Zehn verletzten Mauerseglern fehlten intakte Schwung- oder Steuerfedern – ohne Hilfe wären sie flugunfähig geblieben. Im Tierschutzhaus Vösendorf erhielten sie Spenderfedern. Eine jahrhundertealte Technik machte alle wieder fit für die Reise nach Afrika.
Fast ihr gesamtes Leben verbringen Mauersegler in der Luft. Sie fressen, trinken und schlafen sogar im Flug. Umso dramatischer sind beschädigte, verklebte oder abgebrochene Schwung- und Steuerfedern: Ohne intaktes Federkleid können die Tiere nicht mehr fliegen. In freier Wildbahn ist das oft ein Todesurteil.
Zehn verletzte Mauersegler erhielten heuer im Tierschutzhaus Vösendorf im Bezirk Mödling eine zweite Chance. Experten von Tierschutz Austria ersetzten die beschädigten Federn durch jene von Spendervögeln.
Millimeterarbeit unter Narkose
Zum Einsatz kam die sogenannte Schifttechnik. Das jahrhundertealte Verfahren stammt aus der Falknerei. Dabei werden die Spenderfedern präpariert, mit feinen Carbonstiften verstärkt und millimetergenau in die noch vorhandenen Federkiele eingesetzt.
Bis zu vier Stunden kann ein solcher Eingriff dauern. Er erfolgt unter Narkose und ist laut den Tierschützern schmerzfrei. Entscheidend ist, dass die Federkiele im Körper des Vogels noch vorhanden sind. Dann lässt sich bei Bedarf sogar das gesamte Großgefieder ersetzen.
Zehn Vögel, zehn zweite Leben. Nach Eingriffen, bei denen Millimeter über Leben oder Tod entscheiden, konnten sie ihre Heimreise antreten.
Stephan Scheidl, Tierheimleiter von Tierschutz Austria
Tierschutz Austria zählt nach eigenen Angaben zu den wenigen Einrichtungen in Österreich, die das aufwendige Verfahren regelmäßig anwenden. Auch andere Auffangstationen übergeben entsprechende Fälle an das Tierschutzhaus in Vösendorf.
Alle Vögel konnten nach Afrika starten
Der stundenlange Aufwand machte sich bezahlt: Alle zehn behandelten Mauersegler waren nach den Eingriffen wieder flugfähig. Sie konnten aus eigener Kraft starten und ihre lange Reise in Richtung Afrika antreten.
Nun hoffen die Tierschützer, dass die Vögel den gefährlichen Zug gut überstehen und im kommenden Frühjahr gesund nach Österreich zurückkehren.
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