Entdeckung nach Sturm

Eremit mit sechs Beinen lebt in alten Birnbäumen

Niederösterreich
06.08.2026 18:00

Als ein Sturm einen Baum im Mostviertel gefällt hatte, entdeckte man in dessen Stamm den seltenen Juchtenkäfer. Der streng geschützte Krabbler wurde umgesiedelt.

Er wird zwar „Eremit“ genannt, doch ein richtiger Einsiedler dürfte der Juchtenkäfer – wissenschaftlich: Osmoderma eremita – dann doch nicht sein. Zumindest trifft das auf jene Exemplare dieser seltenen Spezies zu, die jetzt auf einer Streuobstwiese in Seitenstetten, Bezirk Amstetten, entdeckt wurden.

Bienen führten zu Käfer
Ein Sturm hatte im Juni auf dem Areal des Biobauernhofs der Familie Sindhuber einen Baum der Sorte Schmotzbirne entwurzelt. Als Christa und Bernhard Sindhuber ein Bienenvolk, das in einer Höhle des alten Stammes hauste, bergen wollten, stießen sie auch auf auffällig große Larven und mehrere dunkel glänzende Käfer. Biologe Mathias Weis aus Seitenstetten begutachtete die Entdeckung – und bestätigte: „Es handelt sich um den äußerst seltenen ,Eremit‘ oder Juchtenkäfer, der bisher nur wenige Male im Mostviertel nachgewiesen worden ist.“

Verborgen in Baumhöhlen
Der seltene Krabbler muss schon seit Jahren oder Jahrzehnten sein Zuhause in dem Baum der Sindhubers gefunden haben. Darauf lassen unterschiedliche Larvenstadien schließen. Der Käfer verbringt die meiste Zeit seines Lebens verborgen in alten Baumhöhlen, sein Nachwuchs entwickelt sich über mehrere Jahre im sogenannten Mulm, dem zersetzten Holz. „Abgestorbene und somit nutzlos scheinende Bäume können für seltene Tiere also unersetzlicher Lebensraum sein“, erklärt Biologe Weis, der für die Leader-Region Moststraße tätig ist.

Zitat Icon

Dieser Fund zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll unsere alten Birnbäume im Mostviertel für die Artenvielfalt sind.

Mathias Weis, Biologe

Neue „Unterkunft“ gefunden
„Wir waren natürlich überrascht, was da in einem unserer Bäume lebt“, berichten Christa und Bernhard Sindhuber. Als das Landwirtepaar dann noch erfuhr, wie selten der sechsbeinige „Eremit“ ist, wollten sie, dass er auf ihrem Grund einen neuen Platz bekommt. Und tatsächlich: Auf einer Schafweide der Familie fand sich ein alter Mostbirnbaum mit passender Höhle...

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