Event-Debatte in Kitz

Kitt fürs Dorf, genug Schub für Nächtigungen?

Tirol
23.10.2026 18:00

Im Idealfall vereinen (Groß-)Events positive Aspekte von Nächtigungen bis Wertschöpfung – aber gibt es auch Minuspunkte? In der Dialogreihe „Tourismusforum on tour“ wurde darüber am Donnerstagabend in der Event-Stadt Kitzbühel diskutiert.

Die Zahl ließ aufhorchen: Von der Tirol Werbung fließen jährlich Sponsorgelder in rund 250 Sportevents. Die Hauptfrage: Was und wen will man damit erreichen? „Es geht darum, wie eine Veranstaltung die Wertschöpfung und wie sie die Marke Tirol positiv aufladen. Da existiert ein exakter Filter“, gab Tirol-Werbung-Chefin Karin Seiler einen Einblick. Klar sei, dass Events zum Tirol-Image mit Natur und Bergen passen müssen. „Ein Hallensportevent sponsern wir daher nicht.“

Der Saal in der „Goldenen Gams“ in Kitzbühel war gut gefüllt – vorne die Referenten.
Der Saal in der „Goldenen Gams“ in Kitzbühel war gut gefüllt – vorne die Referenten.(Bild: Jan Hetfleisch)

Als bei der Rad-WM in Tirol die Stimmung kippte ...
Sind Effekte, die vielleicht sogar prägend für ein Land werden, messbar? „Ein Paradebeispiel ist die Fußball-WM 2006 in Deutschland“, erklärte Martin Schnitzer, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Innsbruck. Geblieben sei ein neues Selbstvertrauen und internale Sympathie für das Nachbarland. Seiler nannte in Tirol die Rad-WM 2018: „Zuerst sprachen alle über die Straßensperren. Dann gewann Laura Stigger Gold und die Stimmung kippte komplett ins Positive.“

„Spill-over-Phänomen“ strahlt auf Nachbarn aus
Aber natürlich geht es immer ums Geld. Die Wertschöpfung und Strahlkraft des Hahnenkammrennens brauchte man dem Publikum (großteils aus dem Tourismus) im Saal der „Goldenen Gams“ nicht zu erklären. Und wenn die Abfahrtsstars über die Mausefalle springen oder Andreas Gabalier das Tennisstadion beben lässt, nächtigen viele Fans auch im (billigeren) Jochberg oder in Aschau. „Spill over“ nennt Experte Schnitzer dieses Überschwappen auf andere Orte.

Für Besuchermassen sorgen Konzerte von Andreas Gabalier in der Gamsstadt samt Rundherum.
Für Besuchermassen sorgen Konzerte von Andreas Gabalier in der Gamsstadt samt Rundherum.(Bild: Andreas Moser)

Events drücken tendenziell die Nächtigungsdauer
Der Wermutstropfen: Die Aufenthaltsdauer sinkt durch Veranstaltungen eher. In Kitzbühel liegt sie bei 3,4 Tagen, im benachbarten Urlauberziel Brixental bei 4,7 Tagen. Oder sind wir in Tirol zu teuer? „Nein, natürlich kann ich im besten Wellnesshotel um 500 Euro nächtigen, aber auch auf einer Hütte in Osttirol um einen Bruchteil“, sieht Tourismus-Landesrat Mario Gerber unsere Vielfalt als große Stärke. Aber freilich drehe die „Inflationsspirale“ an den Preisen.

Im Winter lockt beispielsweise der Biathlon-Weltcup nach Hochfilzen.
Im Winter lockt beispielsweise der Biathlon-Weltcup nach Hochfilzen.(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Das ewige Thema Verkehr
Mangels radikalen Event-Kritikern hätte Gerber wohl auch gar nicht betonen müssen: „Nur zehn Prozent des Verkehrs in Tirol kommen direkt von Touristen, das andere ist einheimischer Wohlstandsverkehr.“ Dass viele Tiroler trotzdem allergisch auf Einschränkungen, Staus oder Lärm rund um einen (Groß-)Event reagieren, ist unbestritten.

Der Sportwissenschaftler brachte noch einen anderen Aspekt ins Spiel: „Events sind ein Kitt für ein Dorf“ – der Zusammenhalt beim gemeinsamen Organisieren sei unbezahlbar.

Letzte Station von „Tourismus on Tour“: am 11. November (ab 18 Uhr) in Assling, Bärenstadl

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