Mi, 17. Oktober 2018

Auge in Auge mit IS

07.12.2014 20:49

CNN-Team berichtet aus der Hölle von Kobane

Kaum ein westlicher Reporter ist bisher ins Herz der seit Monaten umkämpften syrischen Stadt Kobane vorgedrungen - erst recht kein Medium aus den USA, einem der erklärten Hauptfeinde der Dschihadistenmiliz IS, die sich in der Kurdenenklave heftigste Kämpfe mit den Verteidigern liefert. Einem CNN-Team ist es nun gelungen, in die komplett zerstörte Stadt vorzustoßen. Die Bilder, die die Reporter eingefangen haben, sind beklemmend.

Bisher hatte es auch der Nachrichtengigant aus Atlanta nicht geschafft oder gewagt, über die türkische Grenze ins Epizentrum der Schlacht gegen den IS zu gelangen - bis das Kamerateam vor wenigen Tagen sein Herz in die Hand nahm. "Die Straßen Kobanes sind durch die gewaltige Zerstörung, die die Kämpfe hinterlassen haben, nicht mehr wiederzuerkennen", stimmt die Moderatorin ihre Zuseher auf das erschütternde Videomaterial ein, das sie in der Folge zu sehen bekommen.

Die knapp vierminütige Reportage beginnt mit einem Einblick in eine völlig zerstörte Straße in einem Wohnviertel. Die Vordächer sind heruntergerissen, am Boden stapeln sich die Trümmer, vereinzelt gehen Menschen durch das verwüstete Viertel. Die Bilder erinnern an andere syrische Kriegsschauplätze: Homs, Hama, Aleppo.

Massive Zerstörungen und Verwesungsgeruch an der Front
Dann werden die Bilder kämpferisch: Die Reporter bewegen sich an die Frontlinie, begleitet von zwei schwer bewaffneten Kurdinnen. Der Weg in Richtung der IS-Stellungen ist mit Leichenteilen gepflastert. Sie liegen zwischen den Ruinen - nicht auszumachen, ob hier von der internationalen Koalition getötete IS-Kämpfer starben oder Menschen, die bei der Verteidigung Kobanes ums Leben kamen. Die Journalisten berichten über Verwesungsgeruch, der sich über den gesamten Frontbereich zieht.

Auf bis zu 20 Meter wagen sich die Reporter an die IS-Stellungen heran, geschützt von einem behelfsmäßigen kurdischen Bollwerk. Die Anwesenden in der Befestigung: allesamt Frauen. Ein Blick mit der Kamera durch eine Schießscharte zeigt: Auch auf der anderen Seite ist nichts als Zerstörung zu sehen. Zerschossene Häuser und Fahrzeuge bilden die gespenstische Szenerie, menschenleer und ausgestorben wirkt auch der derzeit vom IS kontrollierte Teil Kobanes.

Schüsse auf ausgestorbenes Viertel - Antwort kommt prompt
Dennoch feuern die Kurden ein paar Schüsse ab - ob als Drohung oder zur Abwehr ist nicht erkennbar. Und tatsächlich wird das Feuer nur wenige Augenblicke später erwidert. "Diese Art von Schusswechsel passiert hier Stunde für Stunde", berichtet der zusammengekauerte CNN-Reporter Nick Paton Walsh. Als Mörsergranaten zum Einsatz kommen, zieht sich das Kamerateam im Laufschritt zurück.

Kobane ist durch den monatelangen, brutalen Kampf zwischen dem heranstürmenden IS und wechselnden Verteidigungsbündnissen am Boden sowie dem US-geführten Bombardement aus der Luft zum wohl bekanntesten und bedrückendsten Symbol des Terrors geworden, den die Dschihadistenmiliz im Nahen Osten verbreitet. Doch auch andernorts in Syrien und im Irak wird derzeit erbittert gekämpft. Brennpunkt am Wochenende war der Militärflughafen Deir ez-Zor im Osten Syriens, auf den IS-Einheiten vorrückten. Er ist die letzte Bastion der syrischen Streitkräfte in der gleichnamigen Provinz, die ansonsten fast völlig unter der Kontrolle des IS steht.

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