Der Weg zum Scheimersch führt durch eine stille, zunehmend karge Bergwelt mitten im Europaschutzgebiet Verwall. Vom Gipfel aus bietet sich eine grandiose Aussicht auf das Montafon und die Bergwelt.
Es sind nicht immer die bekannten Gipfel, die eine Wanderung zu einem besonderen Erlebnis machen. Manchmal sind es die stilleren Ziele, die ihren Reiz erst auf den zweiten Blick offenbaren. Der Scheimersch im Montafon gehört zu dieser Kategorie. Im Umfeld des Wormser Höhenwegs erhebt sich der 2420 Meter hohe Berg über St. Gallenkirch. Zugleich liegt er im Europaschutzgebiet Verwall, einem der bedeutendsten Schutzgebiete Vorarlbergs. Mit über 12.000 Hektar erstreckt sich dieses abschnittsweise über das Montafon sowie das Klostertal und ist seit 1995 in Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Dessen Ziel ist es, besonders wertvolle Lebensräume und Arten zu bewahren.
Typ: mittelschwere Gipfelwanderung
Dauer: zweieinhalb bis drei Stunden (ab Bergstation Grasjoch, Bahn fährt noch bis 20. September) Ausgangspunkt: Bergstation Grasjochbahn / oder ab St. Gallenkirch
Anforderung: Trittsicherheit, sportliche Grundkondition Ausrüstung: knöchelhohe Wanderschuhe mit gutem Profil, Tagesrucksack mit Jause und Getränk, dem Wetter angepasste Kleidung, Wanderstöcke für den Abstieg
Einkehrmöglichkeit: Grasjoch Hütte,weitere Möglichkeiten in St.Gallenkirch
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 650 S (von Schruns Bahnhof bis Valisera Bahn/Grasjoch Bahn)
Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten
Das Verwall vereint dabei ausgedehnte Wälder, alpine Rasen, Felsflure, Geröllfelder und Gewässer. Diese Vielfalt schafft Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gamswild, Steinadler und Alpenschneehuhn sind ebenso Teil dieser alpinen Lebensgemeinschaft wie botanische Besonderheiten, darunter die Krautweide. Der winzige, kriechende Strauch ist an die rauen Bedingungen der Hochlagen angepasst.
Wer einen Teil dieser Landschaft selbst erleben möchte, kann von der Bergstation der Grasjochbahn auf den Wormser Höhenweg aufbrechen und den Wegweisern in Richtung Alpgues und Scheimersch folgen. Der Pfad führt über die Bergflanke durch eine abwechslungsreiche alpine Landschaft, die bereits in die goldenen Farben des Herbstes getaucht ist. Rot leuchten die Heidelbeersträucher zwischen gold-braunen Gräsern hervor. Nur Alpenrose und Wacholder tragen weiterhin ihr immergrünes Kleid. Entlang des Höhenwegs hat man bereits eine beeindruckende Aussicht auf das Montafon und die umliegenden Berge, dieser Panoramablick wird sich am Gipfelkreuz des Scheimersch nochmals erweitern.
Nach der Infotafel zum Europaschutzgebiet Verwall wird die Route allmählich anspruchsvoller. Zugleich verändert sich der Charakter der Landschaft: Die Vegetation wird spärlicher, Felsblöcke und Geröll prägen zunehmend das Gelände. Schließlich markiert ein Wegweise die unscheinbare Abzweigung zum Gipfel hin. Der als alpiner Steig markierte Pfad führt teilweise weglos in Richtung Scheimersch. Über große Gesteinsbrocken und Geröllfelder geht es bergauf – ein Abschnitt, der Trittsicherheit und ein bisschen Kraxelei erfordert.
Alpenschneemaus wechselt Fellfarbe nicht
Auf den ersten Blick mag diese karge Umgebung beinahe wie ein Ödland wirken – doch auch hier haben sich Tiere und Pflanzen an die rauen Bedingungen angepasst. Mit viel Glück lässt sich etwa ein Blick auf die Alpenschneemaus erhaschen. Anders als der Schneehase wechselt sie im Winter nicht die Fellfarbe, sondern behält ihr dichtes, lichtgraues Kleid das ganze Jahr über. Ihr Schwanz ist auffallend lang für eine Wühlmaus und fast vollständig weiß oder zweifarbig behaart. Die langen Tasthaare im Gesicht helfen der Maus, sich in den dunklen Felsspalten zu orientieren.
Das Endivien-Habichtskraut gehört zur artenreichen Gattung der Habichtskräuter und fällt durch seine hellgelben Blütenköpfe auf. Seinen Namen verdankt es den an Endivien erinnernden, meist länglich gezähnten Blättern. Die mehrjährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler wächst vor allem in den Alpen und bevorzugt felsige, kalkhaltige Standorte, Geröllhänge und Felsspalten. Damit ist sie gut an Lebensräume angepasst, in denen nur wenig Boden zur Verfügung steht. Je nach Standort blüht das Endivien-Habichtskraut etwa von Juli bis September. Gerade in höheren Lagen kann es zwischen Felsen und Geröll auffallende Farbtupfer setzen.
Selbst auf dem unwirtlichen Gestein findet sich Leben – Flechten besiedeln die Oberflächen und wachsen dort, wo für andere Pflanzen kaum noch Bedingungen zum Überleben bestehen. So bleibt auch dieser Abschnitt bis zum Gipfel naturkundlich spannend. Oben bietet sich dann ein fantastischer Ausblick aufs Tal aber auch auf die Silvretta-Gruppe mit dem Piz Buin, die Rätikon-Gipfel wie die Drei Türme und die Sulzfluh oder die Zimba. Nach einer verdienten Rast geht es über dieselbe Strecke zurück zur Bergstation der Grasjochbahn. Alternativ führt auch ein Wanderpfad bis nach St.Gallenkirch.
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