Hohe Standortkosten setzen die heimische Lebensmittelindustrie im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck. So gingen heuer erstmals die Exporte sowohl mengenmäßig als auch wertmäßig zurück. Der Handelsüberschuss schrumpft seit Jahren, zuletzt waren es nur mehr rund 800 Millionen Euro.
Der Export ist für Österreich eine wichtige Stütze, verdienen wir doch etwa sechs von zehn Euro im Ausland. Auch unsere Lebensmittel waren in den letzten Jahren im Export heiß begehrt. Doch nun scheint die erstklassige heimische Qualität nicht mehr zu reichen. Erstmals sanken sowohl Menge als auch Wert der ausgeführten Waren. Konkret ging es im ersten Halbjahr mengenmäßig um 5,1 Prozent, wertmäßig um 0,8 Prozent zurück.
Als Grund dafür nennt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer, die hohen Kosten für Energie, Personal und Bürokratie sowie die für die Beschaffung von Rohstoffen und Verpackungsmaterial. „Österreichs Lebensmittelhersteller tragen einen vergleichsweise schwereren Kostenrucksack bei Aufwendungen für Personal- und Energiekosten als ihre ausländischen Mitbewerber. Das rächt sich dann auf den Exportmärkten“, so die Branchenexpertin.
Wenn nur mehr der billigste Preis der beste Preis ist, können die österreichischen Betriebe nicht reüssieren. Billig können andere Länder besser.

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie
Bild: Foto Wilke
„Haben an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren“
Dazu kommt, dass auch insgesamt die abgesetzte Produktion (also inklusive Inland) wertmäßig im ersten Halbjahr um 5,4 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro gesunken ist. „Das macht deutlich, das unsere Betriebe an preislicher Wettbewerbsfähigkeit verloren haben“, betont Koßdorff. Die Österreicher greifen nämlich die letzten Jahre immer stärker auch zu importierten Nahrungsmitteln. So legten die Einfuhren von 2021 bis 2025 um stolze 55 Prozent auf im Vorjahr 10,01 Milliarden Euro zu. Die Ausfuhren konnten im gleichen Zeitraum jedoch nur um 25 Prozent auf 10,82 Milliarden Euro gesteigert werden. Letztlich bleibt somit noch ein Handelsbilanz-Überschuss von rund 800 Millionen Euro. 2021 waren es noch über 2,1 Milliarden Euro.
Export- und Standortoffensive gefordert
Der Fachverband fordert angesichts dessen eine Export- und Standortoffensive. Einerseits müsse die Politik als „Türöffner“ für neue Märkte fungieren, andererseits brauche es dringend niedrigere Energiekosten und einen spürbaren Abbau bürokratischer Belastungen. Wie groß der Kostendruck im internationalen Vergleich ist, zeigt laut Koßdorff ein Beispiel: Österreichische Unternehmen zahlen derzeit etwa zehnmal so viel für Erdgas wie ihre US-amerikanischen Konkurrenten.
Getränke, konkret Red Bull, bleiben Export-Bestseller
Etwas mehr als drei Viertel (76,7 Prozent) unserer Lebensmittel gehen in die EU. Klar der wichtigste Markt ist und bleibt Deutschland. Der Bestseller bleibt auch heuer im 1. Halbjahr mit knapp 1,2 Milliarden Euro Exportwert Getränke wie Limonaden, Energydrinks (Red Bull) oder Eistees. Dahinter folgen Lebensmittelzubereitungen (508 Millionen Euro) für die industrielle Weiterverarbeitung sowie Tierfutter (495 Millionen Euro) sowie feine Backwaren (428 Millionen Euro).
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