Passagiere klagen an:

„Kapitän unter den Ersten, die Schiff verließen“

Ausland
30.08.2026 23:39

Dramatische Szenen schildern die Überlebenden des Fährunglücks vor Zypern, als das Schiff mit mehr als 260 Menschen an Bord am Sonntag im Mittelmeer sank. Es sei ein „wahrer Überlebenskampf“ gewesen, es habe nicht genügend Schwimmwesten gegeben. Und der Kapitän, der sei unter den Ersten gewesen, die sich versucht hätten zu retten. Er ist in Haft.

Die geretteten Passagiere schilderten lokalen Medien, wie es bei dem Unglück gegen Sonntagmittag zunächst zu einer Explosion am Bug gekommen sei. Danach sei die Passagierfähre etwa 6,5 Kilometer von der Küste entfernt gekentert und schließlich gesunken.

Wer konnte, habe sich eine Rettungsweste geschnappt – es habe aber nicht genügend gegeben. „Einige musste ohne Rettungsring oder Weste ins Wasser springen“, erzählte ein Mann CNN Türk. Er sprach von einem „buchstäblichen Überlebenskampf“.

Bilder aus einem Video zeigen die bereit zur Seite geneigte Fähre und Menschen, die auf ihre ...
Bilder aus einem Video zeigen die bereit zur Seite geneigte Fähre und Menschen, die auf ihre Rettung warten(Bild: AFP/-)
(Bild: AFP/JEWEL SAMAD)

„Kapitän hat nichts organisiert“
Ein weiterer Überlebender schilderte, wie die Crew nach der Explosion versucht habe, das Schiff zu wenden. Seitenfenster seien geborsten, „dann begann das Schiff, Wasser aufzunehmen“. Er habe mehr als eine Stunde im Wasser verbracht, bevor er gerettet worden sei.

Mindestens acht Menschen starben bei dem Fährunglück vor Zypern – laut Passagieren sei es ein ...
Mindestens acht Menschen starben bei dem Fährunglück vor Zypern – laut Passagieren sei es ein Überlebenskampf gewesen.(Bild: AP/DHA)

Der Mann habe gesehen, wie der Kapitän der Fähre „unter den Ersten“ gewesen sei, die versucht hätten, sich zu retten. „Ohne irgendetwas zu organisieren“, fügte der rund 50-Jährige hinzu, der Medienberichten zufolge anonym bleiben wolle.

Gesamte Crew festgenommen
Der Kapitän und seine sieben Crewmitglieder wurden nach dem Unglück festgenommen. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, versprach der Ministerpräsident der nur von der Türkei anerkannten Republik Nordzypern, Ünal Üstel: „Ich sage das hier ganz klar: Jeder Aspekt dieses Vorfalls wird untersucht. Selbst die geringste Fahrlässigkeit wird ans Licht kommen.“

Noch sind mehrere Menschen vermisst
Acht Tote sind bisher offiziell zu beklagen, es würden aber noch mehrere Menschen vermisst. 161 der 267 Menschen an Bord seien gerettet uns ins Krankenhaus gebracht worden, 76 seien bereits wieder nach Hause zurückgekehrt. Die Suche nach den Vermissten würde „unermüdlich fortgesetzt“, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Fähre war von Nordzypern unterwegs zum türkischen Festland.

Die Blackbox des Schiffes, das in einer Tiefe von rund 500 Metern liegt, solle nun geborgen werden und helfen, die Ursache des Unglücks zu klären.

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