Kein Ende in Sicht

Brutale Bomben-Serie auf Kiew setzt sich fort

Außenpolitik
01.09.2026 10:59
Porträt von krone.at
Von krone.at

Russland hat das Bombardement der ukrainischen Hauptstadt gnadenlos fortgesetzt. Kiew setzt die blutige Serie schwer zu, wieder sind mindestens zwölf Menschen aus dem Leben gerissen worden. Eine Besserung und Nachschub scheinen nicht in Sicht ...

Bei jüngsten Angriffen Russlands auf Kiew und Umgebung sind nach Behördenangaben mindestens zwölf Menschen getötet worden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von „Dutzenden Verletzten“. 

Auch Kinder seien unter den Verwundeten. Bahnchef Oleksandr Perzowskyj erklärte, eine Rakete habe ein Depot und weitere Bahnanlagen in Kiew getroffen.

In der Stadt Boryspil in der Region Kiew starb den Behörden zufolge vier Menschen. Raketen und Drohnen hätten dort ein Wohnhaus und ein Geschäftsgebäude beschädigt. „Russland plant seine Angriffe stets gezielt so, dass sie das Leben der Menschen so stark wie möglich zerstören, und dies gelingt ihnen nur dann, wenn die Luftabwehrkapazitäten unzureichend sind“, teilte Selenskyj mit.

Auch die Hafeninfrastruktur in der südukrainischen Schwarzmeer-Region Odessa ist nach Behördenangaben Ziel eines russischen Angriffs geworden. Der massive Schlag habe auch der Energieinfrastruktur gegolten, teilt der ukrainische Rettungsdienst auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zudem sei durch den Beschuss ein Feuer in einem Wohnhaus ausgebrochen, bei dem ein Mensch verletzt worden sei.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die russischen Streitkräfte hätten einen „massiven Angriff“ mit Waffen mit großer Reichweite und Drohnen ausgeführt. Der Angriff habe sich gegen militärisch-industrielle Einrichtungen sowie Kraftstoff- und Energieanlagen in Kiew und der umliegenden Region gerichtet. Das Ministerium bestätigte zudem, es habe Infrastruktur in der Region Odessa sowie die Häfen von Odessa und Tschornomorsk getroffen.

Die ukrainische Luftwaffe hatte in der Nacht auf Dienstag bei Telegram mitgeteilt, dass sich „mehrere Ziele“ auf die Hauptstadt zubewegten. Kurz darauf sahen AFP-Journalisten in Kiew mehrere Lichtblitze und hörten laute Explosionen. Die ukrainische Luftwaffe hatte davor gewarnt, dass die Gefahr durch „ballistische Waffen und andere Angriffsmittel gegen Kiew und die Region weiterhin besteht“. Die Einwohner wurden aufgefordert, in Schutzräumen zu bleiben.

Bald beginnt wieder die Schule
In der Ukraine beginnt am Dienstag das neue Schuljahr. Zwar wollen die Behörden in Kiew angesichts zunehmender Drohnenangriffe aus Russland ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Die Militärverwaltung der Region ordnete jedoch an, dass in Gebieten mit hohem Risiko keine Großveranstaltungen stattfinden dürfen.

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, hatte am Montag auf Telegram erklärt, er habe Behördenvertreter in Kiew zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss.

Kiew immer häufiger schutzlos
Die russische Armee hat ihre Angriffe auf die Ukraine zuletzt stark ausgeweitet. Regelmäßig fliegen Schwärme von Kampfdrohnen auf die Hauptstadtregion zu. Durch die wiederkehrenden Alarme kommen der Verkehr und das Wirtschaftsleben teilweise zum Erliegen, weil Geschäfte geschlossen werden und die U-Bahn den Verkehr über die Dnipro-Brücken einstellt, was regelmäßig zu einem Verkehrschaos führt.

Hunderte Einsatzkräfte seien rundum die Uhr im Einsatz.
Hunderte Einsatzkräfte seien rundum die Uhr im Einsatz.(Bild: AFP/TETIANA DZHAFAROVA)

Die Kiewer Stadtverwaltung kündigte zudem an, bei Schulkindern stärker auf Online-Unterricht setzen zu wollen. Der Luftverteidigung gelingt es immer seltener die Flugobjekte aus Russland in großer Zahl abzufangen. Moskau setzt vermehrt auf neue Drohnentypen, die sich mit bis zu 600 Kilometern pro Stunde fortbewegen und schwer vom Himmel zu holen sind. Bei ballistischen Raketen hat die Ukraine ohnehin kaum Chancen.

Die überlebensnotwendigen Patriot-Abwehrraketen neigen sich dem Ende zu, Nachschub ist nicht in Sicht. Die Munitionsbestände im Westen sind stark belastet. US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine zudem verweigert, die Raketen selbst zu produzieren. Eine entsprechende Lizenz bzw. Zusage wurde wieder zurückgezogen.

Auch in Russland „brennt“ es
Die Ukraine griff seinerseits auch Russland an: In der an die Ukraine grenzenden Region Belgorod wurde laut dem dortigen Gouverneur Alexander Schuwajew bei einem solchen Angriff ein Mensch getötet. Es habe sich um einen Zivilisten gehandelt.

Die Karte zeigt die Standorte von russischen Versandhändlern, die seit dem 17. Juli durch ukrainische Luftschläge getroffen wurden. Es sind Ziele der Unternehmen Wildberries und Ozon in Russland markiert, mit einem Schwerpunkt um Moskau und St. Petersburg. Zudem sind von Russland eroberte und umkämpfte Gebiete in der Ukraine hervorgehoben. Quelle: ISW.

Auch der wichtige russische Ostseehafen Ust-Luga wurde nach Angaben des Regionalgouverneurs Ziel eines Drohnenangriffs. „Im Hafengebiet von Ust-Luga sind infolge des Drohnenangriffs Schäden entstanden, und es brennt“, erklärte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Dienstag auf Telegram. Die Bemühungen zur Abwehr des Angriffs dauerten demnach an.

Der Hafen von Ust-Luga am Finnischen Meerbusen in der Nähe der estnischen Grenze ist ein wichtiger Umschlagplatz für Dünger, Öl und Kohle aus Russland. Nach Angaben der russischen Behörden wurde er bereits mehrfach attackiert.

Die Ukraine hatte zuletzt ihre Gegenangriffe auf die russische Infrastruktur verstärkt, darunter Raffinerien, Öldepots und Häfen. Kiew sieht diese Anlagen als legitime Ziele, um die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung seiner Offensive in der Ukraine zu reduzieren.

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