„Krone“-Ombudsfrau

Pflege: „Das System ist menschenunwürdig!“

Ombudsfrau
08.09.2026 18:00
Porträt von Ombudsfrau
Von Ombudsfrau

Dagmar F. aus Innsbruck braucht dringend eine Pflegekraft, die in der Früh die Morgenhygiene bei ihrem bettlägrigen, behinderten Bruder übernimmt. Jemanden zu finden, scheint aussichtslos zu. Außer – die Kosten werden aus der eigenen Tasche bezahlt.  

Die 52-jährige Tirolerin stemmt einen Alltag, den sich andere kaum vorstellen können. Sie kümmert sich um ihre beiden erwachsenen, behinderten Brüder, die mit ihr im gemeinsamen Haushalt leben. Einer der beiden, er ist 45 Jahre alt, benötigt besonders viel Pflege, denn er ist inkontinent.

Bisheriger Verein „ging in Pension“
Bis vor Kurzem kam daher morgens für eine Stunde eine Pflegekraft, um das Duschen und die anschließende Versorgung zu übernehmen. Das geht jetzt nicht mehr. Denn der bisher engagierte Verein wurde nach der Pensionierung des Obmanns geschlossen.

„Kein anderer Anbieter in Innsbruck kann mir zusagen, dass vor acht Uhr in der Früh jemand kommt, um die Morgenhygiene zu übernehmen“, ist Frau F. verzweifelt. Das sei notwendig, weil am Vormittag meistens Termine wie Physiotherapie oder Arztbesuche anstehen.

„Den restlichen Tag kümmere ich mich dann um das Trockenlegen und die Hygiene, aber in der Früh geht sich das einfach nicht aus“, erzählt die Tirolerin. Sie müsse schließlich auch noch ihren zweiten Bruder versorgen, der tagsüber in einer Behindertenwerkstatt arbeite.

„Unsere Mutter ist Anfang August gestorben. Ich habe ihr versprochen, dass keiner meiner Brüder ins Heim kommt. Jetzt schaut es so aus, als würde mein Bruder unter menschenunwürdigen Zuständen ausharren müssen, bis eine Pflegekraft irgendwann im Laufe des Tages vorbeikommt.“

Könnte Frau F. die Kosten für die Pflege aus eigener Tasche bezahlen, könnte sie sich die Termine aussuchen. Doch sie ist auf die Unterstützung eines geförderten Vereins und damit einen günstigeren Tarif angewiesen. Und bei keinem dieser geförderten Vereine könne man ihr eine bestimmte Uhrzeit zusagen.

Keine Zusage für fixe Zeiten möglich
Das wurde auf Anfrage auch der Ombudsfrau bestätigt. In der mobilen Pflege und Betreuung sei es nicht möglich, genaue Einsatzzeiten zu garantieren. Jeden Tag könnte sich die Situation und der Zustand der zu betreuenden Menschen verändern, wodurch sich geplante Einsatzdauern und -zeiten rasch verschieben können, hieß es von einem Anbieter.

Insbesondere die Betreuungspläne in den Morgenstunden seien bereits mit Klienten gefüllt. Diese benötigen Leistungen, die von der Morgentoilette über Diabetes-Management und Medikamentengabe bis hin zum Bandagieren reichen. Ein zeitliches Verschieben auf eine spätere Tageszeit sei bei diesen Tätigkeiten schlicht nicht möglich, so ein weiterer Anbieter. Man könne keinem neuen Klienten den Vorzug geben.

Alles einleuchtende Erklärungen. Doch warum funktioniert es für jene, die die Kosten aus der eigenen Tasche bezahlen?

„Während man als pflegende Angehörige völlig ausbrennt und Trauerarbeit leisten muss, wird man von offizieller Seite völlig im Stich gelassen“, ist Frau F. enttäuscht. Aufgeben will sie dennoch nicht.

„Ich habe unserer Mutter, die Anfang August gestorben ist, versprochen, dass keiner meiner Brüder ins Heim kommt.“ Ohne Unterstützung wird dieses Versprechen allerdings nur schwer einzuhalten sein.

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