Seit Monaten jagt eine Hiobsbotschaft über die deutsche Autoindustrie die nächste: marode Geschäftszahlen, Stellenabbau und Sparprogramme. Mercedes forderte sogar eine Stundenaufstockung ohne höhere Entlohnung.
Aber läuft es wirklich so schlecht bei den Nachbarn? Allein im 1. Quartal erzielte BMW ein operatives Ergebnis von 1,35 Milliarden, Mercedes-Benz von 933 Millionen und die Volkswagen Group von 2,5 Milliarden Euro. Zusammen erwirtschafteten die drei Konzerne so 4,8 Milliarden Euro Gewinn in nur 3 Monaten – trotz US-Zöllen, Kriegen, harter Konkurrenz aus China und der wohl größten Transformation der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Zwar liegen die Ergebnisse teilweise unter dem Vorjahr, doch ein Teil des Rückgangs ist auf Investitionen in den Konzernumbau und die Elektromobilität zurückzuführen. Gleichzeitig sind die Auftragsbücher gut gefüllt: BMW zum Beispiel verzeichnet derzeit den höchsten Auftragseingang für E-Autos der Konzerngeschichte.
Damit stellt sich die Frage: Wurden die Wachstumserwartungen in durchaus gesättigten Industrieländern nicht schlicht zu hoch angesetzt? Die weltweite Produktion von Kraftfahrzeugen stieg in den letzten 25 Jahren von rund 58 Millionen auf knapp 93 Millionen Fahrzeuge im Jahr 2024. Würde dieses Wachstum im gleichen Tempo anhalten, läge die Produktion bis 2050 bei knapp 200 Millionen Fahrzeugen jährlich. Doch wer soll all diese Autos überhaupt kaufen? Vielleicht ist der Glaube an ewiges Wachstum doch nur eine Märchengeschichte, von der sich die Autobauer verabschieden müssen.
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