Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist in Niederösterreich bereits mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Immer mehr Berufsgruppen sind vom Jobverlust betroffen. Die Parteien suchen die Schuld bei den anderen – und in Wien.
Wer derzeit in Niederösterreich einen Job sucht, hat es schwer. Die Zahl der offenen Stellen ist gegenüber dem Vorjahr um 11,5 Prozent gesunken, jene der verlorenen Arbeitsplätze indes gestiegen. Die Folge: 47.682 Personen sind beim AMS als arbeitslos vorgemerkt – um 6,8 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Österreichweit betrug das Plus der Arbeitslosen übrigens nur 3,3 Prozent.
Nicht nur Industrie schwächelt
Was auffällt. Nicht nur die Produktion in Industriebetrieben schwächelt seit Längerem, hier gab es um 8,6 Prozent mehr Jobverluste als im August 2025. Auch immer mehr Bürojobs werden gestrichen. So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Bereich wissenschaftlicher Dienstleistungen binnen zwölf Monaten um 12,3, in der öffentlichen Verwaltung um 8,7 Prozent. Vor allem Ältere haben zunehmend Probleme am NÖ-Arbeitsmarkt – die Zunahme der Arbeitslosigkeit in der Generation 50+ betrug im August satte 9,9 Prozent.
Kritik an Landeskoalition
Die SPÖ hat die Schuldigen für diese Entwicklung rasch ausgemacht: „Die Arbeitslosigkeit steigt, und die Landeskoalition schaut zu“, wettert Parteichef Sven Hergovich gegen ÖVP und FPÖ. Er verweist auf das mittlerweile eingestellt Arbeitsmarktprojekt Marienthal während seiner Zeit als AMS-Chef: „Das hat damals gezeigt, dass eine Job-Garantie funktioniert.“
„Wer Jobs schaffen und Betriebe entlasten will, muss endlich die Bürokratie abbauen“, scheibt Indra Collini der Landeskoaliton ins Stammbuch. Und die Neos-Landessprecherin kommt zu dem Schluss: „Genau da versagen aber ÖVP und FPÖ bisher.“
Die Landeskoalition muss endlich ihre Hausaufgaben machen und Arbeitsplätze in Niederösterreich schaffen.

Sven Hergovich, SPÖ
Bild: WERNER JAEGER
Auch der grüne Wirtschaftssprecher Georg Ecker sieht „Schwarz-Blau in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik gescheitert“. Das sei kein Wunder, da man nur „auf alte, fossileTechnologien satt auf Zukunftschancen“ setze.
Schwarz-Blau kontert
Die ÖVP kontert postwendend: „Klar ist, Arbeitsplätze werden nicht von der Politik, sondern von Unternehmen geschaffen“, sagt Arbeitsmarktsprecher René Lobner. Heuer habe die Wirtschaftsagentur des Landes bereits 32 Betriebsansiedlung abgewickelt und 950 Jobs abgesichert. Aufgrund der vielen Pendler treffe die hohe Arbeitslosigkeit in Wien auch Niederösterreich direkt, schiebt Lobner Verantwortung ab.
Die großen Hebel für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung liegen letztlich im Bund und bei der EU.

René Lobner, ÖVP
Bild: zvG
Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) diagnostiziert, dass die Ankurbelung von Konjunktur und Wettbewerbsfähigkeit nötig wäre. Sie nimmt die „unfähige Bundesregierung, die nur mit sich selbst beschäftigt ist“ ins Visier: „Diese fährt die Wirtschaft an die Wand und das kostet Arbeitsplätze.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.