Erschwertes Schicksal

„Gibt auch mit Kreuzband keine Medaillengarantie“

Olympia
07.02.2026 21:40
Porträt von Ann Sophie Walten
Von Ann Sophie Walten

Der österreichische Trampolinspringer Benny Wizani hatte sich im März 2024 das Kreuzband gerissen – ging dennoch bei den Olympischen Spielen in Paris an den Start. Die Situation von Lindsey Vonn verfolgt er akribisch. Im Interview mit der „Krone“ erklärt er, worauf es ankommt und was auf dem Spiel steht.

„Die Teilnahme an den Olympischen Spielen war ein Kindheitstraum von mir – das ist für einen Sportler das Größte“, erinnert sich Trampolinspringer Benny Wizani. Drei Monate vor dem Start der Sommerspiele in Paris 2024 die Schockdiagnose: Kreuzbandriss. Aufgeben war für den „Youngster“ keine Option. „Es war von Anfang an klar, dass ich das durchziehen werde.“

Benjamin „Benny“ Wizani riss sich vor Olympia in Paris 2024 das Kreuzband.
Benjamin „Benny“ Wizani riss sich vor Olympia in Paris 2024 das Kreuzband.(Bild: GEPA)

Der Niederösterreicher entschied sich bewusst gegen eine Operation, schaffte es mithilfe seines Physiotherapeuten nach Paris und belegte dort Rang 15. Sein Glück: eine starke Muskulatur, die die Instabilität kompensierte – ein Umstand, der auch für US-Ski-Star Lindsey Vonn zum Vorteil werden könnte. Trotz ihres erlittenen Kreuzbandrisses wird sie bei der Abfahrt in Cortina an den Start gehen.

In der Situation von Vonn erkennt sich Wizani wieder. Zwar handelt es sich um eine andere Sportart, dennoch ist die Belastung des Knies sowohl in der Abfahrt als auch beim Trampolinspringen essenziell. Die Kurzfristigkeit von Vonns Verletzung komme zwar erschwerend hinzu, dennoch ist er überzeugt: „Sie hat mit Sicherheit die beste Versorgung und die besten Leute - das ist kein Nachteil.“

„Enormer Druck von außen“
Dass Wizani nicht derselben medialen Aufmerksamkeit ausgesetzt war wie die 41-Jährige, stimmt ihn dankbar. Denn der damit verbundene Druck sei eine zusätzliche Herausforderung. „Egal, wie gut dein Team ist – mental kämpfst du so oder so“, gibt er zu bedenken.

Die vielen Meinungen und die Kritik dürften einen nicht aus der Ruhe bringen. „Es ist einfach so, dass alle immer ihre Meinung dazugeben müssen. Je weniger man sich damit beschäftigt, desto besser ist es.“

„Ego spielt eine Rolle“
Dass es nicht so einfach ist, den Hut darauf zu werfen und sich gegen seine Träume zu entscheiden, ist für viele nicht nachvollziehbar. Die US-Ski-Queen hat im Vergleich zu Wizani zwar schon einiges mehr erreicht, die Winterspielen in Corinta waren aber einer der Gründe für ihr Comeback.

„Die meisten Sportler definieren sich über ihren Sport, kennen nichts anderes als das Sportlerleben, da spielt das eigene Ego schon auch eine Rolle.“ Auf die Frage, ob er seine Entscheidung heute revidieren würde, antwortet Benny mit einem klarem: „Nein! Ich würde es genau so wieder machen.“ Denn auch „mit einem funktionsfähigen Kreuzband gibt es keine Medaillengarantie.“ 

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Nur, weil es Ihnen unmöglich erscheint, heißt das nicht, dass es unmöglich ist. Und ja, mein Kreuzband ist zu 100 Prozent gerissen.

Lindsey Vonn

„Zeit danach hat mein Leben verändert“
Nach Monaten voller Anspannung und Zweifel wurde die Zeit nach den Sommerspielen zu einer neuen Herausforderung. Wizani verfiel in eine Post-Olympic-Depression und musste erstmals lernen, wer er abseits des Sports ist.

„Ich war über einen so langen Zeitraum in einem Ausnahmezustand, und dann fällt alles ab – da ist es leicht, in ein Loch zu fallen. Ich habe mich als Person nur über meinen Sport definiert.“ Sein Jahr abseits des Leistungssports beschreibt er als „life-changing“. Er lernte, sein sportliches Leben klar vom privaten zu trennen.

15 Monate nach seinem Olympiaauftritt feierte er im vergangenen November sein Comeback. Das Vertrauen ins Knie wiederzufinden, sei dabei die größte Hürde gewesen. Sich selbst unter Druck zu setzen, stehe jedoch nicht zur Debatte. „Mein Anspruch ist es, stärker zurückzukommen. Ich möchte mich einfach stetig verbessern.“

Im März wartet mit der Wiener Meisterschaft die erste Bewährungsprobe. „Von allem, was heuer ansteht, ist hier der Druck am größten, denn dort habe ich noch nie gewonnen“, scherzt Wizani. Mit der Europameisterschaft wartet eines der Schmankerl des Jahres. Im Juni, Juli und August folgt die Weltcup-Serie, zum Jahresausklang steht noch eine Weltmeisterschaft an. „Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wieder am Start zu stehen. Ich freue mich auf das, was kommt.“

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