Durchtauchen ist das Motto von SPÖ und ÖVP in der Causa Heinz Lederer. Weder aus der SPÖ-Parteizentrale noch Medienminister Andreas Babler wollen zu den heiklen, von der „Krone“ enthüllten Ermittlungen rund um den ORF-Stiftungsratsvorsitzenden etwas sagen. Auch die ÖVP will nicht anstreifen. Unter den Regierungsparteien wagen sich lediglich die NEOS aus der Deckung.
Wie die „Krone“ enthüllt hat, droht dem wegen seiner Deals innerhalb und außerhalb des ORF ohnehin höchst umstrittenen SPÖ-Stiftungsratschef Heinz Lederer juristisches Ungemach. Die Wiener Staatsanwaltschaft führt den obersten Roten im Rundfunk als Beschuldigten!
Schwere Nötigung?
Ermittelt wird wegen Verdachts der schweren Nötigung bei einem Handygespräch in mutmaßlicher Mafia-Manier mit dem damaligen Generaldirektor Roland Weißmann, der über anzügliche Chats mit einer Mitarbeiterin stürzte. Lederer soll im Frühjahr 2025 offene Personalwünsche für seine „Amtszeit“ gestellt und einen millionenschweren Auftrag für eine TV-Produktionsfirma verlangt haben. Alles verbunden mit der eindeutigen Drohung bei Nichterfüllung der Forderungen: „Das war‘s dann mit dem General!“
Das sagt die Weißmann-Seite
Inzwischen meldete sich auch Norbert Wess, der Roland Weißmann gemeinsam mit Oliver Scherbaum rechtlich vertritt, zur Causa zu Wort. Man habe über den Beschuldigtenstatus „ebenfalls erst aus den Medien erfahren“ und möchte den diesbezüglichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen. Nachsatz: Überrascht über die Ermittlungen sei man freilich aber nicht.
Lederer selbst wird zudem nachgesagt, dass er ein Mann des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig sei. Dessen Büro will davon nichts wissen. Der von der Stadtregierung entsandte Stiftungsrat heiße Norbert Kettner, heißt es aus dem Büro von Ludwig. Medienminister Babler lässt mitteilen, dass der ORF „unabhängig“ sei und die Angelegenheit „Sache des Stiftungsrats“. Bundesparteigeschäftsführer Klaus Seltenheim will sich ebenso „nicht einmischen“.
„Danke für die Anfrage. Wir kommentieren diese Geschichte nicht“, heißt es auch aus der ÖVP-Zentrale. FPÖ, Grüne und NEOS verlangen unmissverständlich den Rücktritt Lederers. Eine Abberufung ist rechtlich nicht möglich. Die Causa sei ein weiterer Skandal in einer endlosen Kette von Affären, Postenschacher und Freunderlwirtschaft am Küniglberg, so FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker.
Hafenecker ortet „Mafia-Methoden“
„Was sich hier abspielt, erinnert an die Methoden der Mafia, nicht an die Führungsetage einer öffentlich-rechtlichen Anstalt. Sollte der Medienbericht stimmen, dann ist das nicht nur strafrechtlich relevant, sondern ein Anschlag auf die Unabhängigkeit des ORF. Dieser rote Machtzirkel betrachtet den ORF offenbar als seinen persönlichen Selbstbedienungsladen, finanziert mit dem Zwangsgeld der Bürger“, so Hafenecker. Lederer, für den die Unschuldsvermutung gelte, sei als Stiftungsrats-Chef aus mehreren Gründen dennoch völlig untragbar geworden und müsse sofort zurücktreten. FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler sieht „die SPÖ am Zug“, wie er zur „Krone“ sagt.
Für die grüne Mediensprecherin Sigi Maurer ist der Fall jedenfalls klar: „Lederer ist als Stiftungsratsvorsitzender nach seinen politischen Interventionen, seinem verheerenden Krisenmanagement rund um die Causa Weißmann und der Nutzung seines Stiftungsratsmandats für seine privaten wirtschaftlichen Interessen schon längst untragbar.“
Solange Babler und Ludwig ihren Stiftungsratsvorsitzenden decken, sind sie auch persönlich für sein Handeln verantwortlich.
Sigi Maurer
„Dass Lederer in seinem 80er-Jahre-Politstil komplett unbelehrbar ist, ist nichts Neues. Die politische Frage lautet aber: Wie lange machen SPÖ-Chef Babler und der Wiener Bürgermeister ihrem roten Stiftungsratschef noch die Mauer? Michael Ludwig hat ein besonderes Händchen dafür, untragbare Personen auch nach Skandalen zu schützen – wie zuletzt bei Walter Ruck oder dem mittlerweile beurlaubten ORF-III-Geschäftsführer Schöber“, so Maurer und nimmt SPÖ-Chef Andreas Babler in die Verantwortung.
Der SPÖ-Chef und Medienminister ziehe sich bisher damit aus der Affäre, dass er keine Möglichkeit der Abberufung hätte. Das sei formal zwar richtig, aber man müsse sich schon die Frage stellen: „Wie schwach ist ein Parteichef, der sich nicht einmal traut, eine von ihm persönlich nominierte Person zum Rücktritt aufzufordern? Oder verhält es sich gar so, dass Babler mit dem Vorgehen und den politischen Interventionen des roten Stiftungsratsvorsitzenden einverstanden ist und hier in seinem Interesse agiert wird?“, fragt sich Maurer.
Das sagte Lederer selbst
Auf „Krone“-Anfrage konterte ein entspannt wirkender Heinz Lederer die Anschuldigungen. Aus journalistischen Fairnessgründen bringen wir ungekürzt seine ganze Verantwortung: „Stiftungsräte und im Speziellen Ausschussvorsitzende (Finanzausschuss und Programmausschuss und deren Stellvertreter) so auch Stiftungsratsvorsitzende haben sogar die Pflicht und Aufgabe, sich intensiv mit den Direktoren und mit dem
Generaldirektor abzustimmen und sich über strategische personelle und budgetäre Fragestellungen im Interesse des Unternehmens auszutauschen!“
Und weiter: „Klar ist, operative Entscheidungen muss die Geschäftsführung alleine in ihrer Verantwortung treffen! In welchem Zeitraum ich mit dem Generaldirektor gesprochen habe und über Inhalte – bitte ich um Verständnis – unterliegt nach ORF-Gesetz der Verschwiegenheitspflicht.“
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