Die Firmenkonkurse stiegen im Ländle in den ersten drei Quartalen 2026 um satte 42,9 Prozent – das ist der höchste Anstieg in Österreich. Neben hohen Lohn- und Energiekosten setzt vor allem die Krise im Nachbarland Deutschland den Vorarlberger Betrieben zu.
Der wirtschaftliche Druck auf Vorarlbergs Unternehmen spitzt sich weiter zu. Gemäß einer aktuellen Hochrechnung des KSV1870 gab es bei den Firmeninsolvenzen einen enormen Zuwachs. Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei den Passiva, die sich auf 168 Millionen Euro mehr als verdreifacht haben.
46 Verfahren mangels Vermögen abgewiesen
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 verzeichnete der KSV1870 in Vorarlberg insgesamt 150 Unternehmensinsolvenzen (im Vorjahr waren es 105 Fälle). Während die Pleitewelle bundesweit mit einem Plus von lediglich 0,4 Prozent stagniert, verzeichnet das Ländle eine markante Zunahme. Von den 150 Verfahren wurden 104 eröffnet, 46 mussten mangels Vermögens abgewiesen werden.
Auffällig ist der Wandel hin zu größeren Sanierungsversuchen: Gab es 2025 aufs gesamte Jahr gesehen nur zwei Sanierungsverfahren, streben heuer bereits 16 Firmen eine Sanierung an. „Die Zahl der Sanierungsverfahren hat sich gegenüber dem Vorjahr verachtfacht. Ausschlaggebend für diese massive Steigerung ist insbesondere der Umstand, dass es heuer mehr werthaltige Insolvenzen gibt“, erklärt Nathaniel Heinritz, KSV1870 Standortleiter in Feldkirch.
Die finanzielle Schieflage schlägt sich immer deutlicher in den Zahlen nieder: Die Verbindlichkeiten explodierten von 41 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf aktuell 168 Millionen Euro. Wesentliche Treiber dieser Entwicklung sind die anhaltende Krise in der Bauwirtschaft sowie prominente Großinsolvenzen – allen voran die 2Rad Produktions GmbH (ehemals Simplon Fahrrad GmbH) in Hard mit Verbindlichkeiten von allein 33,4 Millionen Euro.
Bau, Handel und Gastro besonders betroffen
Branchenprimus bei den eröffneten Insolvenzen bleibt das Bau- und Baunebengewerbe mit 28 Fällen, gefolgt vom Handel (23 Fälle) und der Gastronomie (19 Fälle). Bei den Schulden führt das verarbeitende Gewerbe mit 59 Millionen Euro die Liste an.
Ein Ende des Negativtrends ist vorerst nicht in Sicht. Auch im vierten Quartal rechnet der KSV1870 mit einer anhaltend hohen Insolvenzdynamik. „Zunehmend Sorge bereitet der Umstand, dass die Fallzahlen auch im verarbeitenden Gewerbe ansteigen. Die traditionell exportorientierte Vorarlberger Industrie leidet einerseits am wirtschaftlichen Abstieg des wichtigen Absatzmarktes Deutschland, andererseits belasten hohe Energie- und Lohnstückkosten den Produktionsstandort Vorarlberg“, erläutert Heinritz.
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