Smilla Kolbe sorgt bei der Leichtathletik-EM mit einem Plädoyer gegen Rassismus live im TV für Aufsehen. „Ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin. Das finde ich irgendwie erschreckend“, so die 24-jährige 800-Meter-Läuferin.
Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham fehlten Kolbe gerade einmal zwei Hundertstelsekunden zum Einzug ins Finale. Als Sechste ihres Halbfinales war für die Deutsche Endstation. Kurz danach stand sie ZDF-Reporterin Maral Bazargani noch außer Atem Rede und Antwort. Als das Interview eigentlich schon beendet war, hatte Kolbe allerdings noch ein wichtiges Anliegen.
„Ich will noch eine Sache sagen“, hakte die Mittelstreckenläuferin ein. „Wir vertreten hier alle ein Land, Deutschland. Wir treten hier mit Fairness und Respekt an. Das sind die Werte im Sport. Und ich erwarte das genauso von allen, die uns unterstützen und zuschauen.“
„Das finde ich erschreckend“
Kolbe sprach damit rassistische Beleidigungen gegen Sportler in den sozialen Netzwerken an. „Ich will gar nicht wissen, was wäre, wenn ich nicht so weiß wäre, wie ich bin. Das finde ich irgendwie erschreckend. Ich sehe das in anderen Kommentarspalten. Ich finde einfach, das ist nicht fair“, erklärte die 24-Jährige. Dieses Statement sei ihr „extrem wichtig“.
Konkrete Teamkollegen, die von solchen Angriffen betroffen waren, nannte Kolbe nicht. Schwarze Sportler sehen sich in den sozialen Netzwerken jedoch immer wieder rassistischen Kommentaren ausgesetzt – insbesondere nach Fehlern oder schwächeren Leistungen. Zuletzt war Fußball-Nationalspieler Jonathan Tah nach seinem verschossenen Elfmeter beim deutschen WM-Aus gegen Paraguay Ziel solcher Beleidigungen geworden.
Sportlich kann sie dennoch auf eine starke EM zurückblicken. Im Vorlauf blieb sie mit 1:57,80 Minuten als erste deutsche Läuferin seit 1990 unter 1:58 Minuten. Im Zwischenlauf gelang ihr die zweitschnellste Zeit ihrer Karriere, obwohl am Ende nur zwei Hundertstelsekunden zum Einzug ins Finale fehlten.
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