Wirbel um Bahnübergang

Sogar Blinde sind gegen neue Warnglocke für Blinde

Salzburg
29.08.2026 08:00

Mitte September nimmt die Lokalbahn im Salzburger Flachgau wieder ihren Betrieb auf. Eine Glocke soll einen Bahnübergang in Oberndorf sicher machen. Doch die ist alles andere als erwünscht – bei Anrainern und den Betroffenen selbst. Der Blinden- und Sehbehindertenverband hat ganz andere Vorschläge ...

Ständiges Läuten bis zu achtmal pro Stunde – und das mitten im Wohngebiet. Was das Ende der stillen Nächte in Oberndorf bedeuten könnte, stößt nicht nur Anrainern sauer auf. Denn im Rahmen der umfangreichen Lokalbahnsanierung soll beim Bahnübergang neben der Station Oberndorf-Laufen ein sogenanntes Läutewerk eingebaut werden – die „Krone“ berichtete. Dieses werde dann – je nach Zugtakt – bis zu achtmal pro Stunde läuten.

Anrainer fürchten um ihren Schlaf und um ihre Erholung während des Tages. Direkt neben der geplanten Glocke befinden sich mehrere Gärten. Auch die nächsten Schlafzimmerfenster sind gerade einmal 20 Meter vom Bahnübergang entfernt. Ab 13. September wird die Lokalbahn wieder von 4.30 Uhr in der Früh bis etwa 2.30 Uhr unterwegs sein.

Anrainer und Bürgermeister stellen sich in Oberndorf gegen das geplante Dauerläuten.
Anrainer und Bürgermeister stellen sich in Oberndorf gegen das geplante Dauerläuten.(Bild: Markus Tschepp)

Nähe zum Krankenhaus als Argument für Glocke
Im Bescheid des Landes Salzburg heißt es dazu, dass diese akustische Einrichtung aufgrund der Nähe zum Krankenhaus und der hohen Nutzung der Querung durch Fußgänger von großer Bedeutung ist. Eine „Eingabe“ habe hier auf die „mangelnde barrierefreie Nutzbarkeit für blinde und sehbehinderte Menschen“ hingewiesen.

Die nächsten Schlafzimmerfenster sind gerade einmal 20 Meter von der Kreuzung entfernt.
Die nächsten Schlafzimmerfenster sind gerade einmal 20 Meter von der Kreuzung entfernt.(Bild: Markus Tschepp)

„Anders als behauptet, war das Läutewerk gar nicht mit uns abgesprochen und wir haben dieses auch nicht gefordert“, sagt dazu Josef Schinwald, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbands. „Wenn wir uns etwas wünschen könnten, dann wäre das ein System wie bei den Ampeln in der Stadt Salzburg“, sagt er zur „Krone“ und ergänzt: „Außerdem gehen ja nicht Hunderte Blinde pro Tag über diese Kreuzung.“

Anders als behauptet, war das Läutewerk gar nicht mit uns abgesprochen und wir haben dieses auch nicht gefordert. Ich habe das vor zwei, drei Wochen per E-Mail LH-Stv. Stefan Schnöll mitgeteilt, aber keine Antwort bekommen.

Josef Schinwald

Obmann Blinden- und Sehbehindertenverband Salzburg

Verband wünscht sich Klick-System mit Funk
Beim Wunschsystem haben Blinde und sehbehinderte Menschen einen eigenen Transponder, mit dem sie per Funk ein Signal anfordern können. Dieses sei zwar auch akustisch wahrnehmbar, allerdings als dezentes „Klicken“ anstelle von lautem Glockenläuten. Zudem passe sich die Lautstärke der Umgebung an – und sei dadurch in der Nacht wesentlich leiser.

Unverständlich ist für Schinwald auch, warum eine barrierefreie Lösung bloß bei einer der vier Eisenbahnkreuzungen in Oberndorf kommen soll. „Das ist völlig sinnlos“, ärgert er sich über die Pläne des Landes.

Die Stadt Oberndorf selbst hat gegen das geplante Läutewerk im Mai Einspruch eingelegt. Also dürfte es nicht bimmeln, bis es eine Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts gibt. Für eine schnelle und sichere Lösung zum Start der Lokalbahn wünscht sich Bürgermeister Georg Djundja (SPÖ) eine Änderung des Bescheids: „Das geht schnell und es wäre gleich allen geholfen.“

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