Rassistische Drohungen
Nächste Aufreger-Debatte um Pool vor Theater
Die Aufregung um das temporäre Schwimmbecken vor einem der wichtigsten Theater Deutschlands hört nicht auf. Weil der Pool für einige Stunden nur für Menschen der schwarzen Community offen sein sollte, hagelte es rassistische Drohungen. Davor hatte es schon Kritik an den Kosten für das Riesen-Planschbecken gegeben.
Seit einer Woche steht vor der Volksbühne in Berlin, wie berichtet, ein temporäres Schwimmbecken. Bis Anfang Oktober können Badegäste darin kostenlos planschen. Zuerst hatten nur die Kosten des 25 Meter langen Schwimmbeckens für Aufregung gesorgt – bis Oktober verschlingt das „Volksbad“ geschlagene 300.000 Euro. Jetzt sind auch noch rassistische Drohungen und Diskriminierungs-Vorwürfe dazugekommen.
Für wenige Stunden sollte das „Volksbad“ nämlich am Freitag exklusiv für Menschen der schwarzen Community öffnen. Doch nach rassistischen Drohungen hat das Theater die Veranstaltung mit dem Verein „Each One Teach One“ (Eoto) schon im Vorfeld abgesagt. Einige Medien, rechte Politikerinnen und Politiker, aber auch eine CDU-Kommunalpolitikerin kritisierten die Exklusivnutzung in den sozialen Medien.
Weidel sprach von „Apartheid“
AfD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid“. Der Begriff Apartheid bezeichnet ein dauerhaftes und systematisches Herrschafts- und Unterdrückungssystem einer Gruppe gegen eine andere. Dabei geht es nicht um eine nur zeitweise Trennung von Menschen nach bestimmten Merkmalen.
Apartheid in Südafrika
Apartheid nannte man das politische System der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. Die Menschen wurden entsprechend ihrer Hautfarbe in verschiedene Gruppen eingeteilt, wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Schwarze wurden systematisch unterdrückt.
Rassistische Droh-E-Mails
Der Verein Eoto sprach von direkten Anfeindungen: „Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media“, teilte der Verein mit.
Die Aktion sei bewusst umgedeutet und missverstanden worden in die Richtung: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad, sagt Emilia Zenzile Roig. „So war das ein Segen für die Rechten.“ Roig ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. „Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert.“
Die Volksbühne und der Verein sagten die Veranstaltung nach der Hasswelle ab, denn sie könnten eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es in einer Mitteilung.
„Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten“, teilte der Intendant Matthias Lilienthal mit. Lilienthal betonte auch, sein Theater entspreche dem Berliner Antidiskriminierungsgesetz, was zwingend vorsehe, für marginalisierte, traumatisierte Gruppen Schutzräume zu schaffen.
Ombudsstelle verteidigt Aktion
Die Leiterin der Ombudsstelle des Landesantidiskriminierungsgesetzes bei der Senatsverwaltung für Vielfalt und Antidiskriminierung, Doris Liebscher, verteidigte das Konzept in einer Mitteilung. Eine unterschiedliche Behandlung sei zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen.










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