Frutura und Spar

Alte Apfelsorten ziehen in heimische Regale ein

Steiermark
14.10.2026 17:00

Ein neues Vorzeige-Projekt von Frutura und Spar bringt den Falchs Gulderling und den Ilzer Rosenapfel zurück in die heimischen Regale. Die erste Ernte gibt einen Einblick in die Eignung der alten Sorten für den modernen Anbau. Bereits ab dem nächsten Jahr sollen die Äpfel in den Märkten verkauft werden.

Elstar, Gala und Kronprinz Rudolf türmen sich in den Obst- und Gemüseabteilungen heimischer Supermärkte. Schon bald sollen sich nun auch wieder zwei neue, alte Apfelsorten darunter mischen: der Ilzer Rosenapfel und der Falchs Gulderling.

Rund 2000 verschiedene Apfelsorten sind in Österreich bekannt. Die wenigsten davon werden aber im Erwerbsobstbau angebaut: „In Wahrheit sind nur zehn bis 15 Sorten relevant“, erklärt Gottfried Dampfhofer, Obstbauberater beim steirischen Obst- und Gemüseproduzenten Frutura.

Größere Sortenvielfalt in Regalen
Um die Sortenvielfalt wieder zurück auf die österreichischen Tische zu bringen, starteten Frutura und Spar bereits im Jahr 2023 ein neues Projekt. Ziel ist es, zwei alte Apfelsorten „wiederzubeleben“. Was sich für den Laien einfach anhört, ist in der Praxis aber alles andere als leicht: „Zuerst mussten wir einmal Sorten finden, die sich für den modernen Anbau eignen. Die Experten der Sortenvielfaltsorganisation Arche Noah haben dann den Ilzer Rosenapfel und den Falchs Gulderling empfohlen“, sagt Frutura-Geschäftsführer Manfred Hohensinner.

Katrin Hohensinner-Häupl, Markus Kaser und Manfred Hohensinner (v.l.) sind mächtig stolz auf die ...
Katrin Hohensinner-Häupl, Markus Kaser und Manfred Hohensinner (v.l.) sind mächtig stolz auf die neuen alten Sorten.(Bild: Jürgen Fuchs)

Beide Sorten konnten überzeugen: „Uns gefiel, dass der Ilzer Rosenapfel vor allem in der Oststeiermark noch ein bisschen bekannt ist, und den Falchs Gulderling aus Tirol können wir so zurückbringen“, freut sich auch Tochter Katrin Hohensinner-Häupl.

Veredelung mit Edelreisern
Auf etwa 0,7 Hektar Versuchsfläche in Herrnberg (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) fanden 2023 dann die ersten Veredelungen statt. Während die Edelreiser – das sind einjährige Triebe voller „schlafender Knospen“, die für die Veredelung beziehungsweise den Anbau neuer Apfelbäume benötigt werden – für den Ilzer Rosenapfel im steirischen Sortenerhaltungsgarten Wagersbach abgeholt werden konnten, gestaltete sich die Suche nach Edelreisern für den Falchs Gulderling schwerer: „Den haben wir in Österreich nicht gefunden. Die Triebe mussten wir dann aus dem Versuchszentrum Laimburg in Südtirol holen“, erzählt Dampfhofer.

Die einjährigen Triebe, sogenannte Edelreiser, müssen speziell zugeschnitten werden.
Die einjährigen Triebe, sogenannte Edelreiser, müssen speziell zugeschnitten werden.(Bild: Jürgen Fuchs)
Danach können sie in den bereits vorhandenen und verwurzelten Stamm gesteckt und befestigt ...
Danach können sie in den bereits vorhandenen und verwurzelten Stamm gesteckt und befestigt werden.(Bild: Jürgen Fuchs)
So sieht es aus, wenn die Veredelung erfolgreich war und der Edelreiser antreibt.
So sieht es aus, wenn die Veredelung erfolgreich war und der Edelreiser antreibt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Anschließend konnten die Bäume veredelt werden: „Dabei nimmt man die Edelreiser und steckt sie auf einen alten, schon verwurzelten Apfelbaumstamm. Bei uns sind das Stämme des Golden Delicious-Apfel. Der Trieb entwickelt sich dann und treibt weiter aus. Etwa zwei Jahre später trägt der Baum die ersten Früchte“, erklärt der Obstbau-Experte.

Äpfel ab nächstem Jahr im Handel
Inzwischen wachsen im steirischen Versuchsgebiet rund 2150 neue alte Apfelbäume: „Heuer konnten wir das erste Mal ernten, circa eine Tonne Äpfel. Die werden jetzt für Lagertest und interne Verkostungen verwendet. Nächstes Jahr haben wir hoffentlich schon so viel Ertrag, dass die Äpfel in ausgewählten Spar-Märkten verkauft werden können“, verrät Hohensinner-Häupl.

Zitat Icon

Spannend ist vor allem, ob man die alten Sorten so bewirtschaften kann, wie es heute üblich ist – wir sind da aber zuversichtlich. 

Gottfried Dampfhofer, Frutura-Obstbauberater

Begeistert von den neuen, alten Äpfeln zeigt sich auch Markus Kaser, Vorstand bei Spar Österreich: „Wir müssen jetzt herausfinden, ob die Sorten unter heutigen Bedingungen im Erwerbsobstbau bestehen. Wenn das gelingt, möchten wir die besonderen Äpfel künftig regional anbieten. Zusätzlich schafft diese Biodiversität ja auch die Grundlage für eine vielfältige und zukunftsfähige Landwirtschaft.“

Kostproben in Wien

Spontan entschieden Spar und Frutura am Mittwoch, die ersten Äpfel der neuen Sorten bereits heuer zu verkaufen. Etwa 600 Kilogramm sollen ab Mitte November im Interspar am Schottentor im ersten Wiener Gemeindebezirk für Kunden erhältlich sein.

Im Mittelpunkt steht aber auch das besondere Geschmackserlebnis: „Vor allem der Ilzer Rosenapfel bringt mit jedem Biss ein bisschen Kindheit zurück“, ist sich die Frutura-Chefin sicher. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Steiermark

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung