AK übt Kritik

Eltern geben 720 Euro im Jahr für Nachhilfe aus

Wirtschaft
18.08.2026 11:30

Ein Drittel der österreichischen Schüler nimmt Nachhilfe in Anspruch – sogar in der Volksschule braucht jedes vierte Kind mittlerweile Hilfe. 720 Euro geben Eltern im Jahr dafür aus. „Hier reparieren Familien auf eigene Kosten, wo das System versagt“, kritisiert AK-Expertin Ilkim Erdost.

Was in der Schule überbleibt, gleichen Eltern zuhause mit Zeit und Geld aus – das kritisiert die Arbeiterkammer bei der Präsentation der neuen Nachhilfe-Studie. 32 Prozent der Schüler holen sich Hilfe beim Lernen, die Eltern geben im Schnitt 720 Euro im Jahr dafür aus. „144 Millionen Euro fließen in Lücken, die in der Schule entstehen“, kritisiert Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der Arbeiterkammer Wien.

Seit den Covid-Jahren habe sich die Quote „auf hohem Niveau eingependelt“. Die Kosten pro Kind sind im Vergleich zu den Vorjahren (2024: 750 Euro, 2025: 800 Euro) trotz Inflation leicht gesunken. Grund dafür ist, dass Nachhilfe punktuell vor Schularbeiten oder Prüfungen genutzt wird.

Nachhilfe-Schüler werden immer jünger
Ein besonderer Trend, der sich abzeichnet: Die Nachhilfe-Schüler werden immer jünger. Unter den Volksschülern nehmen 23 Prozent Nachhilfe in Anspruch. „Wir sehen einen kontinuierlichen Anstieg seit den Covid-Jahren“, sagt Expertin Elke Larcher.

Spitzenreiter bleibt aber die AHS-Oberstufe. 41 Prozent brauchen Nachhilfe – „das ist systematisch vorgesehen und kein Einzelphänomen mehr“. Es ginge darum, Noten zu verbessern – nicht etwa Interessen zu fördern. „Kurz vor Prüfungen wird Nachhilfe genommen.“  Die Anforderungen in den Hauptfächern seien „zu hoch“, berichten viele Eltern.

Die beliebtesten Fächer bleiben Mathematik (66 Prozent), gefolgt von Deutsch (33 Prozent) und Fremdsprachen (18 Prozent).

Zahlen und Fakten zur Nachhilfe in Österreich

  • 338.000 Kinder und Jugendliche in Österreich erhalten Nachhilfe – das sind 32% der Schülerinnen und Schüler
  • Jedes vierte Volksschulkind (23%) braucht Nachhilfe
  • Eltern geben im Schnitt 720 Euro im Jahr aus
  • Insgesamt zahlen Eltern 144 Millionen Euro für Lernunterstützung
  • Mehr als zwei Drittel der Eltern helfen den Kindern mehrmals pro Woche beim Lernen
  • 45.000 Schüler hätten Bedarf an Nachhilfe und bekommen sie nicht

Eltern als Nachhilfelehrer
Für die Studie wurden im Frühling 3208 Eltern mit 4728 Schulkindern befragt. „Lernen findet nicht nur in der Schule statt, sondern auch maßgeblich zu Hause“, sagt Larcher. 68 Prozent lernen mehrmals die Woche selbst mit dem Nachwuchs. „Das ist anstrengend für die Eltern, aber auch für den Lern- und Schulerfolg dysfunktional, weil es darauf ankommt, welche Eltern Zeit und Bildung haben, um den Schulstoff zu vermitteln. Das fällt jenen, die keine Matura haben, schwerer. Mit den Kompetenzen der Kinder hat das alles gar nichts zu tun.“ 

Zitat Icon

Kinder sind nicht zu dumm, zu faul oder zu schlampig, sie können die Lernziele erreichen, wenn sie Unterstützung haben.

AK-Expertin Elke Larcher

„Chancenbonus soll vervierfacht werden“
Das Problem: „Der Schulerfolg wird privatisiert und hängt am Einkommen der Eltern“, sagt Erdost. „Wenn das System versagt, müssen es die Eltern richten. Nicht das Können der Kinder entscheidet, sondern der Kontostand der Eltern.“ Die Arbeiterkammer fordert deswegen, dass der Chancenbonus, der im Herbst startet, „vervierfacht wird“. Er sei ein „wichtiger erster Schritt“, doch 440 Millionen Euro seien nötig, um Lücken im Schulsystem zu stopfen. Die Leistungsbeurteilung in den Schulen solle modernisiert, Ganztagsschulen ausgebaut werden.

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