Der spektakuläre Diamanten-Raub im MAK wirft Fragen zur Sicherheit in Österreichs Museen auf. Die „Krone“ hat bei den wichtigsten Wiener Instituten nachgefragt. Und verrät, wie viele Kulturgutdiebstähle aufgeklärt werden ...
Alles passierte binnen weniger Minuten: Vergangenen Donnerstag sorgten zwei Profi-Räuber im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) für Chaos. Das international gesuchte Duo hat den späteren Tatort als reguläre Besucher betreten. Mit im Gepäck: Hammer und Pistole. In der Ausstellung „Glanzstücke“ angekommen, ging dann alles blitzschnell.
Angesichts der Vorfälle in Museen in den vergangenen Jahren haben wir das zum Anlass genommen, unsere eigenen Sicherheitsvorkehrungen genauer zu prüfen.
MAK-Direktorin Lilli Hollein nach (!) dem Coup
Im Visier der Täter war – wie ausführlich berichtet – ein mit 600 Diamanten bestücktes Collier. 40 Mal schlug einer der Männer mit dem mitgebrachten Spezialhammer gegen das Panzerglas, während sein Komplize mit gezückter Pistole Ausschau hielt. Mit dem Schmuckstück in der Hand flüchteten die Täter – und tauchten erfolgreich unter. Für die Polizei ist klar: „Das ist der größte und spektakulärste Kunstdiebstahl seit dem Saliera-Fall 2003“, so Anita Gach, Leiterin der Kulturgutfahndung im Bundeskriminalamt.
Sammlungen auf „höchstem Sicherheitsniveau“
Nach dem Coup musste sich das MAK jedenfalls unangenehmen Fragen rund um die Sicherheit gefallen lassen. Die Maßnahmen wurden daraufhin verschärft. Obwohl in Österreichs Bundesmuseen laut Theresia Niedermüller vom Kulturministerium „höchstes Sicherheitsniveau“ herrschen, hatten die Täter leichtes Spiel. MAK-Besucher müssen nun durch eine Art Flughafenkontrolle samt Schleuse und Scanner.
Doch wie sicher sind die anderen großen Kunstschätze des Landes? Das Belvedere „verfügt über umfassende Sicherheitskonzepte, die laufend überprüft und weiterentwickelt werden“, hieß es auf „Krone“-Anfrage. Auch aktuelle Fälle in anderen Museen werden „sorgfältig analysiert“, um das Konzept gegebenenfalls anzupassen. In anderen Museen hüllt man sich lieber in Schweigen.
In Österreich trudelt derzeit jeden dritten Tag ein Fall für die Kulturgutfahndung ein. Pro Jahr gibt es so etwa 105 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt übrigens bei rund 20 Prozent. „Oft vergehen zwischen Diebstahl und Rückgabe Jahre“, so Gach.
Die Ermittlungen im Fall des MAK-Raubes laufen jedenfalls auf Hochtouren. Unter anderem werden Auktionshäuser, Kunstportale und Interpol bzw. Europol Datenbanken nach dem Collier durchforstet. Ob dieses „Glanzstück“ jemals wieder auftaucht, bleibt offen. Die Sorge: Das gute Stück könnte in seine Einzelteile zerlegt, die Steine am Schwarzmarkt verscherbelt werden.
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