Cyber-Alarm

Stromnetz: „Wir müssen jederzeit vorbereitet sein“

Österreich
13.08.2026 17:00

Austrian Power Grid-Vorstand Gerhard Christiner warnt im „Krone“-Interview eindringlich vor einer weiterhin hohen Cyber-Bedrohung für die kritische Strominfrastruktur!

Wie beurteilen Sie die aktuelle Cyber-Bedrohungslage?
Die Gefahr durch Cyberangriffe bleibt hoch. Unternehmen, Behörden und gerade kritische Infrastrukturen stehen zunehmend im Visier von Cyberkriminellen. Für uns ist klar: Cybersicherheit gehört heute genauso zum sicheren Netzbetrieb wie technische Wartung und Instandhaltung.

Warum ist gerade die Energieversorgung ein attraktives Ziel?
Das Stromnetz ist für unser tägliches Leben und die Wirtschaft von zentraler Bedeutung. Ein Angriff auf kritische Systeme kann daher weitreichende Folgen haben. Entsprechend aufmerksam beobachten wir die internationale Lage.

Welche Entwicklungen beobachten Sie besonders genau?
Zum einen bleibt klassische Cyberkriminalität eine Dauergefahr – etwa Erpressung oder Datendiebstahl. Zum anderen erhöhen internationale Konflikte das Risiko von Angriffen auf kritische Infrastruktur. Und schließlich verändert künstliche Intelligenz die Situation: Täuschungsversuche und gefälschte Nachrichten werden immer professioneller.

Wo liegen die größten Risiken für APG?
Wir achten besonders auf Angriffe auf digitale Systeme im Netzbetrieb, aber auch auf Risiken über Dienstleister, Softwarehersteller und externe Partner. Ebenso wichtig sind sogenannte Social-Engineering-Angriffe, bei denen Mitarbeiter durch gefälschte E-Mails oder Anrufe getäuscht werden sollen.

Es gilt die kritische Infrastruktur bestmöglich zu schützen.
Es gilt die kritische Infrastruktur bestmöglich zu schützen.(Bild: Richard Tanzer)

Wie schützt APG das österreichische Stromnetz?
Wir setzen auf mehrere Sicherheitsebenen – nach dem Prinzip einer „Zwiebel“. Wichtige Systeme verlassen sich nicht auf eine einzige Schutzmaßnahme. Technische Vorkehrungen, laufende Überwachung, klare Abläufe, regelmäßige Übungen und gut geschulte Mitarbeiter greifen ineinander.

Wie wichtig sind dabei die Mitarbeiter?
Sehr wichtig: Viele Cyberangriffe beginnen nicht mit einem hochkomplexen technischen Angriff, sondern mit einer Täuschung. Deshalb sensibilisieren wir unsere Mitarbeiter laufend für verdächtige E-Mails, Anrufe und andere Betrugsversuche.

Was passiert, wenn tatsächlich ein Angriff erkannt wird?
Dann zählt jede Minute. Unsere Systeme werden laufend überwacht, Auffälligkeiten von Sicherheitsexperten bewertet und entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Gleichzeitig sind klare Notfallabläufe und regelmäßige Übungen entscheidend, damit im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist.

Kann man Cyberangriffe überhaupt verhindern?
Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht. Entscheidend ist, Risiken frühzeitig zu erkennen, die Systeme möglichst widerstandsfähig zu machen und im Ernstfall rasch reagieren zu können. Darauf konzentrieren wir unsere Arbeit – zum Schutz der kritischen Strominfrastruktur Österreichs.

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