Lage „sehr ungünstig“

Waldbrände in Südeuropa: 300.000 auf der Flucht

Ausland
27.07.2026 08:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Waldbrände in Südeuropa nehmen immer besorgniserregendere Ausmaße an. Mehr als 300.000 Menschen sind auf der Flucht vor dem Feuer. Im Südwesten Frankreichs rückten die Flammen am Sonntag bis 15 Kilometer vor den Großraum Bordeaux heran. Auch in Spanien und Italien wüten weiter heftige Brände.

Als „sehr ungünstig“ bezeichnete der französische Innenminister Laurent Nuñez die Situation vor den Toren von Bordeaux. „Eine weitere schwierige Nacht an der Waldbrandfront“, erklärte er am Sonntag. Allein im Département Gironde seien 42.000 Hektar Land verbrannt. Mehr als 270.000 Menschen mussten ihre Häuser westlich und südwestlich von Bordeaux verlassen.

Evakuierung „kommt nicht infrage“
Eine Evakuierung des rund eine Million zählenden Großraums Bordeaux komme dagegen „nicht infrage“, weil sich das Feuer südlich befinde und im Westen nicht vorrücke, erklärte der Bürgermeister der französischen Metropole am Sonntag. Bis zur Stadtgrenze seien es noch 25 bis 30 Kilometer.

Unter Kontrolle sind die Flammen aber noch lange nicht. Nach Angaben der Feuerwehr entwickelte der Brand zeitweise einen sogenannten Pyrocumulonimbus - eine gewaltige Rauchwolke, die ihre eigenen Winde erzeugen kann und Feuer besonders unberechenbar macht. Rund 140 Wohnhäuser wurden bereits zerstört.

Satellitendaten der NASA zeigen die Brände westlich von Bordeaux in den vergangenen 24 Stunden.
Satellitendaten der NASA zeigen die Brände westlich von Bordeaux in den vergangenen 24 Stunden.(Bild: FIRMS/NASA)

In Spanien mussten wegen der beispiellosen Brände in der Umgebung der Hauptstadt sowie nahe Valencia im Osten des Landes insgesamt 75.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Durch den starken Wind könnten die Flammen weiter angefacht werden. Löschflugzeuge aus Italien und Portugal unterstützen die spanischen Einsatzkräfte bei der Bekämpfung der Brände.

Ein Toter bei Valencia
Der neue Waldbrand in der Nähe von Valencia hat einen Umfang von 21 Kilometern. „Das Feuer übersteigt unsere Löschkapazitäten“, erklärte Regionalpräsident Juanfran Pérez Llorca. Noch sei es schwierig, die Größe der verbrannten Fläche zu bestimmen. Am Samstag war westlich von Valencia ein Mann bei einem anderen Waldbrand ums Leben gekommen.

Auch in Süditalien halten mehrere Waldbrände die Einsatzkräfte in Atem. Ein schwerer Brand brach am Sonntag zwischen den Urlaubsorten Peschici und Vieste in der Adria-Region Apulien aus. Angefacht durch starken Südwind breiteten sich die Flammen rasch in Pinienwäldern aus und näherten sich den Stränden.

Deutliche Hinweise auf Brandstiftung
Rund 200 Badegäste wurden mit Booten der Küstenwache und Ausflugsschiffen über den Seeweg in Sicherheit gebracht. Insgesamt mussten mehr als 1000 Menschen gerettet werden. Etwa 300 Campinggäste wurden nach Vieste geführt und dort in Sporthallen und anderen öffentlichen Einrichtungen untergebracht. Laut den Behörden gibt es deutliche Hinweise auf Brandstiftung. Das Feuer sei an mehreren Stellen gleichzeitig gelegt worden.

Die Brände bedrohen Urlaubsorte an der Adria (im Bild Peschici).
Die Brände bedrohen Urlaubsorte an der Adria (im Bild Peschici).(Bild: AFP)

Auch im benachbarten Molise wüten mehrere Brände. Campingplätze, Badeanlagen und ein Pflegeheim mussten vorsorglich geräumt werden. Urlauber mussten Campingplätze und Strandbäder verlassen. Zudem wurden 21 Bewohner eines Pflegeheims in eine Kirche und benachbarte Gemeinderäume gebracht. Begünstigt durch große Hitze und starken Wind, breiteten sich die Flammen rasch aus. Mehrere Familien mussten ihre Häuser verlassen. Der Rauch führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Adriatische Staatsstraße SS16 sowie die Bahnstrecke entlang der Adriaküste wurden vorübergehend gesperrt.

Papst tief besorgt
Papst Leo XIV. zeigte sich am Sonntag tief besorgt über die Waldbrände. Beim Mittagsgebet in Castel Gandolfo bei Rom versicherte er den Betroffenen seine Nähe. Zugleich rief der Papst die Gläubigen dazu auf, für alle zu beten, die vom Feuer betroffen seien, und für jene, die ihnen zu helfen versuchen.

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