54 Länder, wilde Verfolgungsjagden und Begegnungen mit bewaffneten Taliban: Der Extremreisende Kevin Köstenbaumer (33) aus Vorarlberg sucht das Abenteuer dort, wo andere lieber fernbleiben. Und erzählt, warum er ausgerechnet in Europa Todesangst hatte.
„Heute lasse ich dich gehen, weil du eine Frau dabei hast.“ Diesen Satz wird Kevin Köstenbaumer wohl nie wieder vergessen. Mitten in den albanischen Alpen wird der Vorarlberger mit seinem Camper von zwei Männern verfolgt. Rund 15 Minuten dauert die wilde Jagd, dann blockieren die beiden Fahrzeuge plötzlich den Weg. Der 33-Jährige sitzt fest – und hat Todesangst. Erst als einer der Männer seine Verlobte auf dem Beifahrersitz entdeckt, dürfen die beiden weiterfahren.
Es ist eine jener Geschichten, die der Extremreisende heute erzählen kann, und längst nicht die einzige. 54 Länder hat Köstenbaumer bereits bereist, darunter Afghanistan, Pakistan und Indien. Sein großes Ziel: Eines Tages möchte er jedes Land der Erde mit eigenen Augen gesehen haben. Dabei zieht es ihn gerade auch an Orte, um die viele andere Reisende lieber einen großen Bogen machen.
Zwischen bewaffneten Taliban und netten Leuten
Bemerkenswert: Seine größte Todesangst erlebte Köstenbaumer nicht in einem Krisenland, sondern mitten in Europa. „Ausgerechnet in Afghanistan und Pakistan, wo viele vermutlich eine solche Geschichte erwarten würden, hatte ich nie das Gefühl, unmittelbar um mein Leben fürchten zu müssen“, erzählt er.
Afghanistan war dennoch eine Reise der Extreme. Nach der Landung standen plötzlich jene Männer vor ihm, die dort das Sagen haben: bewaffnete Taliban. Der Vorarlberger reiste mit einem einheimischen Guide durch das Land, für bestimmte Regionen benötigte er spezielle Genehmigungen. An zahlreichen Checkpoints wurden diese von Taliban kontrolliert. Aber: „Die Taliban sind mir bei meinen persönlichen Begegnungen freundlich und teilweise sehr interessiert begegnet“, erzählt er. Bedroht oder grundlos aggressiv behandelt worden sei er nicht.
„In Wien ist so etwas kaum vorstellbar“
Und so überraschte ihn sein eigenes Sicherheitsgefühl. Auf afghanischen Märkten etwa sah der 33-Jährige offene Geldwechselstände, an denen große Mengen Bargeld sichtbar herumlagen. „In einer Großstadt wie Wien könnte ich mir das nur schwer vorstellen“, sagt er. Damit will der Extremreisende Afghanistan keineswegs zum sicheren Urlaubsland erklären. Und auch die „Rechte“ der Frauen in dem Land kritisiert der Vorarlberger. „Ich lehne die Zustände dort ab, das sage ich immer deutlich, auch in meinen Videos.“
Doch nicht nur nach Afghanistan hat der Internetstar seine rund 41.000 Fans auf Instagram bereits mitgenommen. Er badete im indischen Ganges, sprach mit einem Aghori, der sich als Kannibalen bezeichnete, sprang auf einen fahrenden Zug auf und aß in Thailand eine Vogelspinne.
Trotz bereits 54 bereister Länder ist für den 33-Jährigen noch lange nicht Schluss. Ein Land grundsätzlich auszuschließen, kommt für ihn nicht infrage. In aktive Kriegsgebiete will aber auch er nicht reisen. „Kein Video ist es wert, dafür mein Leben oder das Leben anderer Menschen unnötig zu riskieren.“
Die nächste Reise geht nach ... Italien
Jetzt plant der Vorarlberger sein drittes Buch – um seine Abenteuer mit anderen teilen zu können. Die nächste Reise steht übrigens bereits in den Startlöchern. Diesmal geht es nach Italien.
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