Traf Missbrauchsopfer

Nach Massenjubel betroffenes Schweigen in Lourdes

Ausland
27.09.2026 22:32
Porträt von krone.at
Von krone.at

Am Sonntag absolvierte Papst Leo XIV. die schwierigste Etappe seines Frankreich-Besuchs. Nach dem Jubel der Massen auf der Champs-Élysées waren nun Momente der Besinnung angesagt. Es war der Tag, an dem die „schmerzliche Plage des sexuellen Missbrauchs“, so Leos Worte, in der katholischen Kirche ein zentrales Thema war. 

Es begann mit einer Schweigeminute des Papstes am Denkmal für die Missbrauchsopfer in Lourdes. Dann ging es weiter mit einer Ansprache an die rund 120 katholischen Bischöfe Frankreichs. Sie fand unter Ausschluss der Medien statt, und die Rede wurde vom Vatikan anders als üblich nicht vorab an die Presse verteilt. Leo XIV. richtete ernste Worte an seine Mitbrüder. Der Papst erinnerte an die schwärzesten Stunden, die Frankreichs Bischofskonferenz nach der Veröffentlichung einer Untersuchungskommission im Jahr 2021 erlebte, die durch Hochrechnungen auf unvorstellbar hohe Opferzahlen kam.

Papst Leo bei einer Prozession mit einer Marienstatue in der Grotte von Lourdes
Papst Leo bei einer Prozession mit einer Marienstatue in der Grotte von Lourdes(Bild: AP/Gregorio Borgia)

Zugleich machte er ihnen Mut, würdigte ihren neuen Kurs, der „durch Zuhören, Suche nach Wahrheit, durch Gerechtigkeit, Vergebung, Wiedergutmachung und ein entschlossenes Engagement für eine Kultur der Prävention und des Schutzes vor diesen Verbrechen“ eine Wende brachte. Er mahnte sie aber auch, „den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei größte Wachsamkeit zu wahren“.

150.000 Menschen bei Messe in Lourdes
Noch härter waren die Worte, die er dann bei einer großen Messe unter freiem Himmel wählte. Er ging nicht explizit auf die im Hintergrund stehende, an einigen Stellen von Sichtschutzplatten verhüllte Rosenkranz-Basilika ein, deren Fassade einst der mutmaßliche Missbrauchstäter Marko Rupnik mit Mosaiken verziert hatte. Stattdessen erinnerte der Papst an das Bibelzitat „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle umkommen“. Und er zitierte den Maria bei ihrer Lourdes-Erscheinung zugeschriebenen Ausruf „Buße, Buße, Buße!“ 150.000 Menschen lauschten in Stille.

Anschließend traf der Pontifex mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche. Insgesamt waren sieben Frauen und Männer anwesend, die missbraucht wurden. Leo versprach nach Angaben des Vatikans, sich dafür einzusetzen, „damit sich das erlittene Unrecht für andere nicht wiederholt“. Wie in anderen Ländern wurden auch in Frankreich über Jahrzehnte hinweg Missbrauchsfälle durch Priester unter den Teppich gekehrt. Einer unabhängigen Untersuchungskommission zufolge gab es seit 1950 mehr als 200.000 Opfer. In Lourdes ist Leo mit dem Fall eines früheren Jesuitenpaters und Künstlers konfrontiert. Der Ex-Geistliche Rupnik aus Slowenien steht im Verdacht, über Jahrzehnte hinweg Ordensfrauen sexuell missbraucht zu haben.

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