Auf dem Debütalbum

Die Womack Sisters tragen die Soul-Fackel weiter

Musik
14.08.2026 05:00

Mit ihrer Blutlinie wurde den Womack Sisters das musikalische Talent in die Wiege gelegt. Nach Jahren des Darbens und Klinkenputzens erscheint nun das Debütalbum der Soul-Schwestern – und braucht sie vor der Promi-Verwandtschaft nicht zu verstecken. Im „Krone“-Interview gaben Kucha, BG und Zeimani nähere Einblicke in ihre spannende Karriere.

kmm

Manchen liegt die Musik wortwörtlich im Blut. Kucha, BG und Zeimani Womack sind ein Schwesterntrio der ganz besonderen Art. Ihr Großvater ist Sam Cooke, einer der „Väter der Soulmusik“, ihr Onkel ist Soul- und R&B-Legende Bobby Womack und Cecil und Linda Womack, besser bekannt als 80er-Popgruppe Womack & Womack, sind die Eltern. Dass es für das fidele Dreimäderlhaus auch in Richtung Musik gehen würde, war relativ schnell klar, schließlich verdienten sie sich ihre Meriten zum Teil bereits als Backgroundsängerinnen ihrer berühmten Verwandten. Ihre spezielle Familiensituation verlangte auch Flexibilität. Alle Jahre wurde mit den Familien umgezogen, das machte aus den drei Schwestern zwischen London, den Bahamas, Paris, Thailand und Kenia auch beste Freundinnen, weil man sich zumindest immer gegenseitig hatte. Mit dem selbstbetitelten Debütalbum „The Womack Sisters“ erscheint nun ein Soul-Manifest, das ausgereift und passioniert erklingt und die jahrelange Business-Erfahrung der Schwesternschaft stolz vor sich herträgt.

Von allen etwas mitgenommen
„Es fühlt sich mit unserem Namen und dem Sound ganz natürlich an, das Vermächtnis unserer Familie weiterzutragen“, erzählen die drei unisono im Zoom-Talk mit der „Krone“, „es ist aber auch eine große Ehre. Unsere Familie hat schon in unserem Kindesalter mit uns über das Geschäft gesprochen, dann haben wir es zum Teil im Hintergrund selbst erleben dürfen. Nun sind wir in der Position, dass wir unsere eigenen Träume verwirklichen können.“ Der Einfluss der Familienmitglieder ist immanent, auch wenn man Großvater Sam Cooke etwa nie persönlich kennenlernen durfte. „Auf unserer musikalischen Reise nehmen wir uns von allen etwas mit. Du kannst als Musikfan auch nicht an Bobby Womack denken, ohne dabei an Sam Cooke zu denken. Du kommst nicht zu Womack & Womack, ohne dabei mit Bobby Womack zu kollidieren. Alles ist miteinander verbunden und verknüpft. Als eine große, musikalische Familie.“

Am meisterhaften Soul-Debütalbum haben die Womack Sisters akribisch gearbeitet. Jahrelang feilte man an den Klängen und Liedern, bis sie schließlich fertig auf der Platte landeten. „Die Lieder haben es verdient, dass wir uns genau und lange um sie gekümmert haben. Wir wollten das Album früher rausbringen, aber wir wollten auch ein Ergebnis, das wir uneingeschränkt lieben und so gut wie möglich sein würde.“ Bosco Mann, der Co-Betreiber ihres Labels Daptone Records, war dabei ein wichtiger Baustein. „Er ist eine Legende mit großartigen Visionen, der uns mit Feuereifer dabei geholfen hat, dieses magische Album ins Leben zu rufen. Wir haben so viel Energie, Leidenschaft und Zeit in dieses Werk gesteckt, dass wir nun einfach froh sind, es mit den Menschen teilen zu können. Wir könnten nicht stolzer auf das Ergebnis sein.“

Ausgiebige Opferbereitschaft
Trotz des großen Namens war der Weg zum Ergebnis kein leichter. Jahrelang putzten die drei bei verschiedenen Plattenfirmen und Agenten Klinken, bekamen aber meist einen verbalen Rüffel, weil der klassische Soul- und R&B-Sound der alten Tage niemanden mehr interessieren würde. So verdingten sie sich in Aushilfsjobs wie dem Uber-Fahren, was schließlich zur erfolgreichen Single „Chauffeur“ führte. „Wir haben uns da über unser Leben und unsere finanziellen Schwierigkeiten unterhalten. Es ist schwierig, wenn man es mit der Musik schaffen will und gleichzeitig Jobs hat. Man ist nie zu 100 Prozent bei einer Sache dabei und wir mussten lange Zeit viel opfern. Das ganze Musikgeschäft ist in allen Bereichen so kostspielig, es ist ein ständiger Ritt auf Messers Klinge. Wir haben jahrelang jeden Cent in unsere Leidenschaft Musik gesteckt und es ist schön zu sehen, dass nun endlich was davon zurückkommt.“

Internationale Superstars überschlagen sich mit Lob für das Werk. Namen wie SZA oder Jon Baptiste, der die drei Schwestern schon mal auf eines seiner Alben zum Singen einlud, zeigen sich in Online-Wortmeldungen begeistert und befeuerten den Hype, den die drei Womack-Schwestern mit ihren starken Singles selbst auslösten, noch zusätzlich. Tatsächlich weist das Album von allem etwas auf, hat aber den 60er-Soul US-amerikanischer Prägung als stringente Unterlage. „,I Just Don’t Want You (To Say Goodbye)‘ war der erste Track, mit dem alles ins Rollen kam”, erläutern sie, „von dort weg haben wir den richtigen musikalischen Vibe gefunden und uns weitergearbeitet. Es war uns wichtig, die nötige Geduld zu haben und es war uns genauso wichtig, uns authentisch und echt zu zeigen. Jedes Detail auf diesem Album ist exakt so ausgefallen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir fühlen den Soul und wir hoffen, den Hörern geht es auch so.“

Die Familienmitglieder

Sam Cooke, Großvater
Er gilt als einer der Väter des Soul und wurde Ende der 50er-Jahre mit Songs wie „Wonderful World“ weltberühmt. Er wurde 1964 im Alter von nur 33 Jahren von der Motelmanagerin Bertha Franklin erschossen. Die genauen Umstände blieben ungeklärt.

Bobby Womack, Onkel
Er brillierte in den 70er- und 80er-Jahren in den Genres Soul und R&B. Mit 21 heiratete er Barbara Cooke, die Witwe seines Mentors Sam Cooke. Vor seinem Tod 2014 sang er 2012 mit Superstar Lana Del Rey für „Dayglo Reflection“ ein letztes Duett.

Womack & Womack, Eltern
Das verheiratete Pop-Duo Cecil (Bruder von Bobby) und Linda Womack (Tochter von Sam Cooke). Die größten Erfolge feierten sie 1988 mit den Singles „Celebrate The World“ und „Teardrops“. Das Duo ließ sich später in Afrika nieder.

Ein unzertrennliches Band
Von den vielen Absagen in der Musikindustrie sind sie längst gestählt. „Wie viele Typen in wichtigen Plattenfirmen uns schon aus dem Büro geschickt haben, können wir gar nicht mehr nachzählen. Die Musik war uns aber immer wichtig genug, dass wir wussten, es wird einmal passen. Ohne Leidenschaft und Durchhaltevermögen wäre das alles nicht machbar.“ Mit „Laughter And Tears“ und dem abschließenden „My Sisters And Me“ geht man auch auf die eigene Schwesternbeziehung untereinander ein. „Wir haben ein undurchdringbares Band zwischen uns, das ist gewiss. Am Ende des Tages sind wir drei mit unseren Familien jene Menschen, die sich gegenseitig beschützen und aufeinander zählen können. Natürlich kracht es bei uns, es wird viel diskutiert und es gibt Missverständnisse, aber zwischen uns passt kein Blatt Papier.“

Das erweist sich im Interview auch mal als Herausforderung, wenn die Insider-Jokes fallen und die drei Schwestern frei von der Leben durch die Gegend scherzen und vor Begeisterung, ob des Albums immer wieder mal den Faden verlieren. Neben der Musik der eigenen Familie gibt es noch andere favorisierte Werke, auf die sich alle einigen können. Lauryn Hill, Janet Jackson und Curtis Mayfield sind ein paar davon. Mit Al Green teilt man heute Abend, 14. August, in der Hollywood Bowl im heimatlichen Los Angeles, die Bühne. „Was für eine Ehre. Er ist einer der allergrößten.“ Die Womack Sisters erarbeiten sich auch gerade einen Platz bei den großen – hoffentlich auch bald live in Europa.

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