Der Tourismusort Kirchberg in Tirol will unbedingt zum Tourismusverband Kitzbühel. In der Noch-TVB-Heimat Brixental fliegen deshalb die Fetzen. Am Montagabend kam es bei einer entscheidenden Abstimmung zum Showdown.
Die Kirchberger wollen sich vom Tourismusverband (TVB) Kitzbüheler Alpen-Brixental scheiden lassen und zu Kitzbühel wechseln! Als in Tirol vor rund 25 Jahren die großen Tourismusverbände formiert wurden, war das bereits Thema. Damals zeigten sich die Kitzbüheler abweisend, jetzt umwirbt der dortige TVB-Obmann Christian Harisch die Nachbarn und ist für die neue Tourismus-Ehe.
Das Ergebnis aus Kirchberg nehmen wir ernst. Es ist aber eine Empfehlung an den Aufsichtsrat und auch an Bedingungen geknüpft.
TVB-Obfrau Julia Mingler-Haueis
Obmann musste Hut nehmen
Seit die Abspaltungspläne konkrete Formen annehmen, geht es im Brixental rund. Weil der dortige TVB-Obmann Willi Steindl offen für den Wechsel zu Kitzbühel eintrat und dafür „im Alleingang“ – wie es heißt – eine Vollversammlung für eine Abstimmung einberufen hat, musste er seinen Hut nehmen. Zuletzt wandte sich Alt-Obmann Alexander Aigner mit einer von gewichtigen Stimmen unterschriebenen Petition direkt ans Land, um Kirchberg aus der Ehe mit Westendorf und Brixen herauszulösen.
Nun sehen sich die Scheidungs-Befürworter ihrem Ziel einen wichtigen Schritt näher. Montagabend wurde über einen Wechsel zu Kitzbühel Tourismus in einer Vollversammlung abgestimmt. Insgesamt waren 551 der knapp 2400 Stimmberechtigten des Verbandes vor Ort.
52 Prozent sagen nicht alles aus
Bei der Abstimmung wurde mit 52 Prozent der gesamten Stimmpunkte empfohlen, einer Herauslösung Kirchbergs zuzustimmen (Nach Personen: 320 Mitglieder dafür, 218 dagegen). Betrachtet man die einzelnen Orte, zeigt sich die tiefe Spaltung: In Kirchberg waren 88 Prozent der Stimmpunkte für die Empfehlung. In Brixen im Thale sind 74 Prozent dagegen, in Westendorf 99 Prozent. „Das Ergebnis aus Kirchberg nehmen wir ernst. Es ist aber eine Empfehlung an den Aufsichtsrat und an Bedingungen geknüpft“, verweist TVB-Obfrau Julia Mingler-Haueis auf einen Passus, der für die Gegner der Trennung entscheidend ist. Demnach wird die Zustimmung zum Wechsel nur empfohlen, sofern ein Verhandlungsergebnis mit Kitzbühel Tourismus vorliegt. Und da gibt es noch viele offene Fragen.
Dass diese bis zum erhofften Wechsel bereits Anfang 2027 geklärt sind, das bezweifelt Mingler-Haueis. Vor allem für Brixen und Westendorf stellt sich die Zukunftsfrage, sollte der starke Partner Kirchberg wegfallen. Das will man nun im TVB abklären. Einen Weg wählen, „der für die ganze Region trägt“, drückt es die TVB-Obfrau aus. Das dürfte schwierig werden, wenn ein Partner so gar nicht mehr will.
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