„Krone“-Interview

Christoph Fritz: „Unverhofft kommt hier sehr oft“

Unterhaltung
22.09.2026 05:00

„Fahr lässig, nicht fahrlässig“, ist das Motto von Kabarettist und Schauspieler Christoph Fritz als Fahrlehrer in der brandneuen ORF-Comedy-Serie „2HOT2DRIVE“ von Regisseurin Kurdwin Ayub, die heute Abend und am 29. September um jeweils 23 Uhr in ORF 1 ausgestrahlt wird. Wir haben vorab genauer nachgefragt.

„Krone“: Christoph, in „2HOT2DRIVE“ spielst du den jungen Fahrlehrer Florian, der mit Fahrschülerin Yara, ihren Freundinnen und anderen Personen durch Wien fährt und dabei in komische zwischenmenschliche Situationen gerät. Was hat dir an diesem Projekt besonders gefallen?
Christoph Fritz: 
Es gab kein fixes Drehbuch und wir haben sehr stark mit Improvisation gearbeitet. Es gab eine ungefähre Handlung, aber die Dialoge waren nicht genau ausgeschrieben. Es ergibt sich so eine Dynamik wie unter WG-Bewohnerinnen. Ich fand es besonders cool, dass wir in einem kleinen Raum gedreht haben und der Fokus auf den Dialogen liegt. Es fuhr immer ein Produktionsauto hinter uns her und hat uns via Walkie-Talkie Bescheid gegen, worum es in der nächsten Szene geht. Wir hatten viel Freiraum und Natürlichkeit in den Dialogen. Manche Story-Elemente sind nicht voll realistisch, aber diese leichten Überspitzungen sind schon okay. Nicht alles hat eine Pointe, manche Sachen laufen auch ins Leere. Das ist lustig und authentisch zugleich.

Eine Pointe kann sich auch ergeben, wenn etwas ins Leere läuft. Waren die Dialoge gar nicht vorgeschrieben?
Nein, sie waren komplett improvisiert. Bei den Proben hat Regisseurin Kurdwin Ayubs mitgeschrieben und es gab eine grobe Vorstellung der Handlung, aber es gab kein konkretes Drehbuch im klassischen Sinne.

Wie wichtig war das Zusammenspiel von dir mit Yara, die von Elif Duygu gespielt wird? Kanntet ihr euch vorher und wart ihr euch schon abseits der Kameras bekannt oder vertraut?
Wir kannten uns vorher nicht. Ich habe sie einmal als Poetry Slammerin auf der Bühne mitgekriegt und wusste ungefähr, wer sie ist, aber hatten persönlich nichts miteinander zu tun. Es gab dann ein paar Castingrunden, wo verschiedene Konstellationen getestet wurden. Einmal sind wir alle im Vorfeld Karaoke singen gegangen und das war ein Riesenspaß. Mittlerweile sind wir alle befreundet und eine kleine, eingeschworene Truppe. Bei den Proben gab es schnell eine gute Dynamik zwischen uns und da spürt man schnell eine gewisse Vertrautheit.

Habt ihr Szenen im Auto auch in einem Take, ganz ohne Schnitt abgedreht?
Wie viel im Schnitt von Esther Fischer bearbeitet wurde, kann ich jetzt gar nicht sagen. Wir haben jedenfalls nicht wahnsinnig viele Takes pro Szene gemacht. Meist ein- bis zweimal. Selten vier- bis fünfmal. Vor allem - irgendwann wird es dann gar nicht mehr authentisch sein und das will niemand.

Wie lange habt ihr insgesamt an der Serie gedreht?
Es war ein Drehtag pro Folge. Wir haben im November 2024 die ersten drei Folgen gedreht und ein halbes Jahr später, den zweiten Block, die zweiten drei Folgen. Die Dynamik ist aber so gut, dass man beim Sehen gar keinen Unterschied merkt, dass da ein halbes Jahr verging. Dazu gab es vor jedem Drehtag drei Probentage, wo man miteinander quatscht und die Szenen grob durchprobiert. Kurdwin filmte mit dem Handy mit und notierte sich Dinge. Dort entstanden viele spontane Texte, die dann beim richtigen Dreh übernommen wurden und für diese spielerische Leichtigkeit sorgten.

Ob Josef Hader als Fahrprüfer auch so viel gute Laune versprüht wie hier auf der Rückbank von ...
Ob Josef Hader als Fahrprüfer auch so viel gute Laune versprüht wie hier auf der Rückbank von Florian?(Bild: ORF/KGP Filmproduktion)

Es geht in „2HOT2DRIVE“ um den Abbau von Vorurteilen, um das Vermitteln von gegenseitigem Verständnis oder auch um das Nichtverständnis im humoristischen Sinne. Haben diese Dreharbeiten besonders viel Spaß gemacht?
Es hat richtig großen Spaß gemacht. Ich wusste nicht immer, was ich zu tun habe oder wie ich mich einbringen soll, aber es hat wohl gepasst. Wenn man mittendrin in einer Szene ist, kann man nur mutmaßen, wie das Spiel von außen wirkt. Als die Cutterin dann alles zusammengefügt hat und ich das fertige Endergebnis sah, war ich glücklich, weil alles einen Sinn ergab und Kurdwin immer alles im Griff hatte. Bei meiner Figur geht es mitunter auch um die Stille und die Pausen und auch dabei haben wir alle gut harmoniert. Vor allem mit den drei Frauen auf der Rückbank, die rabiat auf mich als Fahrlehrer einreden – das ging wirklich gut auf.

Welche Erfahrungen hast du selbst mit Fahrlehrern gemacht?
Mein Führerschein ist eineinhalb Jahrzehnte her, den habe ich mit 17 gemacht. Das waren sehr gute bis neutrale Erfahrungen. Ich fand den praktischen Unterricht generell sehr stressig, weil ich nicht sehr talentiert war und mir das Auto öfter abstarb als mir lieb war. Ich hatte auch nicht Yaras Privileg in der Serie, mit einer Automatikschaltung zu fahren, insofern war die Fahrprüfung dann recht spannend. Ich beging zudem den taktischen Fehler, am Vortag mit einem Schulfreund beim Konzert von Judas Priest in der Wiener Stadthalle gewesen zu sein. Das war so laut, dass mein Trommelfell am nächsten Tag noch beleidigt war. So musste ich bei jeder Anweisung vom Prüfer nachfragen, was er gesagt hat. Ich hatte zwei schwere Fehler, aber er hat mich durchgelassen. Ich hatte eine „Vorrang geben“-Tafel übersehen – nicht so toll. Aber er hatte wohl einen guten Tag und ich Glück.

Am Ende geht es nur darum, dass es positiv erledigt ist …
Da fällt mir noch was ein. Als ich erstmals allein mit dem Auto gefahren bin erntete ich einige erstaunte Blicke von anderen Verkehrsteilnehmern, weil ich damals wie 14 ausgesehen habe. Die dachten sich wohl, da wäre ein Teenager mit dem Auto seiner Eltern ausgebüxt.

In einer Szene in der Serie wollen dich Yaras Freundinnen auch mit einer 16-Jährigen verkuppeln – obwohl du 34 bist …
Diese Form der Jugend geht bei mir vielleicht gerade noch durch, aber das wird sich schnell ändern.

Hast du für diese Rolle irgendwie besonders recherchiert, oder bist du instinktiv rangegangen?
Ich habe schon recherchiert und etwa nachgelesen, wie man Dinge im Auto korrekt einrichtet. Den Fahrersitz oder die Spiegel. Wie viel Abstand sollte man halten? Wo soll man Arme und Beine haben? So Dinge aus der Theorie, die man irgendwann vergisst, wenn man im echten Leben so wenig Auto fährt wie ich. Einmal bin ich für die Recherche mit einer Schülerin und ihrem Fahrlehrer mitgefahren. Da habe ich alles beobachtet und dazu ein paar Fragen gestellt. Wo Fahrschüler die meisten Fehler machen und wie man sich als Fahrlehrer am besten verhält.

Gibt es abseits des tollen Situationshumors in dieser kammerspielartigen Inszenierung eine besondere Agenda, die diese Serie an die Seher vermitteln will oder soll?
Kurdwin gab uns keine Anweisungen im Sinne von, dass man Dialoge übererklärt oder zu verkopft an die Szenen rangeht. Der gute Stil der Serie ist, dass Dinge nicht übererklärt werden. In meiner Rolle stecken Themen wie Autoritätsverständnis oder Männlichkeit, weil Yara als Schülerin gegenüber mir als Fahrlehrer berechtigte Skepsis hat. Für sie ist es die dritte Fahrschule und als Fahrlehrer hat man eine gewisse Machtposition, die Yara aber nicht anerkennt und zusätzlich ist Florian alles andere als eine Autoritätsperson. Am Ende der Serie entwickelt sich zwischen den beiden Hauptprotagonisten so was wie eine Freundschaft und jeder lernt was vom anderen dazu. Florian, dass er nicht immer alles so ernst nehmen muss und Yara, dass Regeln im Straßenverkehr doch ihre Berechtigung haben. Kurdwin hat uns einfach reingestoßen und machen lassen.

Man hat zuweilen das Gefühl, die Autoritätsverhältnisse hätten sich umgedreht und Yara erklärt Florian, wer der Chef ist.
Es gibt Szenen, wo sich der Spieß umdreht, weil sich durch die Dialoge auch die Situationen ändern oder Yara im Straßenverkehr enorm gestresst ist. Da weiß Florian dann nicht, wie er reagieren soll. In der letzten Folge kommt dann Josef Hader als Fahrprüfer und zeigt Florian, wie Autorität wirklich aussehen kann.

Hat diese Serie eigentlich Potenzial für eine Fortsetzung bzw. eine zweite Staffel?
Ich denke schon. Ob was daraus wird oder nicht, liegt aber nicht in meinen Händen. Ich glaube aber, wir alle hätten Lust darauf. Keine Ahnung, ob eine zweite Staffel wieder in einem Fahrschulauto oder in einem anderen Setting spielen würde. Es gibt sich andere Räume, die diese Figuren mit Leben füllen könnten. Ohne allzu viel zu spoilern gibt es am Ende einen Cliffhanger, wo Florian vielleicht der Fahrlehrer von einer von Yaras Freundinnen wird. Die Möglichkeit ist schon da, dass man die Idee noch weiterspinnen könnte. Wir sind eine interessante Truppe und ich wäre auf jeden Fall dabei.

Man kennt dich vorwiegend als Kabarettist auf der Livebühne. Wie hat es sich angefühlt, hier vor der Kamera und nicht direkt vor Publikum zu stehen?
Es ist wesentlich entspannter, weil man bei Fehlern in Ruhe neu ansetzen kann oder Szenen wiederholt, wie man es auf der Bühne nie so leicht machen könnte. Andererseits ist mir dieses Instant-Feedback von der Bühne ein bisschen abgegangen. Da weiß man wenigstens sofort, ob man gut oder weniger gut ankommt, weshalb mich die Arbeit beim Fernsehen ein bisschen verunsichert hat. Wenn man eine Szene dreht und es geht einfach weiter, ist das nicht so ein eindeutiges Feedback, wie wenn das Publikum lacht oder eben nicht. Da musste ich voll und ganz Kurdwin vertrauen und das war eine Challenge, die mir aber auch neue Freiheiten eröffnet hat. Man kann Sachen ausprobieren und wiederholen.

Wird man dich künftig öfter auch vor einer TV-Kamera sehen oder bleibt das Kabarett schon dein wichtigstes Steckenpferd? Was hast du in nächster eit allgemein so vor?
Das neue Kabarettprogramm kommt nächstes Jahr im Herbst raus, da lege ich gerade ein bisschen Pause ein. Es gab immer wieder Auftritte in Deutschland oder bei Comedy-Formaten, aber keine große Tour mehr. Mein immer noch aktuelles Programm „Zärtlichkeit“ bringt der ORF zum Glück auch im Fernsehen und ich bin schon sehr gespannt, wie die Aufzeichnung ankommt. Live-Tour dann erstes nächstes Jahr wieder, das war heuer schon sehr intensiv. Ich nehme mich also ein bisschen raus und schaue, dass ich wieder richtig Lust auf die Bühne kriege. Ich musste auch herausfinden, wer ich bin und wo ich hin will.

Vor der Kamera ist auch mehr geplant?
Derzeit nicht. Ich wird immer wieder auf Castings eingeladen und daraus kann sich was ergeben. Ansonsten hatte ich so ein Halloween-Gruselprojekt mit Berni Wagner und Sonja Pikart namens „Ghöst“, das wollen wir gerne fürs Fernsehen umsetzen. Da gibt es aber noch viel Fallstricke. Konkrete Drehs sind derzeit aber nicht geplant. Insgesamt kann ich mich aber nicht beklagen und in dieser Branche kommt unverhofft oft. Als ich beim Casting für „2HOT2DRIVE“ war, dachte ich auch nicht daran, dass ich diese Rolle gleich kriegen würde. Ich gehe hin und gebe mein Bestes und das ging gut. Es gibt Leute, die das vier Jahre studiert haben an der Schauspielschule – ich weiß schon, wie viel Glück ich hier auch hatte. Es meinte bei der Diagonale in Graz zu mir, da wäre endlich mal frischer Humor im ORF, der auch in junges Publikum ansprechen würde. Ich bin sehr gespannt auf die Resonanz der Menschen.

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