Bauern schlagen Alarm

Kampf ums Wasser im Seewinkel

Burgenland
06.09.2026 06:00

Obwohl viele Kulturen im Seewinkel kaum noch ohne Bewässerung auskommen, könnten ab 2027 die erlaubten Entnahmemengen von Grundwasser sinken. Schon jetzt sind die Wasserstände in fünf von 27 überwachten Teilregionen so niedrig, dass die erste Warnphase gilt.

Die Trockenheit setzt den Bauern im Seewinkel bereits massiv zu. Die Region zählt zu den wichtigsten Gemüse-, Weinbau- und Getreideregionen Österreichs. Soja, Mais, Erdäpfel und Gemüse kommen ohne Bewässerung kaum noch aus. Ausgerechnet in dieser Lage wird neu berechnet, wie viel Grundwasser künftig entnommen werden darf. Besonders die Bauern in Pamhagen sind in Alarmbereitschaft. Die wasserrechtliche Bewilligung ihrer Wassergenossenschaft läuft am 31. Mai 2027 aus.

Neue Berechnung alarmiert die Bauern
Laut Landwirten soll die Entnahmemenge mit der neuerlichen Genehmigung sinken. Dass die Rechnung für die Landwirtschaft schlechter ausfallen dürfte, bestätigt der Obmann der Interessensgemeinschaft Bewässerung Werner Falb-Meixner: „Es gibt eine neue Bewertung der Konsensmengen und es ist schon bekannt, dass die nicht zugunsten der Bauern ausgehen wird.“ Die sogenannte Konsensmenge legt fest, wie viel Grundwasser jährlich entnommen werden darf.

Für Falb-Meixner beginnt damit eine Gratwanderung: „Es muss noch so viel genehmigt werden, dass die Bauern leben können und gleichzeitig die Umwelt profitiert. Wir werden sehen, wohin das Pendel ausschlägt.“

Das Land hält sich mit Informationen zurück
Um wie viel die erlaubte Menge sinken könnte, wollte das Land Burgenland auf Nachfrage der „Krone“ keine Angabe machen. In einer schriftlichen Stellungnahme hieß es lediglich, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle und das sämtliche Wassergenossenschaften im Bezirk Neusiedl am See aktuell pro Jahr rund 21 Millionen Kubikmeter Grundwasser für die Bewässerung heranziehen dürfen. Offen bleibt daher auch, ob weitere Wassergenossenschaften im Seewinkel mit Einschränkungen rechnen müssen.

Grundwasser: Lage spitzt sich zu
Unabhängig von künftigen Bewilligungen spitzt sich die Lage bereits zu. Noch im Juni befanden sich Bereiche im grünen Bereich, Einschränkungen gab es keine. Mittlerweile haben fünf von 27 Teilregionen die erste Warnphase erreicht. Bleibt der Regen aus und sinkt das Grundwasser weiter, drohen zusätzliche Einschränkungen bei der Bewässerung.

Zitat Icon

Es ist jetzt eine Gratwanderung, ob noch so viel genehmigt wird, dass die Bauern leben können und gleichzeitig die Umwelt profitiert.

Werner Falb-Meixner, Landwirtschaftskammer-Vizepräsident und Obmann der IG Bewässerung

Hoffnung setzt Falb-Meixner daher auf die geplanten Maßnahmen bei Apetlon. Wehranlagen sollen Wasser länger in der Region halten und den Grundwasserspiegel anheben. Das soll in erster Linie den Salzlacken helfen. Weil die Bauern ihre Felder aus demselben Grundwasserkörper bewässern, könnten aber auch sie von höheren Wasserständen profitieren. Ein Schutzwall und Pumpen sollen ermöglichen, dass das Grundwasser außerhalb des Ortes steigt, ohne die Keller in Apetlon zu gefährden. Über die konkrete Umsetzung ist noch nicht entschieden. Falb-Meixner drängt auf eine rasche Lösung: „Wenn das nicht zustande kommt, dann stehen wir an.“ 

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