Zahlreiche steirische Betriebe können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Grazer Uni hat nun einen illustren Club ins Leben gerufen und will damit gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten wie jetzt Hoffnung geben.
Mit dem Wort Tradition wird in Zeiten wie diesen zwar fast schon inflationär umgegangen, beim nun auf der Grazer Uni aus der Taufe gehobenen Club 100 kommt man um dieses Wort aber nur schwer umhin. Dahinter verbirgt sich nämlich ein exklusives Forum für steirische Traditionsbetriebe – und die Mitglieder dürfen diese Bezeichnung quasi auch wissenschaftlich belegt führen.
300 von 11.200 Unternehmen erfüllten die Anforderungen
Die Österreichische Gesellschaft für Unternehmensgeschichte hat ein Forschungsprojekt initiiert, das nach Betrieben gesucht hat, die älter als 100 Jahre sind. „Kriterien dabei waren etwa, dass es das Unternehmen durchgehend gegeben hat und es heute mehr als fünf Mitarbeiter hat“, erklärt Universitätsprofessor Walter Iber, der das Projekt gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Krautzer geleitet hat. Von gut 11.200 untersuchten Unternehmen haben rund 300 die Anforderungen erfüllt. „Sie alle sind jetzt in einer Datenbank erfasst und auf der Homepage des Landes abrufbar“, fährt Iber fort.
Der Club 100 soll nun als Forum für Austausch und gegenseitige Inspiration dienen. „Diese Unternehmen haben zumindest den Zweiten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und die Ölkrise überlebt – sie zeigen, dass es immer weitergeht.“ Iber sieht darin gerade jetzt einen echten Mutmacher.
1434 gegründet
Als (mit Abstand) ältestes Unternehmen wurde die Firma Lodenwalker der Familie Steiner in Ramsau eruiert. Gegründet im Jahr 1434, kann man auf eine fast 600 Jahre lange Geschichte zurückblicken, 1880 kam durch Heirat der Name Steiner hinzu. „Die Zahl ist natürlich unfassbar, und man versucht , dieser langen Zeit gerecht zu werden“, sagt Jörg Steiner, der seit 2006 den Betrieb mit Frau Martina führt.
Den Trends sollen andere hinterherhecheln
„Ich glaube, wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass man als Textilbetrieb in Österreich doch überleben kann“, lächelt Steiner. Auf echte Kollektionen verzichtet man, Trends habe man noch nie verfolgt. „Weil wir ja was falsch machen würden, wenn unser Janker nur fünf Saisonen passt.“
Ankünder-Idee während des Ersten Weltkriegs
Auf eine lange Tradition kann auch der Ankünder zurückblicken. „Während des Ersten Weltkriegs war Graz bankrott, deshalb gab’s seit 1910 immer wieder Anläufe, ein städtisches Plakatierunternehmen zu gründen“, weiß Geschäftsführer Bernd Schönegger. Am 2. Jänner 1924 war’s dann so weit. Heute hat man mit allen Beteiligungen rund 300 Mitarbeiter und kann jährlich acht bis zehn Millionen Euro an die Stadt abliefern. „Das Bedürfnis, dort mit seinen Botschaften sein zu wollen, wo ,echte’ Menschen sind, stand am Anfang und gilt heute noch.“
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