Will Kanada vorführen

Trump blamiert sich mit Adler-Foto: Gans gewinnt

Außenpolitik
28.08.2026 14:32
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein mächtiger Weißkopfseeadler drückt eine Kanadagans auf dem Eis nieder – das Bild scheint aus Sicht von Amerika wie gemacht für den eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und Kanada. Das Weiße Haus verbreitete die Aufnahme und vermittelte damit eine klare Botschaft: Amerika ist der Stärkere. Doch wer die ganze Geschichte hinter dem Foto kennt, kommt zu einem ziemlich anderen Schluss.

Die Aufnahme zeigt einen Weißkopfseeadler, der auf dem Hals einer Kanadagans steht. Das Weiße Haus veröffentlichte das Bild auf der Plattform X ohne Text und teilte damit zugleich einen Beitrag der Trump-Regierung mit dem Titel „Präsident Trump beendet endlich Kanadas Trittbrettfahrer-Dasein“. Die Szene wirkte wie ein Symbol für die amerikanische Dominanz gegenüber dem nördlichen Nachbarn.

Doch das Foto zeigt nur einen kurzen Moment eines deutlich längeren, realen Kampfes. Der Vorfall ereignete sich auf dem zugefrorenen Ontariosee bei Burlington in der kanadischen Provinz Ontario. Der Fotograf Mervyn Sequeira hielt das tierische Duell damals fest.

20 Minuten Kampf auf dem Eis
Wie „Newsweek“ berichtet, zeigen die vollständigen Aufnahmen, wie der Weißkopfseeadler die Gans über rund 20 Minuten mehrfach attackiert. Zeitweise liegt die Kanadagans auf dem Eis und scheint dem Raubvogel ausgeliefert zu sein. Doch sie steht immer wieder auf, breitet ihre Flügel aus und stellt sich dem Angreifer entgegen.

Am Ende gibt der Adler auf und fliegt davon. Die Gans bleibt am Leben. „Es gab Momente, in denen wir dachten, dass es für die Gans vorbei ist“, sagte Sequeira bereits 2025 gegenüber dem kanadischen Sender CBC. Letztlich habe der Vogel die wiederholten Angriffe aber überlebt.

Spott auch von staatlicher Einrichtung
Genau dieser Ausgang sorgte nun im Internet für Spott über die Bildauswahl des Weißen Hauses. Nutzer verbreiteten weitere Aufnahmen aus der Fotoserie, auf denen die Kanadagans zurückkämpft. Auch der offizielle X-Account von Build Canada, einer staatlichen Einrichtung zur Finanzierung von leistbarem Wohnraum, reagierte mit einem Bild aus dem späteren Verlauf des Duells: Darauf hebt die Gans ihren Flügel, als würde sie den Adler angreifen.

„Die Gans hat diesen Kampf gewonnen“
Gegeünber der kanadischen „National Post“ beschrieb Sequeira das Aufeinandertreffen als einen Kampf „wie Boxer in einem Ring“ und bezeichnete die Begegnung angesichts des politischen Kontexts als „sehr symbolisch“. „Der Adler griff immer wieder an, und die Gans zischte und pickte so gut sie konnte, um sich zu verteidigen“, sagte der Fotograf.

Zeitweise habe es hoffnungslos für die Gans ausgesehen. „Ich dachte, es wäre vorbei; allerdings war es sehr, sehr beeindruckend. Die Gans kämpfte zurück und kam da heraus und überlebte den Tag.“ Der Adler hingegen flog davon.

Hintergrund ist der eskalierende Handelsstreit
Das Weiße Haus setzte das Bild vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen zwischen Washington und Ottawa ein. Nach dem Scheitern von Handelsverhandlungen rückte die Trump-Regierung mit Zöllen von 50 Prozent auf kanadische Exporte im Wert von rund 20 Milliarden Dollar vor. Betroffen sind unter anderem Wein, Möbel, Milchprodukte, Zement, Kleidung, Fischereiausrüstung und Hockeyartikel.

Trump „verlangte zu viel und bot zu wenig“
Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin Vergeltungsmaßnahmen an, die er als Maßnahmen „Dollar für Dollar“ bezeichnete. Neue Zölle auf US-Stahl, Aluminium, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Meeresfrüchte, Kleidung, Elektronik und weitere Waren sollen im September in Kraft treten.

Carney erklärte, Kanada sei zu einer Einigung bereit gewesen, habe die Gespräche aber wegen aus seiner Sicht unfairer Forderungen der USA abgebrochen. „Sie verlangten zu viel und boten zu wenig“, sagte der Premierminister vor Journalisten.

USA schimpfen über „Trittbrettfahrer“
Die Trump-Regierung stellt die Situation naturgemäß anders dar. In dem Beitrag, der gemeinsam mit dem Adler-Foto beworben wurde, warf sie Kanada langjährige Handelsbarrieren gegen US-Produkte vor und erklärte, Trump beende damit das von ihr so bezeichnete kanadische „Trittbrettfahrer-Dasein“ auf dem US-Markt.

Auch der Adler ist eng mit Kanada verbunden
Die Symbolik des Fotos hat allerdings noch einen weiteren Haken: Der Weißkopfseeadler ist keineswegs ausschließlich eine US-amerikanische Angelegenheit. Kanada beherbergt nach Angaben von Global Affairs Canada rund 55 Prozent der weltweiten Population. Rund 110.000 dieser Vögel sollen demnach in Kanada leben, insbesondere an der Westküste.

Damit ist sogar die Möglichkeit groß, dass der auf dem Foto abgebildete Weißkopfseeadler in Kanada geschlüpft ist.

Adler gerne von Trump instrumentalisiert
Die Aufnahme ist zudem nicht zum ersten Mal vom Weißen Haus verwendet worden. Bereits 2025 teilte die US-Regierung dasselbe Bild als Reaktion auf einen Beitrag des damaligen kanadischen Premierministers Justin Trudeau. Im Februar wurde das Foto erneut verwendet, nachdem das US-Hockeyteam Kanada bei den Olympischen Winterspielen um die Goldmedaille besiegt hatte.

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