennstoffe werden in speziellen Behältern eingeschlossen. „Diese bestehen aus einem Gusseiseneinsatz, der von einer fünf Zentimeter dicken Kupferhülle umgeben ist“, sagte ein Posiva-Sprecher. Die Behälter werden anschließend in Bohrlöcher in das Gestein herabgelassen und mit einer zusätzlichen Schutzschicht aus Beton umgeben.

„Ein genauer Zeitplan für die Inbetriebnahme liegt derzeit nicht vor“, hieß es in einer Mitteilung. Zuvor muss die Strahlenschutz- und Nuklearsicherheitsbehörde noch die Anlage inspizieren und grünes Licht geben. In einer nahen Anlage in etwa 60 bis 100 Metern Tiefe lagert Finnland bereits seit einigen Jahrzehnten schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Onkalo ist das erste Endlager für abgebrannte Kernbrennstoffe. Dort soll nur finnischer Atommüll landen.

Umweltschutzorganisationen kritisieren Kupferbehälter
Die Art der Lagerung ist Anlass für Kritik von Umweltschutzorganisationen. „Versagen diese Kupferbehälter irgendwann in der Zukunft, droht Grundwasser radioaktiv verschmutzt zu werden“, sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. „Außer Finnland geht lediglich Schweden diesen unwirtschaftlichen Weg, alle anderen Staaten wie Deutschland setzen auf geologische Barrieren – sogenanntes Wirtsgestein wie Steinsalz, Ton- oder Kristallingestein“, sagte er weiter.

Auch Deutschland sucht seit Langem nach einem Standort für ein sicheres Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Obwohl die letzten Atomreaktoren 2023 abgeschaltet wurden, muss noch ein Lager für rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiven Atommülls gefunden werden, der in mehr als 60 Jahren Atomkraft angefallen ist. Derzeit lagert der Müll in sechzehn oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.

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