Fr, 19. Oktober 2018

T-Racer

17.12.2014 17:18

Yamaha MT-09 Tracer: Fun-Tourer zum Kampfpreis

"The Dark Side of Japan" will Yamaha zeigen. Beim Pressetest der Yamaha MT-09 Tracer in Andalusien war allerdings eher die dunkle Seite Spaniens präsent: 6 Grad, tiefgrauer Himmel und immer wieder Nebel trübten ein wenig das Fahrvergnügen, aber nicht die die Freude an der Adventure-Version des Bestsellers MT-09. Auch wenn sie auf den schmierigen Straßen den "racer" in ihrem Namen nicht immer ausspielen konnte.

Mit der MT-09 ist Yamaha aus dem Stand ein Riesenerfolg gelungen: Unter den meistverkauften Motorrädern Europas rangiert sie auf Platz 3 hinter der unschlagbaren BMW R 1200 S und der kleinen Schwester MT-09, im Segment ist sie sogar die Nummer 1 vor der Kawasaki Z800.

Und schon zündet Yamaha die nächste Stufe der Markteroberungsrakete: Um auch bei den so aktuellen Bike-SUVs schlagkräftig vertreten zu sein, bringen die Japaner im März die MT-09 Tracer auf den Markt. Rahmen und Fahrwerkskomponenten sind identisch, im Detail haben sie aber das ganze Motorrad überarbeitet, es handelt sich bei der Tracer also um wesentlich mehr als um eine MT-09 mit Verkleidung.

Fun-Bike für längere Touren
Die kantige Maske mit den LED-Scheinwerfern ist das auffälligste Merkmal der Touring-Version, sie erinnert mich an die Flügelchen der Marvel-Figur Captain America. Das gilt (vor allem in der optisch sehr sportlichen Farbvariante in Silber/Blau) noch mehr für die serienmäßigen, etwas übertrieben geformten Hand Guards, die den Lenker eine Spur zu breit werden lassen und dadurch das Durchwursteln im Stadtverkehr erschweren. Der schmale Windschild bietet brauchbaren Schutz und ist in zwei Stufen um drei Zentimeter höhenverstellbar, ohne Werkzeug, aber nicht während der Fahrt.

Zwei LED-Displays versorgen den Fahrer mit Infos. Links Digitaltacho und Drehzahlmesserband, rechts eine konfigurierbare Anzeige zum Durchblättern, inklusive fixer Ganganzeige. Links neben dem Cockpit befindet sich serienmäßig eine 12-Volt-Buchse, eine zweite ist als Option auf der rechten Seite vorgesehen. Weitere Reise-Assets sind die serienmäßigen Kofferhalter und die Möglichkeit, in der Verschraubung der Soziusgriffe eine Gepäckbrücke zu befestigen. Koffer gibt's gegen Aufpreis.

Höhere Sitzposition, mehr Platz
Sattel und Soziussitz sind breiter und länger als bei der Basis. Die Sitzposition wurde erhöht und lässt sich ganz simpel zwischen 860 und 845 mm variieren (für kleiner Gewachsene sind optional 815 mm im Angebot, was der Höhe der Standard-MT-09 entspricht). Mit meinen 1,88 m Körpergröße passt mir die Tracer (auf 860 mm) wie maßgeschneidert, der Kniewinkel ist angenehm und tourentauglich.

Top-Voraussetzungen also für die etwas schwierigen, weil schmierigen Testbedingungen, bei denen es hilfreich ist, sich auf dem Bike wohlzufühlen. Mit dem breiten Lenker (um einen Zentimeter nach vorn verstellbar) lässt sich die Tracer spielerisch dirigieren und umlegen, die einstellbare 41-mm-USD-Gabel macht kein Geheimnis daraus, was sich abspielt. Im Gegensatz zur MT-09 hat die Tracer-Gabel zwei Federraten, um eine größere Bandbreite zu erreichen. Auch die Schwinge ist härter, weil auf höheres Gewicht ausgelegt.

Nicht nur auf ebenem Asphalt, sondern vor allem auch auf Fahrbahnverwerfungen, wie man sie auf andalusischen Bergstraßen häufig findet, ist das Fahrwerk voll in seinem Element: Erstaunlich komfortabel, aber trotzdem extrem verbindlich und straff. Dass sich die Tracer trotz identischen Radstands (1.440 mm) stabiler anfühlt als ihre Standard-Schwester, liegt an den härteren Federraten, sagt Yamaha Product Planning Manager Oliver Grill.

Ein absolutes Plus im Marktumfeld der Tracer ist ihr mit 210 kg (vollgetankt) ziemlich geringes Gewicht. Da muss man sie noch nicht mal mit dem Schwergewicht Honda Crossrunner (242 kg) vergleichen. Mit ihrem Leistungsgewicht von 54,8 PS pro 100 kg liegt sie im Vergleich zur Konkurrenz vorne, Ducati Hyperstrada und Triumph Tiger Sport (1050) folgen mit 54,0 bzw. 54,2 PS auf den Plätzen.

Drehmomentstarker Triple mit Elektronik-Update
In der Yamaha MT-09 Tracer arbeitet derselbe 847-cm³-Dreizylinder wie in der MT-09, allerdings bekam er ein sanfteres Mapping für die drei Fahrmodi sowie die abschaltbare Traktionskontrolle TCS spendiert. Schon im Standardmodus ist die Gasannahme sanft, im B-Modus geradezu seidenweich. Das herbe Ansprechen im A-Modus muss ich persönlich nicht haben. Auf den nassen, schmutzigen Straßen in der Gegend von Antequeres blinkt immer wieder das gelbe TCS-Lamperl und zeigt an, dass die Sensoren einen zu hohen Drehzahlunterschied zwischen Vorder- und Hinterrad festgestellt haben und die Elektronik durch ein gefühlvolles Zurücknehmen der Motorleistung das Durchdrehen des Hinterrades verhindert. Gut so, denn man schenkt hier gern mal ein Stamperl mehr ein.

An der zur Freudenspende konzipierten Grundcharakteristik des Triples war nichts zu verbessern. Er bietet schon aus niederen Drehzahlen so kräftig Schub, dass man sehr schaltfaul unterwegs sein kann, aber nicht muss. Denn zum einen ist das Getriebe blitzsauber zu bedienen, zum anderen macht es mörder Spaß, das Ding zu drehen. Oben raus spielt sich natürlich am meisten ab, bei 8.500/min. liegt das maximale Drehmoment von 87,5 Nm an, die Maximalleistung von 115 PS dann bei 10.000/min. Es mag Zufall sein, aber ein sehr passender, dass im Namen Tracer auch "Racer" steckt. Auch der typische Sound passt.

Der Tank fasst 18 Liter, was bei einem Testverbrauch von knapp unter 6 l/100km nicht gerade sensationelle Tourenreichweiten ermöglicht; man könnte es im Sattel durchaus länger aushalten. Im Vergleich zu den 14 Litern der MT-09 allerdings ein Quantensprung.

Leichte Abzüge in der Optik-Wertung
Auf den ersten Blick stellt die Yamaha MT-09 Tracer ein optisch gelungenes, sportlich orientiertes Adventure-Bike dar. Bei genauerer Betrachtung stört mich das eine oder andere Detail: So sind die Fake-Lufteinlässe seitlich am Tank sowie zwischen und unter den Scheinwerfern wahre Schmutzfänger, die nach einer Reinigung mit Wattestäbchen schreien. Auch die Carbon imitierenden Plastikblenden müssen nicht sein. Zu guter Letzt wirken die Sozius-Haltegriffe etwas hemdsärmelig angeschraubt.

Unterm Strich
Die Tracer ist ebenso spaßig wie vielseitig - und bei 11.599 Euro kann man von einem Kampfpreis sprechen. Mit serienmäßigen Kofferhaltern und fast unzähligen Einstellmöglichkeiten lässt sich die Yamaha MT-09 Tracer optimal auf ihre Einsatzzwecke anpassen. Sie hat praktisch alle Qualitäten der puren MT-09, aber noch einige mehr, vor allem die Traktionskontrolle macht einen echten Unterschied. Zwar soll auch die MT-09 dieses Feature bekommen, aber nicht vor der Saison 2016. ABS haben beide. Um eine Enduro handelt es sich hier nicht, das macht schon der 180er-Hinterreifen klar.

Angesichts der Allround-Qualitäten der Tracer stellte ein Journalistenkollege die Frage in den Raum, wozu man da noch eine BMW R 1200 GS braucht. So weit würde ich nicht gehen, doch die Yamaha MT-09 Tracer hat auch mich schwer beeindruckt.

Warum?

  • Tolle Motorcharakteristik
  • Hervorragende Fahrbarkeit
  • Günstiger Preis

Warum nicht?

  • Es sind lediglich optische Details, die nicht so super sind

Oder vielleicht …

… Suzuki V-Strom 1000, Honda VFR 800 Crossrunner, Triumph Tiger, Kawasaki Versys

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