Tatort Südtirolerplatz

Bahnhof-Gewalttäter drohen bis zu 15 Jahre Haft

Salzburg
30.08.2026 06:00

Egal, ob Reisende oder Einheimische: Die Menschen fühlen sich am und vor dem Salzburger Hauptbahnhof nicht sicher. Das veranschaulichten gleich mehrere Lokalaugenscheine der „Krone“, bei denen Menschen, die dort leben, arbeiten oder zu den Öffis wollten, befragt wurden.

Das kommt nicht von ungefähr: Wohl kein Ort in Salzburg zieht Kriminelle so sehr an wie das Bahnhofsviertel mit den Stadtteilen Elisabeth-Vorstadt und Schallmoos – vor allem der Südtiroler Platz, der berühmt-berüchtigte Platz vor dem Jugendstilgebäude. Das zeigt die Häufung von brutalen Straftaten in den vergangenen Monaten.

Kopftritte führten Wochen später zum Tod von Opfer
Erst diese Woche berichtete die „Krone“ von der nächsten Gewalteskalation: Ein Bulgare (32) soll den Ermittlungen nach in der Nacht des 27. Juni einen Einheimischen (45) zu Boden gestoßen und ihm dreimal gegen den Kopf getreten haben. So massiv, dass der Mann nach dem Angriff notoperiert wurde und zwei Wochen später im Spitalsbett seinen schweren Kopfverletzungen erlag.

Wie die Staatsanwaltschaft bereits bestätigte, laufen die Ermittlungen wegen des Verdachts der absichtlich schweren Körperverletzung mit Todesfolge. Das würde einen Strafrahmen von fünf bis 15 Jahren Haft im Falle einer Verurteilung bedeuten.

Blaulicht-Einsatz nach einer Messerstecherei im Dezember
Blaulicht-Einsatz nach einer Messerstecherei im Dezember(Bild: Markus Tschepp)

Die „Krone“ erfuhr ein weiteres Detail: Während der 32-Jährige in Österreich unbescholten ist, hat er schon einiges an Gerichtserfahrung in seinem Heimatland und in Deutschland gesammelt. Mehr als zwei Dutzend Mal erhielt er in den genannten Ländern eine gerichtliche Strafe, wobei es vor allem um Vermögensdelikte ging.

Zwei europaweit gesuchte Kriminelle bei uns gefasst
Darüber hinaus kommt es am Hauptbahnhof immer wieder zu Schlägereien, zuletzt Ende April, als vier Ukrainer auf zwei Männer einprügelten. Streitgrund: Drogen!

Dass Salzburgs zentrale Öffi-Drehschreibe Kriminelle – gerade aus dem Ausland – anlockt, veranschaulichen weitere Fälle: Gleich zwei von den deutschen Behörden gesuchte Mordverdächtige wurden im heurigen Frühjahr im Bereich des Bahnhofes festgenommen – einer sogar in einem Reisezug.

Einerseits handelte es sich um einen von der Polizei in Karlsruhe gesuchten Polen (37), der Mitte April verhaftet und wegen der mutmaßlichen Tötung eines Obdachlosen ausgeliefert wurde. Andererseits klickten die Handschellen für einen Nordmazedonier (36), der Ende Mai in den Bahnhofshallen aufgrund eines Haftbefehls aus Köln geschnappt wurde. Er soll mit Komplizen in der deutschen Millionen-Stadt einen 93-Jährigen zu Hause überfallen, gefoltert und getötet haben, heißt es in Medienberichten.

Das Video eines Taxlers: Ein Mann tritt einem anderen brutal gegen den Kopf.
Das Video eines Taxlers: Ein Mann tritt einem anderen brutal gegen den Kopf.(Bild: Markus Tschepp)

Zwei versuchte Tötungen: Anklagen und Haft
Das Salzburger Landesgericht selbst war heuer mit zwei Anklagen wegen versuchten Mordes beschäftigt – in beiden Fällen ging es um Messer-Angriffe im Zuge von Schlägereien, die sich am Südtiroler Platz ereignet hatten: Zwölf Jahre Haft erhielt ein Türke, weil er Ende Juli 2025 viermal auf einen Tschechen (38) einstach. Ein Algerier (27), der einem Deutschen Mitte Dezember Stichverletzungen zufügte, wartet noch auf sein Urteil.

Aufsehen löste der Prozess gegen einen im Bahnhofsviertel lebenden Türken aus, der nachweislich über drei Jahre Kokain an zumindest zehn minderjährige Mädchen verteilte. Er wurde Mitte Juni nicht rechtskräftig zu 14 Monaten teilbedingter Haft verurteilt.

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