Nach dem millionenschweren bewaffneten Juwelenraub im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) bekommen Besucher erste Konsequenzen zu spüren. Die Sicherheitsvorkehrungen sind verschärft worden ...
Wie der „Kurier“ am Samstag berichtete, müssen Besucherinnen und Besucher durch einen Körperscanner gehen, um Zugang zur Ausstellung „Glanzstücke“ zu erhalten. Taschen und Rucksäcke sollen an der Garderobe abgegeben werden. Die Zeitung berichtete auch von zehn Sicherheitsmitarbeitern vor Ort sowie erweiterter Videoüberwachung.
Das MAK hatte am Freitag offen gelassen, welche Sicherheitsvorkehrungen nach dem Coup getroffen wurden. „Die Bedingungen für die Wiedereröffnung wurden in enger Abstimmung mit der Polizei geprüft. Der sichere Ausstellungsbetrieb ist gewährleistet“, hatte es lediglich geheißen.
Tat ging blitzartig über die Bühne
Die beiden – mit einer mutmaßlich echten Faustfeuerwaffe sowie einem Hammer ausgestatteten – Männer waren am Donnerstag gegen 14 Uhr als Besucher in das Museum gekommen.
Der mit der Pistole bewaffnete Verdächtige trug laut Polizei seine Waffe offen, um sich den Weg freizumachen. Sein Komplize schlug mit einem Hammer die Scheiben der Vitrine mit dem Diamantencollier ein. Dann flüchtete das Duo in Richtung des Stadtparks. Wie die Flucht über die Bühne ging, sei noch nicht klar, sagte Polizeisprecher Philipp Haßlinger.
Wie die „Krone“ bereits rekonstruierte, dürfte es sich bei der Tat jedenfalls um einen echten Blitzcoup handeln. „Vom Betreten des Museums bis zur Flucht vergingen nur wenige Minuten“, betonte auch Haßlinger.
Die internationale Lichtbildfahndung nach den Männern läuft. „Ihre Fotos werden selbstverständlich an andere Polizeibehörden verschickt und mit Datenbanken abgeglichen“, erklärte der Sprecher. Zu weiteren Details des Ermittlungsstandes wollte sich Haßlinger nicht äußern. „Alles ist im Laufen“, betonte er lediglich.
Die Sicherung der Spuren und Bilder aus den Überwachungskameras war am Freitag noch in Gang gewesen. Auch Aufnahmen von Kameras in der Umgebung – an Straßenzügen oder U-Bahn-Stationen – stehen im Fokus der Ermittler des Landeskriminalamts. Zeugen werden ebenfalls befragt.
Männer raubten weltberühmtes Collier
Bei der Beute handelt es sich um das weltberühmte Diamantencollier der Königin Nazli von Ägypten, das 1939 vom Pariser Luxusjuwelier Van Cleef & Arpels im Art-déco-Stil gefertigt wurde. Die Polizei äußert sich nicht zum Wert des Schmuckstücks. Laut Datenbank des Auktionshauses Sotheby‘s erzielte das Collier vor zehn Jahren bei einer Versteigerung in New York einen Wert von 4,3 Millionen Dollar (rund 3,7 Millionen Euro).
Das Collier ist mit mehr als 600 runden Diamanten sowie Diamanten im Baguetteschliff besetzt, die in einem strahlenförmigen Motiv angeordnet sind. Die Königin gab dieses Collier sowie eine dazu passende Tiara für die Hochzeit ihrer Tochter Fawzia mit dem iranischen Kronprinzen und späteren Schah Mohammad Reza Pahlavi in Auftrag.
Das Collier war im Rahmen der Ausstellung „Glanzstücke“ gezeigt worden. Gezeigt werden dort seit Juni rund 500 Exponate, mehr als 300 von Van Cleef & Arpels und über 200 aus der Sammlung des MAK.
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