Ab morgen, 14. September, startet Puls4 beim Frühstücksfernsehen in eine neue Ära. Das Urgestein Bianca Schwarzjirg – 18 Jahre an Bord – kriegt mit Alex Kratki zumindest für die nächsten zehn Monate einen neuen Partner zur Seite gestellt. Im großen „Krone“-Talk spricht sie über die Veränderungen und was das für alle bedeutet.
„Krone“: Bianca, für dich beginnt ab morgen eine neue Ära. Nach 18 Jahren an der Seite mit Florian Danner moderierst du „Café Puls“ nun erstmals mit deinem neuen Kollegen Alex Kratki. Wie hat sich das für dich angefühlt, als dir Flo eröffnet hat, dass er für ein Jahr in die USA geht?
Bianca Schwarzjirg: Beim ersten Mal dachte ich mir einfach, wie cool es ist, dass er das macht. Ein paar Tage später hat’s mich dann erwischt. Es hat sich so angefühlt, als würde man verlassen werden, wie Liebeskummer, nur dass wir kein Liebespaar waren. (lacht) Wenn man so lange zusammenarbeitet, macht das was mit einem. Ich habe zuerst alles infrage gestellt. Möchte ich überhaupt weitermachen? Soll ich weitermachen? Wie könnte das aussehen? Es gab dann in unserem tollen Medienhaus viele gute Gespräche und wir haben alle sehr behutsam darauf geachtet, wie ein möglichst gutes Zukunftsszenario aussehen könnte. Ich nahm mir dann zwei Monate Auszeit, was ein notwendiger Punkt für mich war. Es hat richtig gutgetan, dadurch damit abzuschließen und etwas Neuem eine Chance zu geben. Das ist wie bei Beziehungen. Wenn eine zerbricht, springt man auch nicht sofort in die nächste und die funktioniert dann anstandslos.
Du hast also früh gewusst, es wird für dich weitergehen?
Ich wusste, dass alles neu werden würde und brauchte Zeit, mit dem anderen Kapital abzuschließen. Damit man mit neuer Energie und neuem Elan befreit wieder loslegen kann – das wäre direkt im Juni so nicht möglich gewesen.
In 18 Jahren wächst man nicht nur beruflich, sondern auch zwischenmenschlich unglaublich dicht zusammen. Wie habt ihr euch abseits des Jobs auch dahingehend miteinander entwickelt?
Als wir gemeinsam mit „Café Puls“ anfingen, war Flo noch bei den Nachrichten und irgendwann wächst man zusammen, was allein schon daran liegt, dass man sich zu einer Uhrzeit sieht, wo man sonst niemanden sehen würde. Man telefoniert sehr früh und bekommt von der privaten Wahrnehmung des anderen viel mit. Egal, ob es da um Schwangerschaften, Hochzeiten oder Kindererziehung geht. Nach so viel Gemeinschaft war ein guter Abschluss einfach nötig.
Alex Kratki kennst du aber schon länger. Es ist mit ihm kein Sprung ins kalte Wasser, sehr wohl aber eine markante Veränderung?
Alex ist mir kein Fremder und ich erinnere mich noch gut daran, wie er bei „Café Puls“ Praktikant war. Er war auch schon auf der Couch und immer wieder als Reporter unterwegs. Wir sahen uns oft in der Redaktion und verstanden uns immer gut. Dennoch bin ich jetzt gespannt, weil dieses extrem häufige und sehr frühe sich sehen ist noch einmal was anderes. Da muss man dem Gegenüber Vertrauen können, man muss sich gegenseitig auffangen. Vor zwei Monaten wäre das für mich unvorstellbar gewesen, aber jetzt ist genug Vertrauen da. Ich war die letzten drei Wochen in Kroatien und vor knapp einer Woche habe ich Alex angerufen. Zuerst schickte ich ihm eine Sprachnachricht, um ihm zu sagen, dass ich mich auf die Arbeit mit ihm freue. Dann haben wir lange telefoniert und so konnte eine Ära für mich enden, während die andere gerade beginnt. Ich bin voller Vorfreude darauf.
Hast du auch mal ernsthaft überlegt, alles hinzuhauen und dich nach Danners Aus anders zu orientieren?
Es war eine Option, ich war mir anfangs nicht zu 100 Prozent sicher. Es gibt viele Projekte und Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren und ich möchte viele davon bald mal umsetzen, aber wollte alles nicht ad hoc entscheiden. Ich habe in meinem Leben zwei wichtige Mentoren, die reifer und älter als ich sind und die mir beide sagten, dass man an so einem Punkt nicht geht. Man geht von wo weg, wenn alles passt, weil man dann die richtige Kraft hat. Das habe ich mir zu Herzen genommen und jetzt bin ich wirklich bereit, dass es losgeht.
Ist das nicht eine paradoxe Situation, etwas so gewohnt zu sein, dass sich dann doch neu anfühlt?
Ja, das ist es wirklich. Es muss sich bei so einem Job eine extreme Nähe aufbauen und da werden wir sehen, wie es wird. Alex ist aber extrem unkompliziert und wahnsinnig lustig. Er hat viel Feingefühl und spürt, wie es jemandem in seinem Umfeld geht. Als ich mit Flo arbeitete, haben wir uns täglich um 3.30 Uhr im Auto angerufen und kurz den Tag und die Sendung besprochen. Das werde ich bei Alex nicht gleich machen, denn jeder braucht in der Früh mal Zeit für sich. Vielleicht pendelt sich das dann auch ein. Bei so einem Telefonat kann man in der Früh schon viel Energie mitnehmen. Das hat Flo und mich sicher auch geprägt.
Ein neues Team bringt neuen Schwung. Was wird sich verändern und worauf dürfen die Zuseher sich freuen?
Es wird wohl noch einen Tick unterhaltsamer, weil Alex von Natur aus so lustig ist. Sie haben beide unterschiedliche Stärken. Flo war wahnsinnig gut in allen politischen Belangen. Vor allem, was Amerika betrifft. Alex kennt sich in der Filmwelt und in Hollywood aus. Er war auch oft berichterstattend bei den Oscars und ist ein toller Fußballer, bringt also auch Sportkompetenz mit. Durch all das wird sich auch meine Rolle ein bisschen verändern und ich werde mich stärker in Themen wie Politik vertiefen, worauf ich mich sehr freue. Es wird aber alles locker und unterhaltsam bleiben und wir wollen auch gar nicht, dass da von außen ein Vergleich stattfinden wird. Jetzt haben wir etwas Neues und das startet morgen, Montag.
Habt ihr euch schon vorbereitet oder geht ihr eher nach dem Prinzip „Learning By Doing“ vor?
Wir haben eine hervorragende Coachin, mit der wir seit vielen Jahren in diesem Haus arbeiten - auch gemeinschaftlich. Sie achtet sehr darauf, wo man was schärfen und verbessern kann und deshalb habe ich gar keine Bedenken, dass das nicht gut wird.
Wird eigentlich auch was am Studiosetting geändert, oder bleibt das gleich?
Wir hatten schon vor dem Sommer ein Re-Design und bekamen eine neue Couch. Theoretisch wird es sanfte Adaptierungen geben, aber das Studio bleibt im Prinzip das Studio.
Was macht deiner Meinung nach gutes Frühstücksfernsehen aus? Hat sich deine Wahrnehmung dessen über deine 18 Jahre in diesem Job verändert?
Es hat sich vieles getan - die Themen, die Sendungen, die Sichtweisen. In den letzten zehn Jahren gab es wahnsinnig viel Society und auch das Bild der Frau hat sich stark verändert. Frühstücksfernsehen wird per se nie auf Politik ausgerichtet sein, es wird immer das Wichtigste und Interessanteste eines Tages bunt gemischt aufgerollt. So wie es auch eine gute Zeitung und ein guter Radiosender machen. Ein Nachrichtenmix aus verschiedenen Rubriken und Sichtweisen, wo man all das herausnimmt, über das Österreich redet und dass das Land interessiert. Die Frage, was die Leute interessiert, finde ich ungebrochen spannend. Man muss sich immer überlegen, wie man am liebsten aufgeweckt werden möchte. Das geht nicht mit den ganz harten Themen, aber auch nicht nur mit den soften. Verlässt jemand morgens gut gelaunt und bestens informiert das Haus, haben wir unseren Job gut gemacht.
Gibt es auch Themenbereiche, wo du froh bist, dass Alex ein gesteigertes Interesse daran hat, weil du damit überhaupt nichts oder nur sehr wenig verknüpfen kannst?
Das Fußballthema ist ganz klar bei Alex daheim. Ich kenne mich überhaupt nicht aus. Wenn du mich fragst, wer heuer die WM gewonnen hat, würde ich Spanien sagen.
Das stimmt. Wohl doch Fußballexpertin?
Okay, gut geraten. (lacht) Ich finde es aber allgemein gut, wenn die Stärken unterschiedlich gelagert sind. Alex ist zum Beispiel auch ein Riesenfan der Marvel-Verfilmungen. Ich habe noch keinen einzigen gesehen und verstehe nicht, warum das so vielen Leuten gefällt. Alex aber könnte jetzt genau und penibel erklären, warum der Erfolg so hoch ist und so viele Menschen Zugang dazu finden. Doch egal was passiert, wir werden die Sendung gut machen. Ich bringe genug Erfahrung mit und bin da sehr entspannt. Ich finde es auch sehr spannend, wenn während der Sendung was Aktuelles passiert und wir darauf reagieren müssen. Ich glaube, wir werden das zu zweit schon relativ gut hinkriegen.
Wie wichtig ist denn die Chemie zwischen zwei Menschen. Welchen Anteil hat so eine gute Chemie am Erfolg einer Sendung?
Es gibt ein englisches Buch namens „Top Of The Morning“, das vor etwa 15 Jahren verfasst wurde. Da geht es mit „Good Morning America“ und die „Today Show“ um die zwei größten Morningshows in den USA. Sie werden miteinander verglichen und analysiert und eine der Grundaussagen ist „it’s all about the chemistry“. Die Leute da draußen können oft nicht sagen, warum sie ein Moderationspaar so gut finden, aber sie können es spüren. Das kann man auch nicht trainieren oder vorspielen. Die Chemie ist da oder nicht. Und das spüren die Menschen.
Warst du selbst involviert in die Entscheidung, dass Alex dein Partner bei „Café Puls“ wird?
Es gab Überlegungen und auch andere Namen, die intern oder extern gefallen sind, aber es war schnell klar, dass es Alex werden würde. Wir kennen uns schon lange und er hat extrem viel On-Air-Erfahrung gesammelt und passt perfekt in diese Welt. Er war sogar eine Zeit lang in der Aufnahmeleitung und hat mir aufs Ohr gesagt, was als Nächstes kommt. Dass er die Sendung so gut kennt, ist angenehm.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und hasst Veränderungen erst einmal. Ihr könnt wahrscheinlich damit rechnen, dass anfangs auch viel negatives Feedback einprasselt, einfach deshalb, weil die Dinge anders sind als sie davor waren. Bist du darauf vorbereitet?
Diese Stimmen gab und gibt es immer und in Zeiten von Social Media noch viel mehr. Ich habe wirklich schon alles gehört und gelesen und bin vieles gewohnt. Es ist aber egal, denn die Leute gewöhnen sich daran. Das ist wie ein Haus, das eine neue Farbe hat. Alle sind erschrocken, aber beim zehnten Mal vorbeigehen sieht man es gar nicht mehr. Die Leute werden irgendwann nicht mehr vergleichen zwischen Bibi und Flo oder Bibi und Alex. Auch deshalb waren die zwei Monate Pause für mich wichtig. Man wird nicht sofort gleich verglichen, es verstreicht etwas Zeit. Wir wollen den Zuschauern eine Kontinuität liefern. Wir moderieren immer zusammen und gestalten auch unsere Urlaube so, dass es nicht zu viele Wechsel gibt.
Alex lebt überhaupt nur im Frühstücksbereich, seine Frau Anna Kratki macht den Ö3-Wecker. Wie hart ist dieses Leben und bist du sehr diszipliniert, was das Schlafengehen anbelangt?
Mir haben alle gesagt, ich sähe so entspannt aus, aber ich war auch zwei Monate auf Urlaub und hatte kein Schlafdefizit. Diese Zeiten unterschätzt man aber, sie machen den Job irrsinnig anstrengend. Es ist etwas anderes, ob man das eine Woche, einen Monat, gar ein Jahr oder 18 Jahre lang macht. Ich will aber auch mein Kind ins Bett bringen, ein paar Worte mit meinem Partner wechseln oder die Wäsche waschen können. Das größte Manko ist natürlich der Schlafmangel und dass man abends de facto nie verfügbar ist. Die Belastbarkeit wird eine andere.
Alex hat jedenfalls zwei Partnerinnen, die ihm diese Tatsache jetzt praxisnah näherbringen können.
Das stimmt. Am Anfang hast du aber sowieso so viel Feuer und Adrenalin, das alles klappen wird.
Wie wird sich die erste gemeinsame Sendung morgen gestalten? Habt ihr euch einen Plan zurechtgelegt?
Wir werden wohl noch heute, Sonntagabend, telefonieren und grob ausreden, wer was sagt und macht, aber dann wird sich der Rest schnell eingrooven. Wir haben nichts Spezielles geplant, es wird von Anfang an Bibi und Alex sein. Die Leute wissen schon am Montag, wo es ab sofort hingeht.
Was schätzt du denn besonders an Alex und was vielleicht weniger?
Er ist sehr locker und man kann mit ihm wirklich über alles reden. Es gibt nicht viele Befindlichkeiten und es wird nicht großartig lang über etwas diskutiert. Ich schätze aufrichtig an ihm, dass man mit ihm so viel lachen kann. Etwas Nerviges hätte ich noch nicht entdeckt, aber das permanente Lustig sein könnte vielleicht anstrengend werden. Das kann ich dir aber nach einem halben Jahr genauer beantworten. (lacht)
Ist diese Partnerschaft aber nicht temporär? Flo Danner ist nur mal für ein knappes Jahr in den USA und nicht für immer …
Ich bin auf alles eingestellt und weiß das auch nicht. Sein Flug zurück ist in zehn Monaten, dann ist sein Fellowship vorbei und ob er wiederkommt oder nicht, weiß er wohl selbst nicht so genau. Die Türen stehen ihm wohl offen, wenn er möchte, aber ob er dann genau dorthin zurückmöchte, ist auch offen. Ich werde jetzt ein tolles Jahr mit Alex haben und dann werden wir sehen, ob es eine Verlängerung gibt, oder ob es eine kurze Beziehung war und es mit dem alten weitergeht.
Gibt es für „Café Puls“ auch ein Worst-Case-Szenario für dich? Etwas, wo du sagst, das darf nicht passieren?
Nein, aber die ganzen Vorbereitungen und Rituale sind weg oder ändern sich. Flo und ich sind oft zur gleichen Zeit in der Garage eingefahren und haben dann beim Schminken vor der Sendung noch über alles geredet. Eine Umstellung wird sicher sein, dass die Vorbereitung ganz anders ausfallen wird, als es bis jetzt der Fall war. Ansonsten ist viel vorgegeben. Das Studio, das Setting, die Regie, die Beiträge - das wird alles einwandfrei funktionieren.
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