Nach seinem ersten Flug wollte Franz Piller nie wieder in eine kleine Maschine steigen. Jahrzehnte später saß der Weinviertler am Steuer seines selbst gebauten Flugzeugs. Rund 3500 Arbeitsstunden hatte er dafür investiert. Nun will er vor allem junge Menschen für den Amateurflugzeugbau begeistern.
Eigentlich hätte die Fliegerkarriere von Franz Piller aus Neudorf im Weinviertel schon vor fast fünf Jahrzehnten vorbei sein können. Dabei hatte ihn die Luftfahrt seit seiner Kindheit fasziniert. Ein ehemaliger Arbeitskollege seines Vaters, der im Krieg Jagdflieger gewesen war, erzählte der Familie von seinen Erlebnissen. Für den jungen Piller war damit das Interesse geweckt. „Früher, wenn man im Weinviertel ein Flugzeug gehört hat, ist man ihm nachgelaufen, bis man es gesehen hat“, erinnert sich der heute 67-Jährige.
Erster Flug endet mit Ernüchterung
Vor rund 48 Jahren war Piller mit seinem VW Käfer auf dem Heimweg von der Feuerwehrschule, als er einem Flugzeug folgte und dadurch den Flugplatz Stockerau entdeckte. Dort wurde er gefragt, ob er nicht mitfliegen wolle. Piller sagte zu und stieg in eine Cessna 150. Doch der lang ersehnte erste Flug verlief anders als erhofft. Die Luft war turbulent, die kleine Maschine wackelte – und Piller war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. „Das Fliegen hatte ich mir anders vorgestellt“, lautete sein damaliges Fazit.
Hausbau und Familie rückten die Fliegerei danach ohnehin in den Hintergrund. Erst Jahre später brachte ihn ein Bekannter aus einem Nachbarort wieder auf den Geschmack. Diesmal ging es mit einem Segelflugzeug in die Höhe. Kein Motorengeräusch, nur das Rauschen des Windes – und plötzlich war die alte Begeisterung wieder da. Ermutigt von seiner Frau, machte Piller zunächst den Segelflugschein, später den Privatpilotenschein.
„Experimental“ weckte seine Neugier
Der nächste entscheidende Moment kam bei einer Flugveranstaltung im Waldviertel. Dort entdeckte Piller ein Flugzeug mit der Aufschrift „Experimental“. Zunächst hielt er das für eine Marke. Als eine weitere Maschine mit derselben Aufschrift auftauchte, wurde er neugierig. Im Gespräch mit den Piloten erfuhr er, dass es sich um selbst gebaute Flugzeuge handelte – und dass es in Österreich mit dem Igo-Etrich-Club eine Anlaufstelle für Amateurflugzeugbauer gibt. Piller wurde herzlich aufgenommen, die Mitglieder teilten ihr Wissen mit ihm. Bald stand für ihn fest: „Das will ich auch.“
Wenn man acht Stunden nur Bits und Bytes bewältigt und dann in der Werkstatt etwas Angreifbares macht, ist das etwas anderes.
Franz Piller
Geplant hatte er für sein eigenes Projekt ursprünglich drei bis vier Jahre. Daraus wurden neun Jahre und rund 3500 Arbeitsstunden. Neben Beruf und Familie entstand aus einem Bausatz eine Van’s RV-8.
Aus Bits und Bytes wurde Handarbeit
Gerade der Kontrast zu seinem Berufsleben machte das Projekt für Piller besonders reizvoll. Er arbeitete im IT-Bereich und in der Softwareentwicklung. Nach einem Arbeitstag voller „Bits und Bytes“ war für ihn die Arbeit mit den eigenen Händen in der Werkstatt ein willkommener Gegenpol.
Ein Amateurflugzeug entsteht dabei keineswegs ohne Kontrollen. Damit eine Maschine als Amateurbau gilt, müssen mindestens 51 Prozent selbst gebaut werden. Während der Bauzeit erfolgen Kontrollen durch spezialisierte Prüfer. Auch der Igo-Etrich-Club begleitet Projekte mit Fachleuten für unterschiedliche Bauweisen. Am Ende steht die Abnahme durch die Austro Control.
Nach neun Jahren hebt der Traum ab
2018 war für Piller schließlich der Moment gekommen, auf den er neun Jahre hingearbeitet hatte. Auf den Jungfernflug hatte er sich vorbereitet und war zuvor auch in einem baugleichen Flugzeug mitgeflogen. Doch irgendwann saß er in seiner eigenen Maschine. „Jetzt schiebe ich den Hebel nach vorne – es gibt kein Zurück mehr“, erinnert er sich. Das Gefühl, als seine Van’s RV-8 tatsächlich abhob, vergleicht Piller mit einem ganz besonderen Moment im Leben: damit, erstmals Sohn oder Tochter nach der Geburt in den Händen zu halten.
Nachwuchs gesucht
Heute ist Piller Obmann des in Petzenkirchen ansässigen Igo-Etrich-Clubs. Rund 250 Mitglieder zählt der seit 38 Jahren bestehende Verein. Sie bauen, restaurieren und betreiben eigene Flugzeuge und tauschen ihr technisches Wissen untereinander aus.
Piller will nun vor allem jüngere Luftfahrtbegeisterte erreichen. Denn viele wüssten überhaupt nicht, dass der Selbstbau eines Flugzeugs in Österreich möglich ist. Dabei reichen die Bauweisen von Holz über Kunststoff und bespannte Gitterrohrkonstruktionen bis zu Metallflugzeugen.
Bis zu 80 Eigenbauten in Krems erwartet
Wie vielfältig die Szene ist, soll sich von Freitag bis Sonntag beim bereits 42. Internationalen Igo-Etrich-Treffen am Flugplatz Krems zeigen. Erwartet werden – abhängig vom Flugwetter – zwischen 50 und 80 selbst gebaute Maschinen. Die Teilnehmer reisen mit ihren Flugzeugen unter anderem aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden an.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur die außergewöhnlichen Maschinen. Flugzeugbauer und Piloten wollen Erfahrungen austauschen, Kontakte knüpfen und internationale Freundschaften pflegen – und zugleich zeigen, dass der Traum vom eigenen Flugzeug nicht zwingend in einer Fabrik beginnen muss.
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