Wir schauen auf den Menschen hinter dem Partezettel – doch welche Worte soll man finden, wenn ein erst fünf Jahre altes Mäderl nach langem Leiden stirbt? Eines, das so gerne gelacht, gesungen, getanzt hat. Eines, das unvergessen bleibt.
Was soll man da sagen, was schreiben, welche tröstlichen Worte für die Familie finden – wenn es einfach nur unfassbar traurig ist. Milena war erst fünf Jahre alt. Milena hat ihr Leben noch lange nicht gelebt. Sie hatte nicht einmal richtig damit angefangen. Sie ist tot, weil das Schicksal tatsächlich unerbittlich sein kann.
Der Kampf war lang, hart, ungerecht. Mit 60 Vollnarkosen, Dutzenden Bestrahlungen, Therapien, Eingriffen, die ein Erwachsener wohl kaum ertragen hätte. Milena hat nie geklagt. Sie ist den Weg mit unglaublicher Stärke gegangen. Trotz allem war sie es, die ihren geliebten Eltern Kraft gegeben hat. Wenn sie den Kopf wegdrehten, damit ihr Kind sie nicht weinen sieht, dann hat Milena gesagt: „Geh! Ich will nicht angereart werden.“ Milena, die so klug und so voller Empathie war, dass sie ihr kleines Brüderchen nicht merken ließ, wie es ihr wirklich ging.
Die Welt lachend umarmt
Dieses Kind war wie ein Sonnenstrahl, warm, leuchtend, voller Energie. Sie war eine Lichtgestalt, lange bevor sie durch ihren Tod eine wurde. Milena hat die Welt lachend umarmt, mit Neugier und Staunen. Sie war klug, reif, eine alte Seele.
Mit diesem Papa war klar, dass sie Fußballfan ist und später „den Ronaldo heiratet“. Sie war clever, konnte rauf und runter zählen, griff beim ersten Mal im Chinalokal mit einer Selbstverständlichkeit zu den Stäbchen und verwendete sie korrekt.
Zeitgleich war sie in den guten Zeiten wie jedes andere kleine Mäderl. Sie liebte Spaghetti, Erbsenreis, naschte am liebsten Gummibärli. Die Mama musste ihr die Nägel anmalen, sie spielte mit Leidenschaft Schwarzer Peter und Uno und trat da an, um zu gewinnen.
Lieblingslied in Dauerschleife
Und sie tanzte und sang mit der größten Leidenschaft. Im Auto musste das Radio lautstark an sein, ihr Lieblingslied war „Du Idiot“ von Matthias Reim, am liebsten in Dauerschleife, da lachte sie herzlich, kannte sie jedes Wort. Und sie liebte es zu singen. „Bella ciao“ war einer ihrer Favoriten, das sang sie vor, nahm es mit dem Recorder auf. Ihre Familie hörte es noch einmal, als es bei Milenas Verabschiedung gespielt wurde. Ihre Stimme. Ihre Begeisterung. Ihr Lied. Ein Gänsehautmoment, der niemanden, wirklich niemanden im Saal ungerührt ließ.
Milena ist fort. Aber nicht tot. Nur in ein anderes Zimmer gegangen – das ist der feste Gedanke, durch den die Eltern es schaffen, ihr Leben weiterzuleben. Und durch die kleinen Zeichen, von denen sie sicher sind, von denen alle sicher sind, dass Milena sie schickt oder sich dadurch bemerkbar macht. Schon vor ihrem Ableben fanden sich Vorboten, dass Milena in Liebe abgeholt würde. Ein Schmetterling, der Milena umflatterte und nicht von ihr wegwollte. Eine Amsel, die zu ihr kam. Und Zeichen, die Milena nur selbst sah.
Dieses Kind hat jeden berührt, der es kennenlernen durfte. Und jeden gelehrt, wie wertvoll Leben ist.
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