Der teilstaatliche Energieversorger Verbund hebt den Preis für seinen „Österreich-Tarif“ an. Ab sofort gilt für Neuabschlüsse ein garantierter Strompreis von zehn Cent exkl. USt. (= zwölf Cent inklusive Umsatzsteuer) pro Kilowattstunde im ersten Jahr. Bisher lag dieser Wert bei 9,5 Cent netto. Doch nicht alle Kunden sind betroffen ...
Der Österreich-Tarif wurde im Jänner 2026 von der Bundesregierung als zentrales Instrument zur Inflationsbekämpfung präsentiert. Bundeskanzler Christian Stocker bezeichnete günstige Energiepreise damals als „eine der entscheidenden Zukunftsfragen für unseren Standort, ein leistbares Leben und den Wohlstand in unserem Land“. Der Verbund, mehrheitlich im Staatsbesitz, verpflichtete sich, einen Stromtarif unter zehn Cent netto pro Kilowattstunde anzubieten – ein Versprechen, das im Februar 2026 mit dem Startpreis von 9,5 Cent eingelöst wurde.
Der Tarif richtet sich an Haushalte und Gewerbe, ist online abschließbar und gilt für das erste Jahr bei einer Vertragsbindung von zwölf Monaten. Ab dem zweiten Jahr greift der reguläre Arbeitspreis von 15 Cent netto – der Rabatt von fünf Cent entfällt dann.
Warum die Anhebung?
Verbund-Chef Michael Strugl begründet den Schritt mit der anhaltend herausfordernden Lage an den internationalen Energiemärkten. Die geopolitischen Spannungen - insbesondere der Konflikt im Nahen Osten – hätten zuletzt wieder zu Preisanstiegen geführt. „Als verantwortungsvolles Unternehmen beobachten und bewerten wir die Marktsituation laufend“, heißt es in der Presseaussendung des Konzerns.
Tatsächlich sind die Beschaffungskosten für Strom zuletzt wieder gestiegen. Der Verbund kann den Tarif mit 9,5 Cent angesichts dieser Entwicklung nicht mehr in der Form leisten, ohne Verluste zu machen. Die Anhebung um einen halben Cent ist im Vergleich zu den Marktbewegungen moderat.
Was bedeutet das für Kunden?
Die wichtigste Information für Verbraucher: Für bestehende Kunden des Österreich-Tarifs ändert sich nichts. Wer den Tarif bereits abgeschlossen hat, behält seine 9,5 Cent netto für die vereinbarte Vertragsbindung von zwölf Monaten. Die neuen Konditionen gelten ausschließlich für Neuabschlüsse ab sofort.
Zehn Cent sind immer noch günstig
Auch nach der Anhebung zählt der Österreich-Tarif weiterhin zu den preislich günstigsten Angeboten am österreichischen Strommarkt. Ein Vergleich mit den Tarifen der Landesenergieversorger zeigt: Die meisten Anbieter liegen darüber.
Laut E-Control liegt der günstigste am Markt verfügbare Tarif (ohne Neukundenrabatte) derzeit bei etwa 9,1 Cent netto. Der Österreich-Tarif liegt damit nur knapp über dem absoluten Marktminimum – und das mit einer zwölfmonatigen Preisgarantie.
Ein Tarif mit politischer Geschichte
Der Österreich-Tarif war von Anfang an auch ein politisches Projekt. Die Bundesregierung sah in ihm einen Beitrag zur Dämpfung der Inflation, die in Österreich zeitweise doppelt so hoch war wie im EU-Durchschnitt. Bundeskanzler Stocker und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer (beide ÖVP) lobten den Verbund bei der Präsentation im Jänner für die Übernahme von „Verantwortung“ als Staatsunternehmen.
Die Kritik ließ allerdings nicht lange auf sich warten: Das Momentum Institut bemängelte, dass der Tarif nur ein Jahr lang gilt und danach auf 12,50 Cent netto steigt. Der Verbund konterte, dass der Tarif als Einstiegsangebot konzipiert sei und Kunden nach Ablauf der Bindungsfrist frei wechseln könnten.
Tatsache ist: Der Österreich-Tarif hat den Wettbewerb am heimischen Strommarkt belebt. Nach der Ankündigung des Verbund zog die EVN nach, auch die Energie Steiermark kündigte Preissenkungen an. Für Konsumenten ist das eine gute Nachricht – auch wenn der Verbund den Einstiegspreis nun leicht anheben musste.
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