Salzburger Festspiele

Meditation statt Oper: Passion zieht in den Bann

Salzburg
24.07.2026 13:30
Porträt von Salzburg-Krone
Von Salzburg-Krone

Muss Oper immer großes Theater sein? Pascal Dusapins Passion gibt darauf eine überraschende Antwort. Die konzertante Aufführung bei den Salzburger Festspiele zeigte am Donnerstag in der Kollegienkirche, dass manchmal gerade der Verzicht auf szenischen Aufwand die größte Wirkung entfaltet.

Wo sonst Bühnenbilder und Regie den Blick lenken, sprach hier allein die Musik und verwandelte den Abend streckenweise in eine beinahe meditative Erfahrung. Dabei ist „Passion„ alles andere als leichte Kost. Der französische Komponist greift den Orpheus-Mythos auf, erzählt ihn aber nicht nach. Aus Orpheus und Eurydike werden schlicht „Sie“ und „Er„, zwei Menschen zwischen Anziehung und Entfremdung. Nicht die Handlung steht im Mittelpunkt, sondern wechselnde Seelenzustände. Dusapin knüpft dabei an Monteverdis Opernwelt an und schafft dennoch eine ganz eigene, faszinierende Klangsprache. Die schlichte Kollegienkirche erwies sich dafür als idealer Ort. Ihr nahezu leerer Raum ließ jede Klangfarbe hervortreten. Nicht umsonst ist sei ein beliebter Aufführungsort in der Konzertreihe „Ouverture Spirituelle“. Franck Ollu hielt die filigrane Partitur mit sicherer Hand zusammen und vertraute auf ihre langen Spannungsbögen.

Im Zentrum standen wortwörtlich Sarah Aristidou und Georg Nigl. Aristidou meisterte die enorm anspruchsvolle Partie der „Sie“ mit beeindruckender Leichtigkeit und großer Ausdruckskraft. Nigl verlieh der konzertanten Aufführung eine Bühnenpräsenz, die jede Begegnung der beiden Figuren glaubhaft machte. Das Beeindruckendste geschah jedoch fast unbemerkt. Was anfangs zurückhaltend klang, entwickelte Minute für Minute einen immer stärkeren Sog. Ohne große Effekte, ohne opernhafte Gesten entstand eine intensive Klangwelt, der sich das Publikum kaum entziehen konnte. Der lange Applaus galt einer Aufführung, die zeigte, wie ideal Dusapins Klangwelt mit der Atmosphäre der Kollegienkirche verschmolz.                  Larissa Schütz

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