„zeitkang im museum“

Zeitgenössische Musik flirtet mit Tonalität

Vorarlberg
09.08.2026 16:55
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Die Konzerte des Wiener Concert Vereins „zeitkang im museum“ sind fixer Bestandteil des Bregenzer Musiksommers – und das ist gut so. Am Freitagabend war es wieder einmal so weit. 

Jahrelang waren die Konzerte des Wiener Musik Vereins ins Programm der Bregenzer Festspiele integriert. Wie beispielsweise auch das Barockkonzert in Bildstein wurden sie ausgelagert und finden nun in Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltern statt. Im Falle der Zeitklang-Konzerte sind dies das vorarlberg museum und die Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik (ÖGZM).

Ein leicht getrübtes Konzerterlebnis
Sehr präsent war bei dem Konzert am Freitag die gegenwärtige Ausstellung des vorarlberg museums mit dem Titel „Baustelle Erinnerung“. Rot-weiße Absperrbänder suggerierten eine Baustelle, und ein mehrere Quadratmeter großer Bildschirm zeigte Trailer und Fotos, immer wieder auch verfremdet mit den Impulsen der Musik. Das ist Geschmacksache.

„Magic Cycles“ zum Auftakt des Programms
Jedenfalls hat dies abgelenkt von den Klängen der Streicher des Wiener Concert Vereins und des Pianisten Florian Hecher. Dieser eröffnete das Programm mit einem Klavierstück, betitelt mit „Magic Cycles“, von Tomaž Svete, geboren 1956. Der wohl führende Komponist Sloweniens bezieht sich damit auf Josef Matthias Hauer und seiner speziellen Musiktheorie, einer Art früher Aleatorik. Bei Tomaž Svete manifestiert sich dies in Passagen mit isolierten, am Pedal nachklingenden Akkorden, abgewechselt von lebhaften Abschnitten.

Ein gefeiertes Premierenwerk 
Ist Svete bereits ein etablierter Komponist, so stellte Nikolay Orininsky, seit 2013 in der Gruppe der 1. Violinen bei den Wiener Symphonikern tätig, an diesem Freitagabend sein erstes Werk überhaupt vor. Es hieß „Delirious Chants“ und wurde vom Publikum mit Bravorufen gefeiert. Im Zentrum des Stücks für Streichorchester stehen flirrende Klänge, auf denen sich eine kraftvolle Melodie der Solobratsche (Johannes Flieder), später aller tiefen Streicher entfaltet. Diese Melodie hat Orininsky, so erzählt er, im Traum empfangen. Er ist bei der kompositorischen Verarbeitung sehr nah an der herkömmlichen Tonalität geblieben.

Hommage an Bregenz und den Bodensee
Nach einem eher gleichförmigen, melancholischen Werk aus dem Jahr 1969 des schweizerisch-französischen Komponisten Pierre Wissmer mit dem Titel „Stèle“, erklang ein weiteres Werk eines jungen Tonschöpfers, das geradezu süffig herüberkam. Die Rede ist von einem Stück des jungen Florian Hecher mit dem Titel „Bregenz“. Als Zwanzigjähriger kam der Niederösterreicher eher zufällig an den Bodensee und erlebte beglückende Tage. So beschreibt es der auch mit Filmmusik erfolgreiche Hecher, der sich bei seinem Werk selbst ans Klavier setzte und es zusammen mit den Streichern des Wiener Concert Vereins zur Uraufführung brachte. Auch hier gab es Bravos und reichen Applaus.

Die Komponistin Johanna Doderer hat vor zwanzig Jahren zu mir in einem Interview gesagt: „Die Tonalität ist noch lange nicht ausgeschöpft“. Sie hatte recht, heute mehr denn je.

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