Sie standen einst auf jedem Frühstückstisch und wären fast „zerbrochen“. In Wilhelmsburg sorgt ein Porzellan-Pionier dafür, dass die berühmte Daisy und ihre Geschwister aufleben.
„Alles ist möglich – wenn man will!“ Es ist ein Credo, das im Leben von Manfred Schönleitner weit mehr als nur ein Spruch ist. Denn während in vielen Küchenschränken noch heute die legendären alten Daisy-Tassen schlummern, schien das Schicksal des berühmten Lilienporzellans längst besiegelt. 1997 war die Produktion eingestellt worden. Für die traditionsreiche „G’schirrfabrik“ ein bitteres Ende.
Öfen standen still, Vision wuchs
„Das wollte ich nie hinnehmen“, sagt Schönleitner. Er kannte das Werk schon aus jungen Jahren. Aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie, kam er als Lehrling erstmals mit der Österreichische Sanitär-Keramik und Porzellan-Industrie AG (ÖSPAG) in Berührung. Als die Öfen stillstanden, wuchs seine Vision: Die berührende Tradition selbst sollte zurückkehren.
Geschirrmuseum am Werksareal
Auf historischem Boden entstand zunächst sein Geschirrmuseum mit Archiv und Schaudepot. Schönleitner erwarb Teile des ursprünglichen Werksareals und machte es zu einem Ort, an dem die Geschichte des Geschirrs nicht hinter Glas erstarren sollte. Die Historie reicht weit zurück. Denn bereits 1775 wurde in der „Winckhlmühle“ die Produktion von englischem Steingut erwähnt. Aus diesem wuchs Ende des 19. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Betriebe der Monarchie. Später kam das Porzellan dazu – und ab den 1950er-Jahren eroberte Lilienporzellan mit seinen unverwechselbaren Dekoren die Haushalte.
„Daisyworld“ in Wilhelmsburg
Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Produktion gelang Schönleitner das, woran viele wohl nicht mehr geglaubt hatten: 2024 wurde wieder Porzellan in Wilhelmsburg „gebrannt“. Denn der einstige Lehrling hat das zerbrechliche Erbe seiner Heimat mit viel Beharrlichkeit wieder zusammengesetzt. Heute trägt das historische Areal den Namen „Daisyworld“ und erzählt hier die berührende Geschichte des Wilhelmsburger Geschirrs.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.