10.07.2006 13:55 |

Saddam-Prozess

Boykott der Anwälte im Saddam-Prozess

Im Prozess gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte hat die Verteidigung am Montag mit den Schlussplädoyers begonnen. Allerdings boykottierten fast alle Anwälte die Sitzung. Sie protestierten damit gegen die Ermordung von Saddam Husseins Anwalt im vergangenen Monat. Jeder habe Angst um sein Leben, sagte ein Verteidiger per Telefon aus Katar.

Die Anwälte würden erst zurückkehren, wenn ihre Sicherheit gewährleistet sei, teilte er weiter mit. Der oberste Richter Rauf Abdel Rahman wies die Forderungen zurück und erklärte, man habe Ersatzanwälte eingesetzt. Bei der Sitzung am Montag trat jedoch nur der Verteidiger eines nachrangigen Angeklagten, Ali Dajih Ali, auf. Dieser selbst wies nach den Darlegungen seines Anwalts alle Anschuldigungen zurück.

Die Staatsanwaltschaft hat am 19. Juni für Saddam Hussein und zwei seiner Mitangeklagten die Todesstrafe gefordert. Alle acht müssen sich wegen eines Massakers in der Stadt Dujail nördlich von Bagdad verantworteten, wo 1982 mehr als 140 Schiiten getötet wurden. Das Verfahren läuft seit acht Monaten.

Nach den Schlussplädoyers der Anwälte erhalten die Angeklagten jeweils selbst noch einmal das Wort, was noch einige Sitzungen in Anspruch nehmen dürfte. Ein weiterer Prozess gegen Saddam Hussein wegen Völkermords an den Kurden im Nordirak soll am 21. August beginnen. Das Urteil im Dujail-Prozess dürfte Beobachtern zufolge vorher gesprochen werden.