Asmik Grigorian als Carmen, Markus Hinterhäusers viel spekulierte Rückkehr und eine ausverkaufte Elfriede Jelinek. Eine persönliche Vorschau auf die Salzburger Festspiele, die Premieren und Glanzpunkte.
Alle Jahre wieder scheinen die Höhepunkte der Salzburger Festspiele schon festzustehen, bevor der erste Vorhang aufgeht. Sie strahlen von den Plakaten in der Altstadt, aus den Besetzungslisten und den Schlagzeilen. Die eigentlichen Entdeckungen verstecken sich oft ein paar Seiten weiter hinten im Programmheft. Ein Überblick über die Höhepunkte:
An „Carmen“ führt heuer kaum ein Weg vorbei. Asmik Grigorian gibt ihr Debüt als Carmen, Strahlemann Jonathan Tetelman singt Don José – ein Traumpaar mit dem Potenzial, jenes Feuer zu entfachen, das Anna Netrebko und Rolando Villazón 2005 mit ihrer legendären „Traviata“ entzündeten. Auch über „Ariadne auf Naxos“ wird gesprochen. Nicht zuletzt wegen Elīna Garančas bemerkenswert ehrlicher Absage. Sie habe keinen Zugang zur Rolle gefunden, erklärte sie. Ein Satz, den man von Opernstars selten hört. Mit Christina Nilsson übernimmt eine erfahrene Ariadne, die gleichzeitig ihr Salzburg-Debüt feiert.
Hinterhäusers Auftritte mit großen Fragezeichen
Viel Zeit blieb Ex-Intendant Markus Hinterhäuser für das Schauspiel nicht. Sein erstes und wohl auch letztes Programm bringt dafür gleich zwei Uraufführungen: Elfriede Jelinek und Peter Handke. Ein bemerkenswertes Abschiedsgeschenk, das nie als solches geplant war. Jelineks „Unter Tieren“ ist bereits restlos ausverkauft, für Handkes Stück mit Iffland-Ring-Träger Jens Harzer gibt es dagegen noch Karten.
Wer glaubt, das Kapitel Hinterhäuser sei beendet, könnte sich täuschen. Im Programm stehen gar noch zwei Konzerte mit ihm – ein Liederabend mit Matthias Goerne und ein Konzert mit Igor Levit. Beide wären musikalisch spannend, ob sie stattfinden, ist derzeit allerdings fast die interessantere Frage. Nachfolgerin Karin Bergmann hat ihm die Bühne dafür jedenfalls freigehalten. Hinterhäusers Antwort allerdings lässt noch auf sich warten. Die Gerüchteküche hat Betrieb.
Seit 25 Jahren kostenlose Oper und Theater
Genauso spannend sind die Konzertreihen, die sich über die Jahre still und leise zum Publikumsliebling entwickelt haben. Georg Nigls „Kleine Nachtmusiken“ gehören längst dazu. Das Publikum steigt dafür Abend für Abend die 220 Stufen hinauf zur Edmundsburg und sitzt dort so nah an den Künstlern, wie es im Festspielhaus kaum möglich wäre. Die Abende sind ausverkauft.
Wer es nicht einsieht, bis zu 500 Euro für einen Opernplatz auszugeben, sollte zum Kapitelplatz kommen. Bei den Siemens Festspiel Nächten laufen „Carmen“ und „Ariadne auf Naxos“ live und bei freiem Eintritt auf der Großleinwand neben legendären „Jedermann“-Aufzeichnungen – und das ganz ohne Frack und Robe. Dazu lässt sich die mitgebrachte Jause und das Glas Wein auspacken.
Und wer die Festspiele lieber ohne Vorstellung erlebt, verpasst trotzdem nichts. Im Festspielbezirk ist Menschenbeobachten mindestens so unterhaltsam wie mancher Premierenabend. Mit etwas Glück sitzen die Stars am Nachbartisch im Kaffeehaus.
Larissa Schütz
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.