Neue Studie zeigt

Hitze bremst bei Ungeborenen die Gehirnentwicklung

Wissen
05.08.2026 10:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine neue Studie zeigt: Werden Ungeborene starken Hitzeperioden ausgesetzt, verändert sich die Hirnentwicklung. So kommt es bis zum Alter von 14 Jahren zu einem verringerten Wachstum der Thalamus-Gehirnregion. Wissenschaftler fordern deshalb gezielte Hitzeschutzmaßnahmen für Schwangere und Babys.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die neurologische Entwicklung von Kindern sind bisher wenig erforscht. Ein spanisch-niederländisches Forscherteam untersuchte daher den Zusammenhang zwischen Hitze- und Kältebelastung von der Schwangerschaft bis zum Alter von 8,5 Jahren und späteren Veränderungen der Gehirnstruktur bei 9- bis 15-Jährigen.

Hitze verlangsamt Thalamus-Wachstum
Die wissenschaftliche Untersuchung lief im Rahmen einer großen niederländischen Studie, in der 3251 Kinder aus Rotterdam mit der Schwangerschaft ihrer Mütter in der Dekade zwischen den Jahren 2001 und 2011 langfristig begleitet und untersucht wurden. Wohnortdaten und die Temperaturen (zwischen minus 7,9 Grad Celsius und 31,3 Grad Celsius) wurden analysiert. Im Alter von durchschnittlich rund zehn und 14 Jahren erfolgte eine Magnetresonanzuntersuchung des Gehirns der Heranwachsenden. Dabei wurden auch die Volumina von Gehirnregionen gemessen.

Das Hauptergebnis, so die Wissenschaftler: „Die Exposition gegenüber einer monatlichen Durchschnittstemperatur von 20,5 Grad Celsius während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter war mit einem verlangsamten Wachstum des Thalamus verbunden.“ Der Thalamus gehört zu den Gehirnregionen, die sich in der Embryonalentwicklung am frühesten bilden. Er liegt im Zwischenhirn und filtert Signale aus dem Körper, bevor er sie zur Verarbeitung an die Großhirnrinde weiterleitet.

Stärkerer Einfluss in den ersten Schwangerschaftsdritteln
Hatte die Hitzebelastung die Föten im ersten Schwangerschaftsdrittel getroffen, zeigte sich später eine um 25,80 Kubikmillimeter kleinere Thalamus-Region. Bei Hitze im zweiten Schwangerschaftsdrittel waren es im Vergleich zu keiner Belastung minus 25,60 Kubikmillimeter, im dritten Trimester minus 22,92 Kubikmillimeter. Hohe Temperaturen innerhalb der ersten drei Lebensmonate der Babys führte langfristig zu einem um 5,31 Kubikmillimeter geringerem Thalamus-Volumen. Kälteperioden blieben übrigens ohne Auswirkung auf die Gehirnentwicklung.

Mögliche Verhaltensstörungen
Nachfolgende Analysen der Studie ergaben zudem, dass die Hitze sogar Verhaltensstörungen auslösen kann. Im Alter zwischen 13 und 16 Jahren wurden nach Hitzebelastung in der Schwangerschaft vermehrt sogenannte „externalisierende Symptome“ registriert. Darunter werden stärkere Impulsivität, Aggressivität und weniger regelkonformes Verhalten verstanden. Aber der Zusammenhang war offenbar nicht eindeutig genug für endgültige Aussagen.

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