Pflegeheime

Wenn zwar das Geld, aber kein freier Platz da ist

Ombudsfrau
27.07.2026 08:00
Porträt von Ombudsfrau
Von Ombudsfrau

Ein betagter Niederösterreicher bräuchte dringend einen Platz im Pflegeheim. Weil er diesen aber laut Gesetz aus eigener Tasche bezahlen muss, hat er wenig Chance. Denn die Plätze für Selbstzahler sind rar. 

Eine Handvoll Menschen muss in Niederösterreich nach wie vor selbst für einen Heimplatz bezahlen. Für alle anderen bezahlt die Differenz zwischen monatlichen Kosten und Einkommen aus Pension und Pflegegeld die öffentliche Hand. Dass Peter A. (Name geändert) zumindest finanziell auf die Butterseite gefallen ist, nützt ihm derzeit aber nichts.

24-Stunden-Pflege stößt an Grenzen
Er leidet an starker Demenz. Der Pflegeaufwand sei mittlerweile so groß, dass die Pflegeagentur keine neuen 24-Stunden-Pfleger mehr vermitteln will, schildert sein Sohn. Normalerweise stellt man hier einen Antrag auf einen Heimplatz bei der zuständigen Behörde. Nicht so in diesem Fall.

Paradoxe Situation für Selbstzahler
„Da mein Vater ein zu hohes monatliches Einkommen hat, müssen wir selbst bei diversen Heimen anfragen, ob ein Platz für Selbstzahler frei ist“, so der Sohn weiter. Bisher sei es nicht gelungen, einen solchen Platz zu finden. Denn der mehr als überwiegende Teil der Plätze sei eben für Nicht-Selbstzahler vorgesehen. 

Keine Chancengleichheit
„Erst wenn sich eine Woche niemand melden sollte, könnte man einen der geförderten Plätze auch einem Selbstzahler geben, was gewissermaßen niemals vorkommt. Somit ist die Wahrscheinlichkeit zig-mal geringer, einen Platz zu ergattern.“ Es gehe ihm nicht darum, dass sein Vater eine Förderung oder finanzielle Unterstützung erhält, sondern nur um die gleiche Chance, einen Platz zu bekommen, betont der Sohn.

Zitat Icon

Wenn der Platz in der Nähe der Familie sein soll, ist die Suche als Selbstzahler fast unmöglich. Das ist ein eindeutiger Verstoß des Gleichheitsgrundsatzes.

Sohn des Betroffenen

2000 Personen in NÖ betroffen
Laut dem Amt der niederösterreichischen Landesregierung, bei dem die Ombudsfrau nachgefragt hat, sind rund 2000 Personen betroffen. Sie können im Sinne des NÖ-Sozialhilfegesetzes aus eigenem Einkommen und Pflegegeld die Kosten der Pflege und Betreuung zur Gänze selbst tragen.

Keine Hilfe bei der Suche – aber mögliche Lösung im Herbst
Die Heimaufnahme könne ausschließlich auf Plätze außerhalb des vertraglich vereinbarten Kontingentes des Landes NÖ erfolgen. Die Suche könne nicht über die öffentliche Verwaltung übernommen werden. Immerhin stellt man einen freien Platz außerhalb des vertraglich vereinbarten Kontingents ab September in Aussicht. In den Sommermonaten seien diese Plätze bereits für Kurzzeitpflegegäste vergeben.

„Manche Pflegeheime nehmen sogar ausschließlich Patienten über Vermittlung der Bezirkshauptmannschaften auf. Übrig bleibt ein dementer Mensch, dem im sozialen Österreich nicht geholfen wird“, zieht der Sohn vorläufig ein trauriges Resümee.

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