Handwerk mit Liebe

Wenn alte Orgeln wieder erklingen wie neu

Niederösterreich
03.10.2026 14:52

Christoph Allgäuer aus Würflach, Bezirk Neunkirchen, bewahrt historische Orgeln vor dem Verstummen – mit feinem Gespür, viel Geduld und Handarbeit. 

Holz, Metall, Leder, hunderte Pfeifen und ein kompliziertes System aus feinsten mechanischen Teilen: Eine Orgel ist ein faszinierendes, aber auch äußerst sensibles Instrument. Christoph Allgäuer aus Würflach kennt seine „Patienten“ genau. Seit Jahrzehnten widmet er sich dem Bau, nun vor allem aber der Restaurierung, Wartung und Stimmung alter Orgeln. „Heute darf eine Orgel nicht mehr so viel Charakter haben wie früher – alles, was Kanten hat, muss weg“, begründet er diesen Schritt, kaum mehr eine Orgel selbst zu bauen. Gelernt hat er dieses traditionelle Handwerk von seinem Vater.

Gute Auftragslage durch heißen Sommer
„Eine Orgel ist für mich ein Lebewesen“, so Allgäuer. Denn Temperatur, Luftfeuchtigkeit und sogar Staub können den Klang verändern. Im Winter klingt ein Instrument tiefer, im Sommer höher – teilweise kann der Unterschied bis zu einem Halbton betragen. „Bei großer Hitze und trockener Luft schrumpft das Holz, Verschraubungen verändern sich, Tasten können stecken bleiben und plötzlich bleibt ein Ton aus“, erklärt Allgäuer, warum er gerade jetzt nach dem heißen Sommer besonders viel Arbeit hat.

Auch die kunstvollen Drechselarbeiten übernimmt Allgäuer selbst.
Auch die kunstvollen Drechselarbeiten übernimmt Allgäuer selbst.(Bild: Doris Seebacher)
Allgäuer hier im Bild mit seiner Meisterarbeit – einer sogenannten Baldachinorgel.
Allgäuer hier im Bild mit seiner Meisterarbeit – einer sogenannten Baldachinorgel.(Bild: Doris Seebacher)
Bei den Stimmarbeiten wird jede Orgelpfeife einzeln ausgebaut, gestimmt und wieder eingebaut.
Bei den Stimmarbeiten wird jede Orgelpfeife einzeln ausgebaut, gestimmt und wieder eingebaut.(Bild: Doris Seebacher)
Hier werden die Orgelpfeifen gestimmt.
Hier werden die Orgelpfeifen gestimmt.(Bild: Doris Seebacher)
Je nach Größe hat jede Orgelpfeife eine andere Tonlage.
Je nach Größe hat jede Orgelpfeife eine andere Tonlage.(Bild: Doris Seebacher)
(Bild: Doris Seebacher)

Wie viele Orgeln er bereits selbst gebaut hat, könne er gar nicht sagen, denn zahlreiche Instrumente, die bereits sein Vater schuf, baute er dann weiter aus und kümmert sich heute noch um die Erhaltung. Eine seiner letzten Werke war jene in der Kirche Grimmenstein. Etwa 3000 Stunden Arbeit hatte er dafür investiert. „Für mich ist jede Orgel ein Unikat“, erklärt Allgäuer. Und: „Sie sind alle meine Kinder, die ich gerne immer wieder besuche“. Dennoch hatte er aber auch schon Tränen in den Augen, wenn bei einer Orgelweihe dann ein schlechter Organist auf seinem „Kind“ spielt.

Zitat Icon

Die Orgeln sind wie meine Kinder, die ich gerne immer wieder besuche

Christoph Allgäuer, Orgelbauer aus Würflach

Wie viel Arbeit hinter der Restaurierung steckt, zeigte sich erst heuer bei der Orgel in Schwarzau im Gebirge. Rund 450 Pfeifen mussten ausgebaut, gereinigt und kontrolliert werden. Die kleinste war gerade einmal zwei Zentimeter lang, die größte stolze zweieinhalb Meter. Jede Pfeife wird dabei genau unter die Lupe genommen. Erst wenn alle Teile überprüft und wieder an ihrem richtigen Platz sind, kann die Orgel erneut erklingen.

Orgelstimmen ist Präzisionsarbeit
Doch auch nach einer Restaurierung ist die Arbeit nicht vorbei. Eine Orgel muss regelmäßig gestimmt werden – meist alle ein bis zwei Jahre, manchmal sogar zweimal jährlich. Zwei bis vier Stunden kann eine Stimmung dauern. Dabei wird die Länge der Pfeifen fein verändert, bis der Ton wieder stimmt. Eine Arbeit, die viel Erfahrung verlangt: „Man muss sich in ein Instrument einfühlen“, beschreibt Allgäuer seinen Zugang.

Handwerk, das vom Aussterben bedroht ist 
Allgäuer beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Der Orgelbau erlebte zwischen 1960 und 2000 einen regelrechten Boom. Danach brach der Markt ein. In Niederösterreich gibt es heute nur noch wenige Orgelbauer, österreichweit sind es rund 30 Betriebe. Für Allgäuer bleibt trotzdem eines entscheidend: die alte Handwerkskunst zu bewahren. Denn für ihn ist jede Orgel einzigartig – angepasst an ihre Kirche, ihren Klang und ihre Geschichte.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Niederösterreich
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung