42 Tiere abgenommen

180.000 Euro Steuergeld für falschen Tierschutz

Wien
08.08.2026 17:30

Die Kolumne von Maggie Entenfellner vom 1. August über dubiose Hundevermittlungen aus dem Ausland sorgte für hitzige Diskussionen. Nun liefert ein Fall in Wien traurige Aktualität für genau jene Kritik der „Krone“-Tierecke. Es geht um 42 beschlagnahmte Tiere, gefälschte Impfnachweise und den Verdacht auf ein europaweites System.

In Wien wurde ein Kleintransporter aus der Ukraine gestoppt, an Bord 20 Hunde und 22 Katzen. Die Fahrer gaben an, im Auftrag einer Tierschutzorganisation zu handeln und die Tiere nach Frankreich zu bringen. Schlüssig erklären, warum der Weg über Wien führte, konnten sie nicht. Einen Befähigungsnachweis für den Transport hatten sie auch nicht.

Fälschung statt Fürsorge
Die Tiere wurden in die Obhut des TierQuarTier Wien gebracht. Bei der veterinärbehördlichen Kontrolle häuften sich die Unstimmigkeiten. Mehrere Gesundheitsbescheinigungen widersprachen einander inhaltlich. Auch bei den Tollwutimpfnachweisen zeigten sich Ungereimtheiten, etwa bei Chargennummern oder Verfallsdaten. Noch alarmierender war das Ergebnis der Antikörpertests. Bei sämtlichen Tieren lagen die Werte deutlich unter jenen aus den ukrainischen Unterlagen.

Wiederkehrendes Geschäft mit Mitleid
Fünf Hunde und neun Katzen hatten überhaupt keine Antikörper im Blut. Sie waren also nie geimpft worden, trotz gegenteiliger Angaben in den Papieren. Die geplante Route des Transporters hätte über mehrere EU-Staaten geführt, unter anderem Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Deutschland und die Beneluxländer. Der Fahrer gab zudem an, dass derzeit etwa 3000 weitere Tiere in der Ukraine auf die Ausfuhr in die EU warteten.

Zitat Icon

Wer Tiere aus unbekannten Quellen übernimmt, riskiert nicht nur viel Geld, sondern im schlimmsten Fall auch die eigene Gesundheit und die seiner Familie.

Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin für Gesundheit, Konsumenten- und Tierschutz

Solch ein Transport ist kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Systems. Ein nahezu identer Fall ereignete sich bereits im Vorjahr an der Grenze in Nickelsdorf, wo der Zoll einen Transport mit mehr als 70 Hunden und Katzen stoppte. Selber Fahrer, dieselben Organisationen, dieselben Unregelmäßigkeiten bei den Tollwutwerten.

Gefahr für Mensch und Tier
Hinter den gefälschten Papieren steckt keine Formsache, sondern eine tickende Zeitbombe. Tollwut verläuft, einmal ausgebrochen, fast immer tödlich. Ein einziger Biss reicht aus, um das Virus zu übertragen. Infizierte Tiere können wochenlang völlig gesund wirken, bevor die Krankheit sichtbar wird. Wer gefälschte Impfnachweise in Umlauf bringt, riskiert also nicht nur das Leben des Tieres selbst, sondern auch das von Menschen.

Hohe Kosten und zerplatzte Hoffnungen
Die 42 beschlagnahmten Tiere werden im TierQuarTier Wien erneut gegen Tollwut geimpft. Nach einer 30-tägigen Wartefrist folgt ein neuerlicher Antikörpertest, insgesamt bleiben sie drei Monate in Quarantäne. Die Kosten dafür werden auf 4300 bis 4500 Euro pro Tier geschätzt. In Summe weit mehr als 180.000 Euro, die letztlich die Steuerzahler tragen.

Betroffen sind aber auch jene Menschen, die bereits rund 500 Euro für „Transport“ und „Schutzgebühr“ bezahlt hatten, in dem Glauben, einem Tier aus dem Kriegsgebiet ein neues Zuhause zu schenken. Sie stehen nun ohne Tier und ohne Geld da.

Klartext
Von Maggie Entenfellner

„Ich stehe weiterhin dazu: Es braucht dringend schärfere Gesetze und Kontrollen. Damit nicht kranke Tiere über mehrere Länder hinweg um teures Geld verscherbelt werden.“

Österreichische Tierheime, ohnehin an ihrer Kapazitätsgrenze, tragen die Folgen des Tierhandels mit. Seit Jahrzehnten ist unsere „Krone“-Tierecke mit solchen Fällen konfrontiert. Zur täglichen Arbeit gehört die Vermittlung notleidender Vierbeiner ebenso wie die Unterstützung von Tierhaltern, die sich hohe Tierarztkosten für ihre Lieblinge nicht mehr leisten können. Auffallend viele Hilferufe betreffen dabei Tiere aus dem Ausland.

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