Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl zeigt sich ebenfalls empört über die Äußerungen von Kanzler Christian Stocker (ÖVP) zum Thema Kinderbetreuung („Keine Arbeit“). Das sei eine „unfassbare Aussage“. Dass sich der ÖVP-Chef für seine Worte bereits entschuldigt habe, sei gut, aber nun will sie Taten sehen.
„Es ist die Hundsarbeit, die immer noch die Frauen erledigen – unbezahlt“, betonte die AK-Chefinam Samstag in der Ö1-Sendereihe „Im Journal zu Gast“. Kinderbetreuung sei Arbeit und gerade Frauen, die in den allermeisten Familien immer noch den Großteil der Kindererziehung übernehmen, leisteten damit Großartiges. Welche Taten sie nach der Entschuldigung vom Kanzler sehen möchte? Teilzeitarbeitende sollen den gleichen Überstundenzuschlag erhalten wie Menschen in Vollzeitpositionen. Zudem sprach sich die 63-jährige Gewerkschafterin für den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen aus.
Anderl übt Kritik auch an der SPÖ
In diesem Zusammenhang nahm die SPÖ-Politikerin aber auch ihre Partei in die Pflicht, die ja mit in der Regierungskoalition sitzt. Die Roten müssten mehr in die Offensive gehen bei Schwerpunktthemen. Dabei sei nicht nur die Parteispitze gefragt, sondern alle neun Bundesländer. Anderl stellte aber auch klar: „Verhindern tut es nicht die Sozialdemokratie, verhindern tun es die anderen Parteien.“

„Es ist Feuer am Dach“
Indirekte Kritik übte die AK-Chefin auch am roten Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der zuletzt Bundesparteichef Andreas Babler indirekt den Rücktritt nahegelegt hatte. „Er hat recht, es ist Feuer am Dach“, sah Anderl wie Doskozil angesichts schlechter Umfragewerte und Wahlergebnisse Handlungsbedarf. „Aber ich möchte hier anmerken: Es liegt nicht immer an einer Person.“ Diskussionen – „ob es um den Parteivorsitzenden geht, ob es um andere Themen geht“ – sollten in den Gremien geführt werden. Danach müsse die Partei „mit einer Sprache nach außen gehen, damit die Menschen auch uns wieder vertrauen“. Das fehle derzeit.
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