Fokus auf Prävention

Leichtes Minus bei Suiziden in Vorarlberg

Vorarlberg
03.09.2026 14:30
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Der aktuelle aks-Suizidbericht 2025 zeigt erstmals seit mehreren Jahren wieder eine leicht rückläufige Tendenz im Ländle. Dennoch warnen Fachleute vor voreiliger Entwarnung. Das Hauptaugenmerk der Präventionsarbeit gilt derzeit der mentalen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Im Jahr 2025 wurden im Ländle 60 Suizide registriert, das sind vier Fälle weniger als im Vorjahr. Der jüngste Suizidbericht des aks liefert damit zwar positive Signale, der Psychologe Albert Lingg mahnt jedoch weiterhin zur Wachsamkeit. Die schwindende Tabuisierung mentaler Krisen zeige Wirkung. „Betroffene sind durch die Enttabuisierung in ihrer Verzweiflung nicht mehr so häufig allein gelassen und mehr Mitmenschen über Warnsignale aufgeklärt“, meint er. Gleichzeitig blickt der ehemalige Primararzt mit Sorge auf rechtliche Änderungen: Die Freigabe der Beihilfe zum Suizid in Österreich dürfe zu keinem Dammbruch wie in anderen Ländern führen, da dies die Suizidprophylaxe insgesamt noch schwerer mache.

Schwankende Zahlen bei den Jungen
Besonders im Mittelpunkt des diesjährigen Berichts steht die Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Obwohl Suizide in diesen Altersgruppen vergleichsweise selten sind, schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr teils erheblich. Langfristige Auswertungen machen deutlich, dass innerhalb der jungen Bevölkerung vor allem die Gruppe der 18- bis 21-Jährigen betroffen ist. Zudem zeigt sich ein deutliches Geschlechterungleichgewicht: Rund drei Viertel der Suizide bei den Unter-20-Jährigen betrafen männliche Jugendliche. Bei etwa der Hälfte aller Fälle war zuvor bereits eine psychische Erkrankung bekannt.

Susanne Bauer, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapeutische Medizin und Autorin des Schwerpunktkapitels, betont, wie wichtig Präventionsarbeit ist. „Je früher Belastungen erkannt werden und Unterstützung angeboten wird, desto besser können junge Menschen in Krisen erreicht werden.“ 

Belastungen verschiedener Art
Die Ursachen für Suizidalität im Jugendalter sind vielschichtig. Es gibt selten einen einzelnen Auslöser, sondern meist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Belastungsfaktoren. Neben bestehenden psychischen Erkrankungen spielen Mobbing, soziale Isolation und familiäre Konflikte ebenso eine Rolle wie fehlende Strategien zur Problembewältigung oder traumatische Erlebnisse. Auch die entwicklungsbedingte Impulsivität von Jugendlichen, gesellschaftliche Krisen sowie der Konsum sozialer Medien können das Belastungsempfinden verstärken.

Präventionsangebote

  • Die Supro Vorarlberg informiert mit bittelebe.at über Suizidprävention und Hilfsmöglichkeiten.
  • pro mente Jugend bietet in Dornbirn und Nenzing Beratungen für Jugendliche in psychischen Krisen.
  • Bei akuter Suizidalität steht die Kinder- und Jugendpsychiatrische Ambulanz des LKH Rankweil für fachärztliche Abklärung und erste Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung.

Warnsignale rechtzeitig erkennen
Obwohl das Thema mentale Gesundheit bei Jugendlichen heute einen sehr hohen Stellenwert genießt, gelingt es nach wie vor nicht, alle gefährdeten Personen rechtzeitig zu erreichen. Die Experten betonen daher, wie entscheidend das frühe Erkennen von Warnsignalen im Umfeld ist. Anhaltende Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug, Leistungsabfall in der Schule oder Ausbildung, Schlaf- und Essstörungen sowie selbstverletzendes Verhalten sind deutliche Alarmsignale. Wenn Jugendliche direkte Äußerungen tätigen, nicht mehr leben zu wollen, muss dies stets ernst genommen werden.

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