Wiens Bürgermeister

Ludwig über Ruck, Nevrivy und roten Sommer-Wirbel

Wien
01.09.2026 12:47

Turbulente Wochen für die Wiener SPÖ: Beim Start der Weinlese am Schwarzenbergplatz nimmt Bürgermeister Michael Ludwig im „Krone“-Gespräch zu Walter Ruck, Ernst Nevrivy und parteiinternem Ärger Stellung. Beim Gemeindebau zieht er eine klare Grenze – und beim Kopftuchverbot verweist er auf die Gerichte.

Der politische Sommer hatte für die Wiener Sozialdemokratie einiges zu bieten. Einer, der dabei besonders in den Fokus rückte, war WKW-Präsident Walter Ruck. Ob er es der Bürgermeister heute bereue, Ruck so lange die Treue gehalten zu haben? Das wollte die „Krone“ wissen. Ludwig weicht einer persönlichen Bewertung aus. Ruck habe selbst entschieden, ob und wie lange er seine Funktion ausüben wolle. Einen früheren Rücktritt habe er ihm nicht nahegelegt.

Nevrivy: Ludwig hält dem Bezirkschef die Treue
Auch Donaustadts Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy sorgte im Sommer für Debatten. Dessen Aussagen zum Gemeindebau habe Ludwig mit ihm besprochen. Nevrivy habe sich dafür auch öffentlich entschuldigt.
Und Nevrivy selbst? Skandale rund um Wienwert und Kleingärten hört man immer wieder – Ludwig winkt ab: „Er ist bei all diesen Dingen freigesprochen worden, beziehungsweise die Anklagen sind zurückgenommen worden. Von daher sehe ich keine Skandale in diesem Zusammenhang.“

Ob Nevrivy bei der nächsten Wahl noch einmal als Spitzenkandidat antritt, lässt der Stadtchef offen. Das werde „nicht zuletzt auch er selbst entscheiden“. Auch Rücktrittsforderungen aus der SPÖ Floridsdorf wischt Ludwig vom Tisch: Er habe mit der genannten Person gesprochen, die Sache sei offenbar falsch interpretiert worden.

Beim Gemeindebau zieht Ludwig eine klare Grenze
Beim kommunalen Wohnbau will Ludwig hingegen keinen Zweifel an der Linie der Wiener SPÖ aufkommen lassen. Und er wird deutlich: Die Sozialdemokratie stehe für den Gemeindebau, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Einen Verkauf von Gemeindewohnungen, wie er andernorts erfolgt ist, schließt der Bürgermeister kategorisch aus: „Nein, das kommt nicht infrage.“ Noch deutlicher wird Ludwig mit Blick auf seine eigene Amtszeit: „Solange ich Bürgermeister bin, wird es das nicht geben.“ Und er erinnert daran, dass er 2030 noch einmal kandidieren will. Damit, so Ludwig, werde das noch „eine sehr, sehr lange Zeit“ so bleiben.

Kopftuch: „Werden Gericht und nicht Demonstrationen entscheiden“
Beim Kopftuchverbot kommt Kritik auch aus roten Jugendorganisationen. Ludwig verweist in der Debatte vor allem auf die rechtliche Ebene. Entscheidend sei für ihn, ob das Gesetz vor den Höchstgerichten Bestand haben werde. Schon einmal sei eine entsprechende Regelung aufgehoben worden. Seine Botschaft an die Kritiker fällt knapp aus: „Das werden die höchsten Gerichte entscheiden und nicht Demonstrationen.“

SPÖ-Frauen: Ludwig sieht keinen offenen Konflikt
Bleibt das Verhältnis zu den SPÖ-Frauen. Nach einem Brief hatte es Gesprächsbedarf gegeben. Von einem Zerwürfnis will Ludwig dennoch nichts wissen. Ob nun wieder alles passe? „Hat immer alles gepasst“, sagt der Bürgermeister. Gespräche habe es trotzdem gegeben. Er habe all jene eingeladen, die mit ihm darüber reden wollten. Die Aussprache bezeichnet Ludwig als „sehr angenehm und interessant“.

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